Landkreis Holzminden (27.12.08). Bis in die 1980er Jahre hinein waren die Fundamentreste im Wald des „Schwarzen Landes“ bei Lenne „geheimnisumwittert“. Die älteren Einwohner von Holzen und Lenne wussten zwar, dass die Gebäudereste irgendetwas mit der Zeit des Nationalsozialismus zu tun hatten, aber öffentlich wurde nicht darüber gesprochen. Dass hier in den letzten Kriegsmonaten ein riesiges Zwangsarbeiterlager für die Kriegswaffenproduktion entstanden ist, hat erst die von Detlef Creydt herausgegebene Buchreihe „Zwangsarbeit im Oberwesergebiet“ publik gemacht. Die grundlegenden Forschungen dafür sind durch die Arbeitsgruppe „Spurensuche und Spurensicherung Drittes Reich im Landkreis Holzminden“ des Heimat- und Geschichtsvereins für Stadt und Landkreis Holzminden (HGV) geleistet worden. Dies ist nur ein Beispiel für die umfangreichen regionalhistorischen Forschungen, die die Arbeitsgruppen des HGV in den vergangenen 25 Jahren geleistet haben. Die Zeit des Nationalsozialismus stellt dabei lediglich ein vorläufiges Ende des zeitlichen Forschungshorizontes dar, der mit der systematischen Erfassung von steinzeitlichen Funden beginnt und mit den spektakulären mittelalterlichen Glashüttenfunden einen weiteren überregional bedeutenden Höhepunkt aufweist. Die wissenschaftliche Erforschung regionaler historischer Ereignisse, die Bewahrung der kulturellen Tradition und der einzigartigen Elemente unserer Kulturlandschaft sowie der ständige Ausbau der Regionalbibliothek im Schloss Bevern sind die Hauptaufgaben des Heimatund Geschichtsvereins für Landkreis und Stadt Holzminden. Im Jahr 2008 konnte der eingetragene Verein sein 25- jähriges Bestehen feiern. Das Festkomitee hatte für die Mitglieder eine stilechte Feier im Mittelalterdorf Bokenrode bei Fürstenberg organisiert. Grund zum Feiern gibt es allemal, denn seit der Verein 1983 auf Initiative von Detlef Creydt, Christian Leiber und anderen an Regionalgeschichte interessierten Persönlichkeiten gegründet wurde, hat sich das Wissen um die Geschichte im Landkreis Holzminden vervielfacht. Besondere Fortschritte wurden in den Bereichen Geschichte der Juden im Landkreis, Zwangsarbeit und Kriegsgeschehnisse sowie in der archäologischen Untersuchung des Gebietes geleistet. Ein Großteil der vorgeschichtlichen Funde sowie die Erfassung zahlreicher mittelalterlicher Glashütten wären ohne die tatkräftige Mitarbeit von HGV-Mitgliedern nicht gemacht worden. Die von Detlef Creydt herausgegebene Buchreihe „Zwangsarbeit im Oberwesergebiet“, das Buch „Von Juden und Christen in Holzminden“ von Klaus Kieckbusch, die Bücher von Bernhard Gelderblom zur Geschichte der Juden im Nordkreis sowie die Publikation von Christoph Ernesti und Günther Lilge zur Geschichte der Juden in Stadtoldendorf sind herausragende Beispiele für die Bewahrung historischen Wissens über den Landkreis Holzminden – auf Initiative des Heimat- und Geschichtsvereins. Sorgfältiges Quellenstudium und die Befragung zahlreicher Zeitzeugen in den 1990er Jahren vermitteln in diesen Büchern ein authentisches Bild vergangener Ereignisse. Vorerst letzte Publikation über die Zeit der Naziherrschaft und des Zweiten Weltkrieges ist das Buch „Luftkrieg im Weserbergland“ von Detlef Creydt. Bei dieser Vielzahl von Büchern, die vom Heimat- und Geschichtsverein herausgegeben wurden, liegt es nahe, dass der Verein sich besonders für den Aufbau und die Pflege einer Regionalbibliothek eingesetzt hat. Mit zahlreichen Bänden bietet diese Regionalbibliothek im Weserrenaissance Schloss Bevern inzwischen ein umfangreiches Spektrum an regionaler Literatur. Die Bibliothek steht jedem offen, der sich weitergehend für Regionalgeschichte interessiert. Neben Büchern umfasst der Bestand der Bibliothek zahlreiche Zeitschriften sowie vielfältige Nachlässe von Heimatforschern und anderen Personen. Aber nicht nur mit der Publikation von Forschungsergebnissen und der Bewahrung des regionalgeschichtlichen Wissens will der HGV sein satzungsmäßiges Vereinsziel erreichen, nämlich „das Interesse für die Heimat- und Naturkunde sowie für die regionale Geschichte auf breitester Grundlage zu wecken, ihre wissenschaftliche