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Donnerstag, 17. Mai 2012




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260 Jahre Grünenplan: Die Zukunft der Vergangenheit

Das Krönchen auf Grünenplaner Glas konnte ein Logo des Hauses Braunschweig/Wolfenbüttel gewesen sein.

Grünenplan (20.06.09). Mit dem 250. Hüttenjubiläum vor 15 Jahren in Grünenplan konnte eine Festschrift zusammengestellt werden, mit der auch die Geschichte der Ortschaft seit ihrer spektakulären Gründung 1749 in verschiedenen Facetten veranschaulicht wurde. Offen bleiben mussten damals verschiedene Fragen zur Glasmachergeschichte Grünenplans und der Hilsmulde vor der Gründung der „Herzoglichen Spiegelglasmanufactur“ 1744: Wurde schon früher Weißglas oder Kristallglas neben dem grünen Waldglas hergestellt?  In welcher Glashütte arbeiteten die „alten Anbauer“? Durch Zuordnung archivalischer Erkenntnisse, die Glashüttengrabung „Talsköpfe“ des Kreisarchäologen Dr. Leiber und nach Auswertung einer Familienchronik aus Kaierde können nunmehr die 125 Jahre vor der Ortsgründung exakter beschrieben werden. Auch die Entstehung des „grünen Platzes“ (als Standort der Fürstlichen Spiegelglashütte, heute Schott-Standort) und des „Grünen Planes“ (eines relativ flach abfallenden Rückens des Holzberges) lässt sich plausibler darstellen.
1624 kommt der „Düringer“ Hans Greiner (aus Lauscha?) von einer Waldglashütte am Wabach im Vogler in den waldreicheren Hils und gründet eine Waldglashütte oberhalb des Hilsbornteiches, fünf Jahre später eine neue mit Hans Bartels nordwestlich von Kaierde. 1628 verheiratete er seine Tochter mit Franz Seidensticker (1601-1667), der sich Glase- und Wildmeister in Hohenbüchen nennt – 1629 kommt Sohn Hans Gerdt Seidensticker zur Welt. 1630 eröffnet Hans Greiner (gest. 1634) zusammen mit seinem Schwiegersohn eine neue Waldglashütte „etwa einen Musketenschuss unterhalb des Hilsborn“, die bis 1667 arbeitet.
Normalerweise wurden solche Waldglashütten nur für drei bis acht Jahre an einem Standort von der fürstlichen Kammer konzessioniert – zum einen, weil der Wald rings um solche Hütten bald abgeholzt war, zum anderen, um den Glasmachern kein Heimat- oder Bürgerrecht als Bleiberecht zugestehen zu müssen.
1636 wird eine Nebenhütte am „Glasebach im Ackenhäuser Holz“ bei der Heerstraße eröffnet, die bis 1642 arbeiten darf – es wurde der Schneppel und der Holzberg bis zum Kirchtalwasser abgeholzt und so entstanden der „grüne Platz“, die Schneppelwiese, und der „grüne Plan“ auf dem Holzbergrücken. Hier wurde „rein weisses Glas“ hergestellt durch Zusatz von Soda zur Glasschmelze, zum Beispiel für das neue Schloss der Calenberger in Hannover.
Herzog August d. J. erhöhte 1641 die Pacht der Hils-Glashütten mit der Anforderung von jährlich „fünf Wagenladungen reinem Fensterglases“ aufs Hoflager nach Wolfenbüttel. Der „grüne Platz“ wurde 1670 der Standort der ersten ortsfesten Glashütte, später der fürstlichen Spiegelglasmanufactur und heute der Schott AG. Den „grünen Plan“ nutzte J. G. von Langen gut 100 Jahre später für die Wohnsiedlung der „neuen Anbauer“‘ und die baumfreien Wiesen am Hilsbornwasser, die Schneppelwiese und die Holzbergwiesen als deren Gartengrundstücke.
1650 entstand auf der Glasebachwiese eine weitere Nebenhütte, die bis 1655 arbeitete. Am Hakeborn bei Kaierde eröffnete Franz Seidensticker die 1632 zerstörte Waldglashütte neu, am Vogler eine Waldglashütte (1628-46) und auch im Calenbergischen Solling am Lakenborn (1656-1681), in Konkurrenz zur Glashütte nördlich Glimmerfeld und neben der Glashütte im Bremcke südlich Polier gründete F. Seidensticker eine Waldglashütte (mit Bierbraurecht und eigenem Hüttenschulmeister), die er dann seinem Schwiegersohn M. Jürgen Zeitz übergab. Nach dem Westfälischen Frieden 1648  konnte Herzog August d. J. in Wolfenbüttel daran gehen, die Grenzen seiner Gebiete, auch des braunschweigischen Weserdistrictes, zu sichern. 1653 lässt er seinen Kammerrat Schottelius das Münchhausische Herrenhaus Bevern kaufen und als herzogliches Jagdhaus herrichten. In der merianschen Topographie des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg von 1654 wird nicht nur dies Jagdhaus mit einer Ausmalung des Großen Saales zu einem repräsentativen Goldenen Saal beschrieben, sondern auch unter dem Amt Greene „zween ansehnliche Glashütten im Hilse“ (Talsköpfe und Glasebachwiese, die eine für Hohlglas, die andere für Fensterglas) ausführlich dargestellt, in denen „24 Personen Tag und Nacht, von Ostern bis Martini“ arbeiteten. Eine Kopfsteuerbeschreibung beschreibt 1663 schon 36 Personen „auf den Glashütten im Hilse“ – darunter einen Glasmaler Christoph, dem der bei der Glashütte Talsköpfe in Scherben gefundene Reichsadlerhumpen und nach einer dort gefundenen Scherbe mit eigenartiger Kronenbemalung auch die Bemalung anderer Weißgläser zugeschrieben werden. Auch der Glasmaler Tobias Hirschberger (1630-93) und sein Sohn Hans Ehrdt Hirschberger (1660-1717), der 1697 die beiden Kabinettscheiben (Abendmahl und Kreuzigung) in der alten Delligser Kirche bemalt hat, arbeiteten in den „Glashütten im Hilse“. Hans Ehrdt Hirschberger kann nach der Jahreszahl 1697 schon an der ersten ortsfesten Glashütte „am grünen Platz“ gearbeitet haben. Ein Hirschberger arbeitet später mit anderen Glasmachern aus dem Hils an der Waldglashütte Steinbeke  im Hellental/Solling. Die eigenwillige Krönchengestaltung bemalter Weiß- und Grüngläser könnte den Schlüssel zur Herkunftsbestimmung dieser Gläser darstellen.
