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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Auf Patrouille durch Nordland - Übung für den Einsatz im Ausland

Die Soldaten müssen die aufgebrachte Menge beruhigen.

(19.02.05). „Nordland” ist ein gebirgiges, karges Land. Für einen Tag wird der (erfundene) Staat, in dem die verfeindeten Estorianer und Nirmaner leben, auf dem Landübungsplatz der Bundeswehr bei Holzminden nachgestellt. Holzmindener Soldaten sollen hier - so die Übungslage - nach Ende eines Krieges im Auftrag der UN Grenzen sichern, für Ordnung sorgen und Präsenz zeigen. Ein klarer Auftrag, den Hauptfeldwebel Ralph Wierth gestern früh an 30 Unteroffiziere des Panzerpionierbataillons 1 ausgibt. „Sie werden jetzt Patrouille fahren”, befiehlt der Übungsleiter seinen Soldaten - und die wissen, dass bei dieser Übung ein paar unangenehme Überraschungen auf sie warten können.

„Wir bilden unsere jungen Führer einsatznah und auf der Grundlage von realen Szenarien aus”, erläutert Wierth dem TAH. Dabei wird die Bundeswehr von Institutionen aus dem Landkreis Holzminden unterstützt. „Das ist sehr gut, dass wir hier so einen Rückhalt haben”, freut sich Wierth. Der TAH, die Feuerwehr Stadtoldendorf, die Johanniter-Unfallhilfe Holzminden und die Reservistenkameradschaft machen bei der praxisnahen Ausbildung mit - und bescheren den 30 Soldaten damit nicht nur eine einfache Fahrt über das Übungsgelände.
An sechs Stationen werden die Bundeswehrangehörigen mit Situationen konfrontiert, bei denen schnelle Entscheidungen und sicheres Handeln gefragt sind. „Was wir hier lernen, kann uns im Einsatz nützen”, so Wierth, der schon mehrfach an Auslandseinsätzen teilgenommen hat, zuletzt im Kosovo war. Seine Erfahrungen sind jetzt Grundlage für die einzelnen Szenarien. Mehrere Wochen hat Wierth diese Übung vorbereitet, die den Soldaten einiges abfordert. Aufmerksamer Beobachter der Übung ist der stellvertretende Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Schmidt. „Diese einsatznahe Ausbildung ist eine gute Maßnahme”, lobt er.
Relativ einfach zu meistern sind die ersten Stationen. Ein alter Mann bittet um Hilfe. Sein Sohn hat Schmerzen. Die Soldaten melden den Vorfall an die Zentrale, schnell kommt ein Rettungsfahrzeug und kümmert sich um den Verletzten - ein Einsatz für die Johanniter. Dann wird ein Verkehrsunfall simuliert. Ein Bundeswehr-Fahrzeug ist mit dem Wagen eines Einheimischen zusammengestoßen. Der Verletzte ist schnell versorgt, die Wagen werden von der Feuerwehr Stadtoldendorf in Obhut genommen, die die Situation professionell regelt.
Vier Mitglieder der Reservistenkameradschaft Holzminden mimen nirmanische Bauern, die Waffen ohne Waffenscheine haben. Die Waffen werden von der Bundeswehr sichergestellt.
Die heikelste Situation aber wartet auf die Patrouille im Übungsdorf. Von weitem ist schon Rauch zu sehen, Demonstranten (überzeugend dargestellt von jungen Rekruten) fordern lauthals nach mehr Mitbestimmung. Vor dem Gebäude der Ortsverwaltung hat sich eine Menschenmenge zusammengerottet, die Bundeswehr muss eingreifen. Die Soldaten bilden eine Kette, trennen die zerstrittenen Gruppen. Plötzlich fährt ein Bulli mit Pressevertretern vor. Unangemeldet stürmen fünf „Journalisten” in die Szene auf der Suche nach „heißen Storys”. Ein TAH-Redakteur hatte im Vorfeld vier Soldaten als „Kollegen” gewonnen, die den Soldaten provozierende Fragen stellen, sich in die Verhandlungen einmischen, die Männer ablenken und die Situation auf der Suche nach „Action-Bildern” anheizen.
„Wir haben es bei Einsätzen immer öfter mit Pressevertretern zu tun, die sehr aggressiv vorgehen”, erklärt Wierth das Übungsszenario. „Unsere Soldaten müssen sich auch darauf einstellen. Nicht immer habe man es mit Journalisten zu tun, die sich an die eigenen Regeln halten.
Am Ende können die Soldaten einen Gewalttäter unter den Demonstranten festnehmen und der UN-Polizei (gespielt von Feldjägern aus Hannover) übergeben.
Zum Abschluss bespricht Hauptfeldwebel Wierth mit allen Teilnehmern die Übung. Er weist auf Fehler hin, zeigt, wie man Krisensituationen einfacher bewältigen kann und stellt gelungene Lösungen heraus. Auch die beteiligten Gruppen geben bei der Besprechung ihre Kommentare ab. Am Ende schickt ein sichtlich zufriedener Ralph Wierth die Soldaten ins Wochenende. „Auf jeden Fall werden sich die Übungsteilnehmer Gedanken machen. Und das ist gut so, denn Fehler in der Ausbildung, die erkannt und besprochen werden, verhindern mögliche schlimme Konsequenzen im Einsatz.” (fhm)

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