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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Freier Fall, pures Adrenalin

Höxter (24.10.08). 40 Sekunden freier Fall aus 4.000 Meter Höhe. Wir haben uns in der Luft einmal überschlagen. Ich bin für einen kurzen Moment orientierungslos. Nach fünf Sekunden öffnet der Tandem-Master einen Bremsfallschirm. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 200 Kilometern pro Stunde rase ich in Bauchlage auf die Erde unter mir zu. Ich muss schreien, der Angst und den Emotionen freien Lauf lassen. Es kommt mir immer schneller vor. Durch die kalten Wolken hindurch. Der Wind ist laut und ich höre nichts um mich herum. Meinen Tandem-Master Eike Hohmann über mir habe ich völlig vergessen. Kurz denke ich darüber nach, ob sich der Fallschirm wohl wirklich öffnet, doch diesen Gedanken verdränge ich schnell. Die Erde kommt immer näher. Durch den Luftwiderstand fällt das Atmen schwer. Bei 1.500 Metern leitet der Tandem-Master die Öffnung des Fallschirms ein. Endlich gibt es den erlösenden Ruck, mein Körper richtet sich auf und ich bin erleichtert. Eike holt mich in die Gegenwart zurück: „Alles in Ordnung?”, fragt er. Ja, es ist alles in Ordnung. Ich bin so überwältigt von dem freien Fall, dass es mir die Sprache verschlagen hat und dass es mir schwer fällt die Aussicht unter mir zu genießen.
Für einen Moment darf ich den Fallschirm selbst lenken. Acht Minuten fliegen wir über Holzminden und Höxter, dem kleinen Flughafen auf dem Räuschenberg kommen wir immer näher. Gleich ist der schöne Moment des Fliegens vorbei. Jetzt sind schon die wartenden Besucher des Fallschirmspringervereins zu erkennen. Dann gibt mir Eike das Kommando zur Landung. „Knie hoch, Hände unter die Kniekehlen und die Beine gerade nach vorne strecken.” Leicht landen wir sitzend auf dem grünen Rasen. Schon ist alles vorbei. Es ging so schnell, dass ich das Gefühl habe, der gelebte Traum vom Fliegen sei nur ein Traum gewesen. Einerseits befinde ich mich immer noch im Höhenrausch. Andererseits bin ich erleichtert, wieder sicheren Boden unter den Füßen habe.
Eine Stunde zuvor beginnt mein Abenteur in der Luft mit der Ankunft auf dem Räuschenberg. Das Fallschirmspringer-Team Skydive Höxter ist eine junge und gut gelaunte Truppe, die mich freundlich begrüßt. Zunächst bekomme ich eine kurze Einweisung über das, was mich in der nächsten Stunde erwarten wird. Dann wird mir mein Tandem-Master Eike Hohmann vorgestellt. Im Hangar werde ich eingekleidet, der Tragegurt angepasst und mir werden Mütze, Brille und Handschuhe ausgehändigt. Dann erfolgt eine „Trockenübung”, wie ich mich im Flugzeug und beim Absprung zu verhalten habe. „Nach Öffnen der Flugzeugtür hängst Du zu erst die Beine raus und setzt Dich auf die Flugzeugkante. Die Daumen klemmst Du rechts und links unter die Tragegurte und legst die Ellenbogen eng an Deinen Körper. Dann legst Du den Kopf weit in den Nacken und machst ein Hohlkreuz”, erklärt Eike.
Dann geht es los. Der Pilot besteigt zuerst die kleine Cessna des Typs 182. Ein Fotograf, Eike und ich sowie ein weiterer Springer klettern hinterher. 25 Minuten dauerte es, bis sich die Cessna auf 4.000 Meter Höhe in die Luft geschraubt hatte. Im Flugzeug ist die Stimmung gut und die Jungs versuchen, mich bei Laune zu halten. Auf mittlerer Höhe setze ich Mütze und Brille auf und ziehe die Handschuhe an. Kurz vor der 4.000 Metermarke setze ich mich bei Eike auf den Schoß, und er verbindet unsere Tragegurte. Dann geht alles ganz schnell. Die Flugzeugtür öffnet sich. Die ersten beiden Fallschirmspringer haben das Flugzeug bereits verlassen.
Jetzt bin ich dran. Ehe ich mich versehe, sitze ich schon auf der Kante des Flugzeugs. Jetzt gibt es kein Zurück mehr, und für einen Moment bekomme ich Panik. Was mache ich hier eigentlich? Wieso begeben sich Menschen freiwillig in derartige Situationen? Um den Kick des Adrenalins zu spüren. 40 Sekunden freier Fall aus 4.000 Meter Höhe.
Wer Interesse hat, das einzigartige Gefühl des freien Falls beim Fallschirmspringen einmal selbst zu erleben, kann sich unter www.fallschirmspringer.de informieren (ab).

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