Möglicherweise war diese Krönchenform ein herzoglich favorisertes, hauseigenes Logo des Hauses Braunschweig/Wolfenbüttel? In der Glassammlung Hentrich im Kunstpalast Düsseldorf steht ein solches Glas, aus dem Welfenschatz wurden auf Schloss Marienburg mehrere Gläser mit eindeutig zu identifizierbaren Initialen, Jahreszahlen und solchen Krönchen versteigert.
Mit der Übergabe der Hils-Glashütten 1656 an seinen Sohn Hans Gehrdt Seidensticker (1629-97) resignierte Franz Seidensticker offensichtlich gegenüber der herzoglichen Kammer in Wolfenbüttel, ging in das konkurrierende Fürstentum Calenberg und später weiter in die Grafschaft Lippe. Hans Gehrdt Seidensticker muss ein gutes Verhältnis zu Herzog Rudolf August gehabt haben, denn dieser bewilligte ihm 1667 nicht nur eine erste ortsfeste Glashütte „am grünen Platz“, „ein besonders stattliches Wohnhaus dabei“ (Seidenstickersche Villa, erb- und eigentümlich verschrieben, mit Aufenthaltsrecht des Herzogs bei Jagden im Hils) und ein fürstliches Amt. Seit 1664 beaufsichtigte Hans Gehrdt Seidensticker die Hohenbüchener Forst, wird 1668 „Reitender Förster zu Hohenbüchen und Kaierde“ und 1680 zum „Wildmeister im Hils und im Solling“ ernannt (64 Jahre vor J. G. von Langen).
Die ab 1667 erneuerte Weißglashütte am „grünen Platz“ in einer nunmehr baumfreien Umgebung wirft die Frage auf, womit diese Glasschmelzöfen beheizt wurden? Gleichermaßen stellt sich diese Frage schon für die Glashütte Talsköpfe, deren Umgebung erst 80 Jahre später von J. G. von Langen wieder aufgeforstet wurde. Der hoffentlich bald umzusetzende Doppelofen Talsköpfe könnte bei seiner Öffnung Aufschluss über seine Beheizungsart liefern, wenngleich direkt neben seiner Feueröffnung ein kleiner Ofen als Vorwärmofen für Buchenscheite für Holzbefeuerung sprechen würde. Die seit der Mitte des 17. Jahrhunderts nachweislich entwickelte Köhlerei im Hils, die im 18. Jahrhundert zu einer solchen Blüte führte, dass selbst eine Eisenhütte (Carlshütte in Delligsen, seit 1734) mit Holzkohle betrieben werden konnte, lässt als Befeuerungsmittel der Glasschmelzöfen möglicherweise die leichter transportierbare Holzkohle (also 67 Jahre vor der Carlshütte) als denkbar erscheinen – die das Holz der nahen Wälder verwaltenden Seidenstickers könnten für den notwendigen Nachschub gesorgt haben. Dafür fehlen allerdings noch archivalische Nachweise. Mit der späteren Fürstlichen Spiegelglasmanufactur ziehen jedenfalls auch einige Köhler nach Grünenplan.
Hans Gehrdt Seidensticker hatte drei Söhne: Anton (1654 -1708) wurde 1681 Kanzleirat auf der wolfenbüttelschen Apanageresidenz Blankenburg und geadelt; Matthias (1657-1734) war Förster und Wildmeister auf Markeldissen (zehn Kinder, davon sechs Söhne) und Rudolf (1662-1709). Rudolf wird 1694 auch als „von gronescher Glasmeister“ erwähnt, der weißen Sand von der Hilsegge für die Hütte am Vogler, wie für die Glashütte am „grünen Platz“ bezog. Mit dem Tod Rudolfs endet die Glasemeister-Dynastie der Seidenstickers, aber nicht die Spiegelhütte am „grünen Platz“, denn 1744 muss der Hüttenpächter Sigmund Römling diese Glashütte freigeben für die Gründung der Fürstlichen Spiegelglas-Manufactur. Weißglas wurde hier seit 1636 und Spiegelglas seit 1667 hergestellt – diese neuen Hinweise stellen manche der bisherigen Datierungen in Frage. Eine vom Oberförster Johann Heinrich Fricke 1714 neugegründete, wohl letzte Wander-Cristallglashütte bei Kaierde musste nach dem Tod des Hüttenmeisters 1724 schließen – die Feinglasmacher zogen nach Borgloh bei Osnabrück. Die Gläsner der Hütte am „grünen Platz“, später die „alten Anbauer“ genannt, wohnten oberhalb der Heerstraßse nach Wickensen – 1746 werden noch fünf Hausstellen neben der Seidenstickerschen Villa erwähnt.
1720 schlug die „Stunde der Nagelschmiede“ – drei Familien (Röger/Räger, Voss und Engelke) zogen vom Harz zur Glashütte und bekamen Grundstücke unterhalb der Heerstraße (heute Obere Hilsstraße) angewiesen. Glaskultur stand spätestens seit Beginn der Frühen Neuzeit immer im Dienste einer zeitgerechten Repräsentationskultur – die Produkte der Glaskünstler waren begehrt, die Glasmacher selbst aber auf ständiger Wanderung und Suche nach ergiebigen Holzbeständen, als Wanderarbeiter ohne Bürgerrechte, aber auch ohne Bürgerpflichten. Es war wohl die perspektivische Idee des Freiherrn Johann Georg von Langen (1699-1776), seinem Landesherrn Carl I. mit einer Ordnung und Nutzung der Forsten sowie deren planvollen Ausbau (Plantagenwirtschaft) die Kasse zu füllen und gleichermaßen mit einer herzoglichen Spiegelglasmanufactur ortsansässige Handwerker mit festen Wohnhäusern und einer planvollen Infrastruktur (moderne Erschließung, Kirchkamp, Pfarrkamp und Schulkamp) nachhaltig zu binden.
Das Wirken der Hüttenpächter A. und F. Amelung in einer wirtschaftlich desolaten Situation nach dem siebenjährigen Krieg – immerhin wurden 14 neue Hausstellen an der Oberen Hilsstraße geschaffen, aber auch interessante, glastechnische Kontakte zum Physiker und Schriftsteller G.C. Lichtenberg (1742-1799) in Göttingen gepflegt – ist leider noch nie gewürdigt worden. Sie trugen aus wirtschaftlichen Zwängen die Grünenplaner Glastechnologie in die Welt: Johann Friedrich Amelung (1741-1798) gründete 1784 in Baltimore/USA eine Glashütte, die der Weltkonzern Corning Glass noch heute als seine Keimzelle versteht, und Anton C. F. Amelung (1735-1798) ging 1790 nach Dorpat/Estland und gründete dort mit seinen Söhnen zwei Glashütten, die bald mit 2.000 Spiegelmachern die größte Spiegelglashütte im zaristischen Russland wurde. Grünenplan reklamiert nun nicht, der Nabel der Glaswelt zu sein, aber ist schon stolz auf das Alleinstellungsmerkmal einer 850-jährigen, kontinuierlichen Glasmachergeschichte und das „Gläserne Herz Niedersachsens“ zu sein. (Krämer)

