Kreis Holzminden (29.12.2006). Sie sind noch nicht angekommen, die Heiligen Drei Könige, sie ziehen noch, auf Kamelen reitend und mit Geschenken bepackt, gen Bethlehem, wo das Jesuskind in der Krippe liegt. Oben, in der zweiten Etage, sind sie zu erblicken. Sie sehen etwas müde aus. Bis zur Ankunft von Caspar, Melchior und Balthasar wird auch die Krippe der de Tocas aufgebaut sein. Was noch nichts Besonderes ist, denn eine Krippe steht bis zum Dreikönigstag fast in jedem zweiten Haushalt. Was aber Rafael de Toca im Keller seines Hauses im Thüringer Weg in Holzminden aufgebaut hat, das grenzt schon an ein Miniaturmuseum, das ist eine ganz andere Dimension und von spanischer Tradition: Dort breitet sich auf einer Fläche von 4,50 mal 1,60 Metern eine wahre „Krippenlandschaft“ vor dem Betrachter aus und lädt ein, sie mit Augen zu durchwandern. Biblische Idylle - so etwa muss es vor 2000 Jahren im heiligen Land ausgesehen haben, das auf den zweiten Blick ein wenig an Spanien erinnert. Bauern sind auf dem Feld, Handwerker bieten ihre Dienste an, Reisende auf Kamelen ziehen vorüber, der Engel ist bei den Hirten. Da vorn wird Brot gebacken, dort ein Schaf über dem Feuer gegrillt, auf einem Tisch steht eine Pfanne mit Paella. Hier picken Hühner, dort schnattern Enten, in Koppeln weiden Schafe und Schweine, auf einer Leine trocknet Wäsche, am See zieht ein Angler einen Fisch an Land. Emsiges Treiben herrscht in den kleinen Dörfern mit Tavernen und Windmühlen.
„So baut man eine Krippe in Spanien auf“, berichtet Rafael de Toca und verweist auf König Herodes, der von ganz rechts heran reitet. „Genau gegenüber steht die Krippe“, darin Maria und Josef und das Jesuskind. „Mit dieser Krippe, sie ist 75 Jahre alt, hat alles begonnen“, erzählt Anni de Toca. Von Jahr zu Jahr wächst um sie herum die „Krippenlandschaft“ ihres Mannes, wird größer und größer, noch detailreicher und liebevoller und vor allem immer wieder anders aufgebaut. Nie gleicht die Anlage dem Vorjahr. „Inzwischen sind es rund 200 Krippenfiguren, die wir aus Spanien mitgebracht haben“, berichtet Anni de Toca. Die Leidenschaft für den Landschaftsbau in Miniatur und fürs Sammeln der Figuren erwachte schon in Spanien. Mehrfach gewannen die de Tocas mit ihren liebevollen Kreationen dort Krippen-Wettbewerbe.
Ihr Mann Rafael stammt aus Spanien, aus Madrid, sie vom Niederrhein. Sie lernten sich im Urlaub kennen, heirateten, verbrachten viele Jahre in Hannover. Dann zogen sie nach Mallorca und lebten dort 16 Jahre lang. Doch ihr war es zu heiß, sie wollte zurück nach Deutschland. Über Freunde in Stadtoldendorf fanden sie Gefallen am Weserbergland und kauften im September - „innerhalb von vier Tagen“ - das Haus imThüringer Weg 8 in Holzminden. Hier freuen sie sich über nette Nachbarn. „Sie waren alle schon bei uns im Keller, auch der Briefträger und der Elektriker, der die Steckdosen verlegen musste - bestimmt 50 Besucher hatten wir schon hier. Sie durften aber erst gucken, als die Krippe fertig aufgebaut war“, sagt Frau de Toca. Für den Aufbau benötigte ihr Mann zwei Tage. Und einige Nachbarn kommen immer wieder. „Wir sagen dann: Wir gehen in den Keller, müssen die Schafe füttern“, lacht die „Schäferin“.
Es ist faszinierend: Man kann hier eine Stunde oder länger stehen und entdeckt immer wieder etwas Neues. In den Häusern ist Licht, davor brennen Lagerfeuer, beleuchtet von dem Lämpchen einer kleinen Lichterkette. Da plätschert echtes Wasser in einen See mit lebenden Pflanzen. Da stapeln sich Weinfässer aus Flaschenkorken, die Felshänge und Grotten sind aus Korkeichenrinde und Moos geformt, Gewürznelken stellen die Feldfrüchte dar, der Brotbackofen hat ein Dach aus dem Panzer eines Seeigels bekommen. Kleine Äste wurden zu Forken, getrocknete Pflanzen zu Bäumen, die Häuser und Ställe sind aus Obstkistenholz gebaut - bis auf die Figuren selbst ist die gesamte Szenerie handgefertigt von Rafael de Toca.
Die de Tocas sind großzügig und lassen gern andere Menschen an der Schönheit ihrer Krippe teilhaben. Sie sagen: „Das ist eigentlich für uns gebaut, aber wer will, kann gern gucken kommen. Besonders Kinder bekommen immer große Augen, wenn sie davor stehen.“ Bis zum 8. Januar soll die Krippenlandschaft stehen bleiben. „Und im nächsten Jahr baue ich um die Ecke herum“, schmiedet der Krippenmeister schon neue Pläne (spe).







