Brückenfest in Lauenförde und Beverungen
200 Schafe überqueren
Fähre
Kreis Holzminden (05.12.09). Fast ein ganzes Jahr lang hat Hans-Peter Kuttler im Weserbergland verbracht, einquartiert in einer Ferienwohnung im Hochsolling, um zusammen mit seinem Kollegen Dr. Ernst Sasse die Natur- und Tierwelt im Lauf der Jahreszeiten mit der Kamera einzufangen. Der Naturfotograf Jürgen Borris aus Neuhaus hat die Filmer nicht nur beraten und zu den schönsten und verborgenen Plätzen großartiger Naturbegegnungen in seiner Heimat geführt. Kaum jemand kennt diesen Landstrich so wie er. Borris selbst ist eine Art „Roter Faden“, der sich durch den Film zieht. Die Kamera folgt ihm, er berichtet über seine Emotionen auf der Pirsch mit der Kamera, unterwegs in seinem liebsten Fotorevier. Aus 200 Stunden Filmmaterial ist so ein 45-minütiger Naturfilm entstanden, den das NDR-Fernsehen am Mittwoch, 16. Dezember, um 20.15 Uhr in der Reihe „Expeditionen ins Tierreich“ zeigt: „Das Weserbergland – Sagenhaftes Niedersachsen“.
Wilde Ponys streifen durch lichte Wälder, Eisvögel tauchen in glasklaren Bächen nach Fisch, und Fuchskinder spielen ungestört vor ihrem Bau am Rand eines Wiesentals. Der Frühling verwandelt die Wälder im Weserbergland in eine Welt voller Licht und Schatten: Wo die Sonne durch die jungen Blätter der Eichen und Buchen auf den Waldboden fällt, genießen Exmoorponys ein Sonnenbad. Die wilden Ponys sind Landschaftspfleger im Wald und fressen für den Naturschutz.
Am gluckernden Bachlauf eines Wiesentals hat Jürgen Borris seine Kamera in Position gebracht: Er beobachtet eine Wasseramsel, die ihre Jungen füttert. Mit viel Geduld und etwas Glück gelingen ihm auch Fotos vom Eisvogel und Feuersalamander. Um Dachse und Füchse zu beobachten, muss Borris sein Tarnzelt aufbauen.
Am Rand eines Feldes, im Schutz von Büschen und Sträuchern, hat die Fuchsmutter ihre Jungtiere zu versorgen. Die Fuchskinder trauen sich schon allein aus dem Bau, wenn die Mutter auf Beutezug geht. Im Sonnenlicht spielen sie unermüdlich, bis ihre Mutter kommt, um sie zu säugen.
Eine besondere Verbindung hat der Naturfotograf zu einer Rotte Wildschweinen: Die wehrhaften Tiere haben sich so sehr an ihren regelmäßigen Besucher gewöhnt, dass Borris die Mütter und ihre Frischlinge aus geringer Entfernung fotografieren kann. Nicht einmal die mächtigen Keiler scheinen sich an seiner Gegenwart zu stören. Unbeeindruckt beginnen sie im Herbst heftige Kämpfe um die Gunst der Weibchen.
Nach einem Sommer voller Kirschen und Bienenhonig beginnt die Apfelernte in den Wiesentälern des Weserberglandes. Manche Kuh hat hier gelernt, dass Schütteln an den Ästen eines Apfelbaums süße Belohnungen zu Boden befördert. Im Wald ist jetzt die Zeit der Hirsche: Mit erbitterten Kämpfen buhlen Dam- und Rothirsche um ihren Harem. Erst wenn der erste Schnee fällt, kehrt in den Märchenwäldern und Wiesentälern wieder Stille ein. Auch die hat Fotograf und Naturliebhaber Borris lieben gelernt – wenn er mal wieder unterwegs ist in seinem Weserbergland.
„Mehr als 90 Prozent des Films sind im Naturpark Solling-Vogler entstanden“, berichtet Jürgen Borris, der auch im Schneidestudio in Hamburg dabei war, als an einem Nachmittag gerade einmal eineinhalb Minuten Film geschnitten wurden. Die Dreharbeiten waren auch für ihn ein großes Erlebnis. Mit den Filmern Hans-Peter Kuttler und Dr. Ernst Sasse (Buch, Kamera und Regie) sei über die gemeinsame Arbeit „eine Art Freundschaft“ entstanden. „Es hat sehr viel Spaß gemacht“, sagt Borris. Er erzählt vom großen Unterschied zwischen Fotografieren und Filmen, von der Konzentration auf das eine Bild, davon, monatelang darauf hin zu arbeiten, „immer wieder zu lauern und zu hoffen und dann richtig zu reagieren“. Beim Film müsse man in Sequenzen denken. „Ein guter Schuss reicht nicht aus“. Man brauche „heranführende“ Bilder, „Schnittbilder“. „Filmen ist viel vernetzter“, berichtet Jürgen Borris – und plaudert aus der Trickkiste: Der Ton, das Rauschen des Baches, Schritte, Blätterrascheln, stammen vom Tonmacher, ein Großteil der Geräusche werde nachträglich auf den Film geschnitten.
Der Weserbergländer, der Kreis-Holzmindener wird in 45 Filmminuten vertraute Orte und Natur zwischen Hann. Münden und Hameln entdecken, aber auch seine Heimat völlig neu aus ungewohnter Perspektive erleben: Die Kamera fängt Süntelbuchen und Höxteraner Fachwerk ein, zeigt Jürgen Borris im Gespräch mit Schäfer Meese bei Stadtoldendorf oder auf der Weserfähre. Sie folgt Ludwig Raßmann zu seinen Schafen auf dem Burgberg bei Bevern und Imker Armin Blume aus Negenborn zu seinen Bienen. Vom Dampfer aus und vom Kiekenstein schweift der Blick übers Wesertal. Abstecher führen zu den blühenden Kirschbäumen in der Rühler Schweiz, zum Kirschblütenfest und in den Lebensraum Bach, an die Holzminde und zur Ahle.
Der NDR schwärmt von „einer der schönsten Naturregionen Norddeutschlands“. Die Naturdokumentation in HD-Qualität mit außergewöhnlichen Bildern und Tierbeobachtungen (auch Fotos von Jürgen Borris werden eingebunden) sei eine „Entdeckungsreise ins wilde Herz Niedersachsens“ – nachzuerleben am 16. Dezember ab 20.15 Uhr im NDR-Fernsehen. (Thomas Specht)

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