Golmbach (20.11.2010). Jochen Droste ist als Stabsfeldwebel der Reserve immer auf alles vorbereitet. Spätestens seit der rüstige Rentner aus Golmbach für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Jahr für Jahr Arbeitseinsätze auf Soldatenfriedhöfen vor allem in Osteuropa leitet, ist er ein Meister der vorausschauenden Organisation. Das hat sich auch diesmal wieder gezeigt, als er mit insgesamt 34 freiwilligen Helfern einen Friedhof in Litauen in eine würdige Gedenkstätte (zurück-)verwandelte: Neben Freizeit- und Arbeitskleidung hatte er auch den „feinen Zwirn“ eingepackt. Und den brauchte er auch – denn diesmal fand sogar eine hoch offizielle Feier zum Abschluss der Arbeiten statt.
Dass sich der Bürgermeister von Alkiskiai, einer Stadt im nordöstlichen Litauen nahe der Grenze zu Lettland, persönlich für den Erhalt des Soldatenfriedhofes engagierte, ist nicht selbstverständlich, weiß der erfahrene „Arbeiter für den Frieden“ Jochen Droste. In diesem Fall wandte sich der Bürgermeister im Mai 2009 mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an die deutsche Botschaft in Vilnius – und die leitete das Schreiben an den Volksbund weiter. Auf dem 14.500 Quadratmeter großen Friedhof am Ortsrand von Alkiskiai, direkt an einer Straße gelegen, wurden in den Jahren 1915/16 etwa 440 deutsche und 190 russische Soldaten begraben. Die Mehrzahl von ihnen fiel bei den Kämpfen um Schaulen (Siauliai). Irgendwann nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Friedhof quasi „abgeräumt“. Zwar sind mehr als 300 Grabkreuze aus Beton erhalten geblieben, doch kaum eines steht an seinem ursprünglichen Standort. In den 90er Jahren hat der Volksbund hier schon einmal Aufräumarbeiten geleistet und einen Zaun errichten lassen. Doch seitdem sind viele Kreuze gebrochen, Inschriften unleserlich geworden, Mauerabschnitte abgesackt und der Zaun beschädigt. Viel Arbeit also für Jochen Droste und sein Team. So viel, dass ein Einsatz von zwei Wochen dafür nicht ausreichte. Zum Glück meldeten sich auch diesmal weit mehr Freiwillige, die ihre Freizeit oder sogar ihren Urlaub für den Volksbund-Einsatz opfern wollten. Jochen Droste bildete zwei Gruppen, die dann jeweils für zwei Wochen auf dem riesigen Friedhofsgelände schufteten. Jochen Droste kehrte mit der ersten Gruppe an einem Sonnabend zurück und fuhr bereits am Montag erneut die 1.600 Kilometer weite Strecke. Alle Achtung, Herr Stabsfeldwebel! Dafür braucht man Kondition, aber die holt sich der Golmbacher ja regelmäßig beim Marathon-Laufen. Ein Arbeitsmarathon war schließlich auch das, was er und seine Truppe in Litauen erledigen mussten. Gras mähen, Flächen ebnen, Bäume fällen und Stümpfe ausroden, Zaun reparieren, Rohre streichen, Torpfosten erneuern, Grabkreuze säubern und teilweise neu aufstellen... Teilweise schüttete es dabei wie aus Eimern, erzählt Droste. Nur gut, dass es ein Zelt und einen Pavillion als Unterstände gab. Erleichtert wurde der Einsatz aber vor allem auch durch die Unterstützung vor Ort durch Arbeitsgeräte oder Transportmittel. Und natürlich genossen die Helfer die große Aufmerksamkeit und das Wohlwollen der Menschen in der Region. Die litauische Presse berichtete über den Einsatz, und sogar zwei Fernsehteams schauten vorbei. Höhepunkt war sicher die Kranzniederlegung durch eine ganze Reihe „Offizieller“ am Obelisk auf dem Soldatenfriedhof. Hier konnte Jochen Droste die Ziele des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und somit auch die Motivation der Helfer erläutern. Dass ihre Arbeit zum allergrößten Teil mit Spenden und durch Mitgliedsbeiträge finanziert wird, sorgte auf litauischer Seite für Erstaunen. Für Jochen Droste war der Dank, der ihm und seinem Team entgegengebracht wurde, natürlich wieder ein zusätzlicher Ansporn, auch im nächsten Jahr irgendwo in Osteuropa „Arbeit für den Frieden“ zu leisten. (rei)

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