Erforschung zu unterstützen und die Verbundenheit mit dem Landkreis und der Stadt Holzminden als heimatlichen Erfahrungsund Zugehörigkeitsraum mit seiner geschichtlichen und kulturellen Tradition und Lebensform in Vergangenheit und Gegenwart zu vermitteln und zu fördern“. Dieses Ziel soll auch durch Seminare, Vorträge und Exkursionen erreicht werden. Zudem sind die aktiven Mitglieder des Vereins in sechs Arbeitsgruppen organisiert, um eigene Projekte voranzutreiben. Die wichtigste Publikation des HGV erschien bereits 1984 zum ersten Mal: Das Jahrbuch für den Landkreis Holzminden. Inzwischen ist aus der ehemals klebegebundenen Broschüre ein festes Buch geworden, das alljährlich höchst interessante Aufsätze zu den unterschiedlichsten regionalgeschichtlichen Themen versammelt und somit einen Überblick auf die wichtigsten Forschungen im Landkreis Holzminden vermittelt. Das Jahrbuch 2009 ist bereits in Vorbereitung und wird im Januar erscheinen. Interessierte und engagierte Mitwirkende sind bei allen Arbeitsgemeinschaften des Heimat- und Geschichtsvereins stets willkommen. Wer mitwirken möchte, kann sich im Internet unter www.hgv-holzminden. de über Termine und Ansprechpartner informieren. Auch während der Öffnungszeiten der Bibliothek im Weserrenaissance Schloss Bevern montags zwischen 16 und 19 Uhr kann man sich über die Arbeit des Heimat- und Geschichtsvereins informieren. AG Archäologie: Zu den freiwilligen Tätigkeiten zur Unterstützung der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Holzminden zählen Geländebegehungen auf Ackerland, Wald und Wiese zur Auffindung von bisher unbekannten archäologischen Denkmalen und Funden, die Kontrolle von Baustellen mit Erdaufschlüssen sowie die Teilnahme an Rettungs- und Forschungsgrabungen. Daneben erfolgt die Fundaufarbeitung, also die Reinigung des geborgenen Fundmaterials und die zeitliche Bestimmung. Wichtige Ergebnisse werden in der Fundchronik im Jahrbuch für den Landkreis Holzminden veröffentlicht. AG Burgen und Wüstungen: Neben dem Sammeln und Auswerten von Archivalien zu Burgen, Wüstungen und Flurnamen, stehen Begehungen zum Auffinden und zur Kontrolle von Befestigungsanlagen, Siedlungen sowie Glas- und Eisenhütten im Mittelpunkt der Gruppenarbeit. AG Spurensuche und Spurensicherung Drittes Reich im Landkreis Holzminden: Mit den Schriften zur Geschichte der Juden und der Zwangsarbeit im Landkreis Holzminden weist diese AG eine Vielzahl äußerst bedeutsamer Veröffentlichungen auf. Neben diesen Publikationen verschiedener Autoren hat die AG auch die Anlage der Pfade zu den Stätten der Zwangsarbeit bei Holzen und Lenne-Vorwohle unterstützt. AG Familienforschung: Diese AG bietet eine seriöse Kontaktadresse für ernsthafte Familienforscher. Die Gruppe praktiziert Erfahrungsaustausch und leistet Unterstützung bei genealogischen Forschungen. Die Gruppenmitglieder werden kontinuierlich über genealogisch interessante Datenbestände informiert, zudem werden Nachlässe unterschiedlicher Herkunft aus dem Kreis Holzminden gespeichert und ausgewertet. AG Naturkunde: Erst vor wenigen Jahren ins Leben gerufen, weitet diese Arbeitsgemeinschaft das Tätigkeitsfeld des HGV auf die Erfassung heimischer Pflanzen- und Tierarten aus. Es wird eine Lichtbildersammlung der regionalen Flora und Fauna aufgebaut. Zudem werden ältere naturwissenschaftliche Arbeiten ausgewertet. Im Sommerhalbjahr werden regelmäßig Exkursionen durchgeführt. AG Kulturlandschaft: Im Rahmen des vom Niedersächsischen Heimatbundes initiierten Projektes zur Kulturlandschaftserfassung in Niedersachsen hat sich im HGV die AG Kulturlandschaft gegründet. Arbeitsschwerpunkte sind die Erfassung, Dokumentation und Aufarbeitung der Objekte der Historischen Kulturlandschaft im Landkreis Holzminden. Durch die vorbildliche Arbeit der Gruppe ist die Erfassung der Kulturgüter im Landkreis im Vergleich zu anderen Regionen Niedersachsens weit fortgeschritten – gleichwohl gibt es noch viel zu tun, denn aus Unwissenheit oder Ignoranz werden noch immer wichtige Zeugnisse der Vergangenheit unwiederbringlich zerstört. (Jörg Mitzkat)

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