(04.07.09). „Alles was der Harz zu bieten hat, kann man sich anschauen.“ Allerdings wählt Andreas Kopp nicht die übliche Variante, wie sie Besucher der bekannten Ferienregion zur Erkundung nutzen. Andreas Kopp fährt weder mit der Harzbahn noch mit dem Auto. Andreas Kopp läuft. 51 Kilometer von Wernigerode nach Nordhausen absolviert der erfahrene Langstreckenläufer des PSV Holzminden in fünf Stunden, 41 Minuten und 38 Sekunden. „Und dabei habe ich die landschaftliche Schönheit dieser Region genießen können.“ Schon zum zweiten Mal nimmt Kopp an der Harzquerung teil. Dieser Lauf hat seine Wurzeln in der ehemaligen DDR. Sportfreunde aus Wernigerode haben diese Veranstaltung unter dem Namen „Harzüberquerung“ ins Leben gerufen. Von Anfang an ist dieser Wettbewerb für Wanderer und Läufer bestimmt. Vorgabe ist, dass die Strecke nicht über asphaltierte Straßen läuft, sondern über schmale Forst- und Wanderwege führt und die vielen landschaftlichen Besonderheiten des Harzes darstellen soll. „Der Läufer soll die vielfältigen Facetten der Natur entdecken. Und das tut man auch“, erklärt Kopp. Oft müsse man auch querfeldein laufen, abseits von offiziellen Wegen. Den Machthabern in der DDR ist die private Organisation und der grenznahe Lauf auf unbefestigten Wegen verdächtig. Zwischenzeitlich wird der Lauf verboten, erst 1988 darf wieder gelaufen werden.
Seitdem wird diese Veranstaltung jedes Jahr an einem Sonnabend morgens um 8.30 Uhr gestartet. Sind es anfangs noch knapp 30 Läufer und Wanderer, nehmen in diesem Jahr über 400 Läufer an diesem Event teil. „Ich habe mich mit zwei Lauffreunden aus Lüthorst auf den Weg gemacht“, berichtet Andreas Kopp. Farbige Bänder an Bäumen, Kreidepfeile am Boden und Hinweisschilder mit roten Pfeilen geben den Teilnehmern der Harzquerung die Richtung vor. Direkt am Start müssen die Läufer innerhalb von vier Kilometern einen Höhenunterschied von 250 Metern überwinden. Die Strecke ist bergig und anspruchsvoll. Sie führt von Wernigerode an der Zillerbachtalsperre durch die Fichtenforste des Harzes. Weiter geht es durch die Flusstäler der Warmen und Kalten Bode zu den typischen Buchenhochwäldern und über die weiten Hügel des Südharzes. Ab Kilometer 35 wartet auf die Läufer die härteste Herausforderung. Innerhalb von vier Kilometern müssen 300 Höhenmeter zum höchsten Punkt des Laufes, dem Poppenberg, überwunden werden. Von hier aus geht es dann fast nur noch bergab zum Albert-Kuntz-Stadion in Nordhausen, dem Zielort des Laufes.
Seit Beginn der Laufveranstaltung werden Zeiten genommen. Den Streckenrekord bei den Männern hält Karsten Sörensen. Er lief die Strecke in drei Stunden, 23 Minuten und 47 Sekunden. Heidrun Peckert ist Rekordhalterin bei den Frauen. Sie brauchte vier Stunden und 53 Sekunden.
Andreas Kopp ist mit fünf Stunden, 41 Minuten und 38 Sekunden dabei. „Ich bin zufrieden, das Ziel habe ich erreicht.“ Und er habe diesmal Zeit gehabt, die Natur zu genießen und die Schönheit des Harzes auf sich wirken zu lassen. „Als ich das erste Mal die Harzquerung gelaufen bin, wollte ich einfach nur ankommen.“ Kopps Läuferfreunde aus Lüthorst waren ebenfalls mit ihrem Lauf zufrieden. Während Ralf Freitagsmüller mit fünf Stunden, 17 Minuten und 21 Sekunden ebenfalls eine starke Zeit lief, rennt Arien Walgers mit vier Stunden, vier Minuten und 48 Sekunden sogar in die Spitzengruppe. Er wird Vierter von 400 Läufern, die in diesem Jahr ins Ziel der Harzquerung kamen. „Es war toll, der Lauf hat viel Spaß gemacht“, freute sich Andreas Kopp im Ziel. Nur seine Schuhe haben die Strapaze nicht gut überstanden. Sie wanderten direkt nach dem Zieleinlauf in den Mülleimer. „Damit ist kein Lauf mehr zu machen.“ Aber Andreas Kopp hat sich inzwischen schon wieder neue Laufschuhe besorgt. Denn für den Langstreckenexperten des PSV Holzminden steht jetzt schon fest, dass er im nächsten Jahr bei der Harzquerung wieder dabei ist. „Mit neuen Turnschuhen und den Lauffreunden aus Lüthorst.“ (fhm)

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