Grünenplaner feiern Heimat- und Vereinsfest
Festwochenende mit Ball und Umzug
Grünenplan. Alle Grünenplaner Vereine haben sich wieder zusammengeschlossen, um in diesem Jahr wieder zu feiern.  Das Programm steht, und der Festverein hofft auf breite Zustimmung und fröhliches Beisammensein auf dem Festplatz, dem Sportplatz in Grünenplan. Ein Vergnügungspark mit Autoscooter, Kinderkarussell, Schießbude und vielem mehr wartet auf viele Gäste.
Beim Festball am Sonnabend, 20. Juni, geht es mit „Volldampf durch das Jahr“, denn das ist das Motto der Showband „Die Bamberger Zwiebeltreter“.
Der Kinderumzug am Sonnabend wird von den beiden Kindergärten des Ortes beziehungsweise der Grundschule Grünenplan unter dem Motto „Märchenbücher“ gestaltet. Der große Festumzug, in dem sich alle Vereine Grünenplans präsentieren, findet am Sonntag statt, die Vorbereitungen für die Festwagen laufen. Montag startet der „Damenumzug“ um 14 Uhr im Anschluss an das Katerfrühstück. Dieser Tag wurde als „Familientag“ bestimmt und es gibt an allen Fahrgeschäften ermäßigte Preise.

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