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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Abitur und dann? – Eine unvergessliche Zeit am anderen Ende der Welt

Roman Daudrich ist in Australien angekommen – und nimmt den Uluru, den „Ayers Rock“, in seine Hand.

(08.01.2011). „Was mache ich eigentlich nach dem Abitur?“ Mit dieser Frage begann meine Reise. Ausgemustert bei der Bundeswehr, Studienrichtung offen – ich bin eben einer dieser Schüler, die nach dem Abi noch nicht wissen, in welche Richtung sie ihr Leben einschlagen möchten. So komme ich nach und nach auf eine Idee. Sie heißt „Work and Travel“.
Auf Deutsch übersetzt bedeutet das „Arbeiten und Reisen“. Es ist eine besondere Form des Auslandsaufenthaltes, bei der wechselnde Arbeitseinsätze und längere Reisen kombiniert werden können. Angeboten wird dies auf fast allen Kontinenten und gewinnt immer mehr an Popularität. Jedes anbietende Land hat in dieser Hinsicht seine eigenen Verfassungen, um ein sogenanntes „working holiday visa“ auszustellen. Interessierte, die die Voraussetzungen für ein solches Visum erfüllen, dürfen für einen festgelegten Zeitraum das Land erkunden und dort arbeiten.
Mein Vorhaben wird von Familie und Freunden unterschiedlich aufgenommen. Manche halten es für eine super Idee, doch von den meisten höre ich das typische: „Du spinnst doch wohl!“ Dennoch lasse ich mich von keinem aus der Bahn bringen, gehe meinem Ziel nach, und dann sitze ich schon im Flieger nach Australien!
Sydney, Opernhaus, Harbourbridge – diese Begriffe schießen mir durch den Kopf, als ich überlege, was ich mir zuerst anschaue. Doch nach 26 Stunden Flug bin ich erst einmal froh, überhaupt ein Bett gefunden zu haben. Als ich aufwache, stelle ich verwundert fest, dass ich den ersten Tag schon vollkommen verschlafen habe. Mit einer Schulfreundin aus Deutschland, mit der ich zusammen angereist war, um die erste ungewohnte Zeit zu überstehen, gehe ich auf Entdeckungstour.
Alles ist anders. Die Leute sprechen anders, das Essen ist anders, und in Sydneys Innenstadt herrscht die größte Hektik, die ich je gesehen habe. Wir streifen durch die Straßen, verarbeiten unseren Jetlag. Als wir um eine Ecke gehen – tut sich plötzlich vor unseren Augen  das einmalige Opernhaus Sydneys auf. In diesem Moment bemerke ich endgültig, dass ich in einer ganz anderen Ecke der Welt bin – und meine Abenteuer gerade  erst beginnen.
Nach gut einer Woche entscheide ich mich, meinen eigenen Weg zu gehen und fange an, in Sydney zu arbeiten. Als Spendensammler, der sich erst einmal an den Linksverkehr und die hüpfenden Kängurus auf den Straßen gewöhnen muss, bereise ich einen großen Teil des Landes und unterstütze die australienweite Krebsorganisation „Cancer Council“. Ich informiere Leute über Möglichkeiten, sich gegen Krebs zu schützen und sammle Spenden, um die Krebsvorsorge zu verbessern. Australien ist eines der krebsreichsten Länder der Erde, und es macht mich stolz, erkrankten Leuten helfen zu können.
Nachdem ich drei Monate mit diesem Unternehmen durch weite Teile des Landes gereist bin, Freunde gefunden und mit ihnen viel Spaß gehabt habe, beende ich mein Arbeitsverhältnis für einen besonderen Anlass. Meine Freundin kommt mich aus Deutschland für einen Monat besuchen. Mit dem ersparten Geld buchen wir uns über mehrere Tage Katamaran-Touren, sehen einige der schönsten Strände der Welt, gehen tauchen und machen uns einen schönen Urlaub. Als sie die Rückreise antritt, höre ich nicht auf, in Bewegung zu bleiben. Mit Freunden erkunde ich die letzten Gebiete Australiens, die mich interessieren, und dann steige ich in einen weiteren Flieger. Nächstes Ziel: Neuseeland.
Nach fünf atemberaubenden Monaten in Australien lande ich ohne Freunde oder irgendeinen Bekannten in Auckland – Phase zwei meines Abenteuers. Ich wandere über aktive Vulkane, lerne weitere erstaunliche Menschen kennen und alles was ich bei mir habe, ist mein kleiner Rucksack auf dem Rücken. Ein atemberaubendes Leben, bis ich auf mein Bankkonto schaue. 18 neuseeländische Dollar (zehn Euro) sind etwas zu wenig für ein schönes Leben.
Mit diesem Hintergrund fahre ich per Anhalter auf die Südinsel Neuseelands und werde nach einer harten Suche als Apfelpflücker eingestellt. Es ist eine faszinierende Zeit. Ich lebe mit Engländern, Neuseeländern, Franzosen, Japanern und Chinesen auf einer Plantage. Alle sind aus dem selben Grund hier. Wir arbeiten auf unserer Reise, um unsere weiteren Etappen finanzieren zu können.
„Wir teilen viele Erlebnisse, viele goldene Momente und vor allem einzigartige Erinnerungen, die uns immer zusammenhalten werden“, diese Worte gibt mir ein Freund aus Irland mit auf den Weg, als ich mir nach drei Monaten genug Geld beiseite gepackt habe, um mich für meine restlichen Strecken über Wasser halten zu können.
Ich bereise die komplette Südinsel per Anhalter, mache Begegnungen mit einzigartigen Leuten und verbringe eine ganze Skisaison in Queenstown. Während dieser Zeit können meine Freunde mich nur mit meinem Snowboard auf den weißen Bergen finden, und das tun sie auch. Mit Kanadiern, Chilenen und Argentiniern boarde ich gemeinsam bis zum Ende der Skisaison, und alle zusammen genießen wir das Leben in der kleinen Abenteuerstadt. Nach diesen drei Monaten neigt sich mein Auslandsjahr schon dem Ende.
Meine weitere Reise führt mich über den welthöchsten Bungeejump in China bis nach Paris und letztlich wieder nach Holzminden. Ob man nun auf seinen Reisen China besucht oder einen Abstecher an den Eiffelturm macht, bleibt jedem selbst überlassen. Für mich steht fest: Das Work and Travel-Erlebnis bleibt für mich unvergesslich. Ich kann ein solches Abenteuer nur empfehlen. Ein Jahr in anderen Ländern ohne fremde Hilfe und ohne irgendwelche Organisationen durchgestanden zu haben, bedeutet für mich etwas ganz Besonderes. Ob ich nun ein Praktikum bei der Zeitung mache, zum Fernsehen gehe oder das Studium beginne – jetzt fühle ich mich bereit dazu! (Roman Daudrich)

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