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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Bemerkenswerte Naturschutz-Erfolge im Hutewald-Projekt

Auf den Dunghaufen der Ponys und Rinder finden sich Mistkäfer in großer Anzahl ein.

Nienover (26.03.05). Das Reiherbachtal bei Nienover ist wegen des dort durchgeführten Hutewaldprojektes „in der Szene” inzwischen bundesweit bekannt. Nicht nur die dort vom Naturpark Solling-Vogler betriebene Art der Waldweide mit Heckrindern und Exmoorponys ist für Deutschland einmalig (der TAH berichtete).

Die umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen stellten die Einzigartigkeit des nur etwa 170 Hektar großen Gebietes auch in anderer Hinsicht in das Licht der Öffentlichkeit: Die an der Fachhochschule Lippe und Höxter, Abteilung Höxter, zusammengeführten Wissenschaftler fanden einen Artenreichtum, der alle Erwartungen bei weitem übertraf. Beispielsweise wurden über 400 Schmetterlingsarten, über 300 Totholz besiedelnde Käferarten, 575 Pilzarten und 151 Flechtenarten festgestellt. Mehr als 600 der festgestellten Arten werden landes- oder bundesweit auf der Roten Liste der gefährdeten Arten geführt.
Verschiedene Spezies, die in Niedersachsen schon als ausgestorben galten, wurden von den Spezialisten wiederentdeckt. Das gilt zum Beispiel für die „Blühende Bartflechte” (Usnea florida). Verglichen mit den deutschen Wald-Nationalparken, die auf mehreren Tausend Hektar Fläche dem Schutz seltener Arten besonders verpflichtet sind, ist dies ein absolut überragendes Ergebnis.
Im Nationalpark Eifel etwa konnten auf rund 11.000 Hektar bisher nur 240 gefährdete Arten nachgewiesen werden. Dieses Beispiel verdeutlicht den herausragenden Wert des Reiherbachtals mit seinen alten lichten Eichenwäldern.
Wie Professor Dr. Bernd Gerken, Ökologe und Leiter des Projektes, betont, stellen sich zunehmend mehr Erfolge ein, die unmittelbar auf die Tätigkeit der Weidetiere zurückzuführen sind. Die Ponys und Rinder sind seit vier Jahren im Gebiet und hinterlassen ihre Spuren in der Landschaft. Mit ihren Hufen verbreiten sie Samen und Sporen von Pflanzen und Pilzen. Diese besiedeln dann die Tierpfade, die sich wie ein Netz über das gesamte Projektgebiet ziehen. Aber auch Tiere, etwa Schnecken, werden von den Weidetieren verfrachtet und somit zur Besiedelung neuer Lebensräume befähigt.
Besonderes Augenmerk wird den Dungbesiedlern geschenkt. Hier sind herausragende Erfolge zu verzeichnen. In einem einzigen Pony-Dunghaufen konnten bis zu 1.170 Käfer verschiedener Arten festgestellt werden. Der Bestand des auffälligen Waldmistkäfers hat sich verdreifacht. Die Insekten dienen anderen Tieren wie Dachs, Mausohr-Fledermaus, Neuntöter und vielen anderen als Nahrung.
Auch unter den Dung besiedelnden Pilzen, deren Erscheinen direkt an die Weidetiere gebunden ist, wurden einige Seltenheiten nachgewiesen. So wurde als absolute Rarität der Herzsporige Tintling (Coprinus cardiasporus) als Zweitfund für Deutschland auf Pferdedung aufgefunden. Ebenfalls auf diesem Substrat wuchs der Kleine Dungbecherling (Peziza fimeti), der vorher in Niedersachsen nur einmal gefunden worden war. Auch das Auftreten des Wegrand-Tintlings (Coprinus semitalis), der bisher in Niedersachsen gänzlich unbekannt war, ist vermutlich auf die Aktivitäten der Weidetiere zurückzuführen.
Diese Erfolge sind nur möglich, weil die Haltungsbedingungen einen weitgehenden Verzicht auf Medikamente gegen Parasiten ermöglichen. Der Dung von konventionell gehaltenen Weidetieren ist für viele Pilze und Käfer wegen der hohen Medikamentengabe nicht mehr besiedelbar. Im Hutewaldprojekt tragen diese Dungbesiedler zu einem effektiven Abbau des Kotes bei, was letztlich dem Wald zugute kommt, dessen Humusqualität sich verbessert (spe).

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