Holzminden (26.06.2010). Dritter Platz für die Schülerfirma C-Games vom Campe-Gymnasiums in Holzminden! Das ist eine Sensation. Das Jung-Unternehmen kam beim Bundeswettbewerb des Junior-Projekts in Berlin unter die ersten drei. Die Niedersachsen erreichten dieses tolle Ergebnis in dem dreitätigen Wettbewerb gegen 13 weitere Landessieger. Sieger des Bundeswettbewerbs und somit Vertreter Deutschlands auf europäischer Ebene ist das Unternehmen „enerXchange“ aus Baden-Württemberg.
„Hidden Champions“, zu Deutsch „versteckte Sieger“ – so heißt das Produkt der Schüler des Campe-Gymnasiums aus Holzminden. Das Brettspiel dient dazu, gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge spielerisch zu erläutern und den wirtschaftlichen Ruf des Landkreises Holzminden hervorzuheben, denn hier verstecken sich viele Unternehmen, darunter Weltmarktführer, die ganz oben „mitspielen“.
Zu diesen Unternehmen kann sich nun auch C-Games zählen. Im Rahmen des „Junior-Projekts“ des Institutes der deutschen Wirtschaft (IW) aus Köln gründen Schüler deutschlandweit Aktienunternehmen, die sich, auf ein Jahr begrenzt, mit einer guten Geschäftsidee am Markt beweisen müssen. Christoph Bolte, Lehrer am Campe Gymnasium, hat das Junior-Projekt 2008 nach Holzminden geholt.
C-Games ist bereits die zweite siegreiche Schülerfirma des Campe. Zwölf Schüler des zehnten Jahrgangs gründeten die Firma, entwickelten die Geschäftsidee, schufen Abteilungen wie Finanzen und Marketing und bestimmten einen Vorstand. Anteilscheine mussten verkauft werden, um das nötige Startkapital von 900 Euro zu bekommen, Kontakte zu Unternehmen als Sponsoren geknüpft werden. Und die waren von der Spielidee begeistert. Stiebel Eltron, die Ölmühle, Rathmann Elektro sind so zum Inhalt des Spiels geworden, die Braunschweigische Landessparkasse und die Volksbank sind ebenso im Spiel zu finden wie der TAH. Mit der Hilfe der Grafikdesignerin Angelika Reuter, der Wirtschaftspatin Petra Brychcy, der Wirtschaftsförderung des Landkreises Holzminden sowie dem Schulpaten Christoph Bolte wurden 500 Spiele in einer Göttinger Behindertenwerkstatt hergestellt. Es sind schon über 300 Stück verkauft! Wer Interesse hat: Sie gibt es beim TAH.
Doch nicht allein der wirtschaftliche Erfolg zäht bei den Junior-Unternehmen: Auf Länder-, dann auf Bundesebene finden Wettbewerbe statt, bei denen sich die Schülerfirmen in zahlreichen Kategorien vor einer hochkarätig besetzten und kritischen Jury beweisen müssen. C-Games siegte auf Landesebene (der TAH berichtete) und holte sich damit die Fahrkarte zum Bundeswettbewerb in Berlin.
Nach knapp eineinhalb Monaten Vorbereitungszeit machte sich die Firma zusammen mit ihrem Schulpaten, Lehrer Reinhard Busch, sowie drei Schülern der vorherigen Schülerfirma C-Tools auf nach Berlin. Hier erwartete die Campe-Unternehmer ein dreitägiger Wettbewerb, vollgepackt mit Terminen. Im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie wurden die Stände aufgebaut. Der Stand ist aber nur eine Bewertungsgrundlage. Die Unternehmen werden auch in punkto Geschäftsbericht, Präsentation, Interview und Gesamteindruck unter die Lupe genommen.
Und dann war es soweit: Nach einer Begrüßung durch den Moderator Ulrich Walter und der Geschäftsführung der Junior gGmbH Marion Hüchtermann und Dirk Werner wurden von der Jury Einzelinterviews mit fünf Vertretern jedes Unternehmens an den Ständen geführt. Auch kritische Fragen zur Gruppenarbeit und zur finanziellen Lage mussten beantwortet werden. Nicht einfach bei einer so erfahrenen Jury. Diese bestand aus Wolfgang Gollub (Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie), Dr. Johannes Velling (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie), Dr. Markus Hofmann (AXA Konzern AG ), Professor Dr. Wolfgang Grewe (Deloitte) und dem Juryvorsitzenden Professor Dr. Michael Hüther (IW Köln).
Anschließend mussten sich alle Unternehmen in einer Präsentation vorstellen, die nicht länger als fünf Minuten dauern durfte und durch einen Mix aus Kreativität und Information überzeugen sollte. Dann hieß es warten. Schließlich, endlich die Preisverleihung: „Ein Fotofinish“ sei es gewesen, so Professor Dr. Hüther, Juryvorsitz, bei seiner Rede, in der er allen teilnehmenden Unternehmen „eine tolle Idee, viel Kreativität und Qualität“ attestierte. Und dann war es amtlich. Der dritte Preis geht nach Niedersachsen, an das Campe Gymnasium. Die Freude bei den Holzmindenern war gigantisch, denn die Platzierung kam angesichts der starken Konkurrenz unerwartet, aber nicht unverdient: „Ein Produkt, für das sich schon nationale, reale Unternehmen engagieren, mit hoher Qualität, mit großem Potenzial und Erweiterungsmöglichkeiten und einer guten Bilanz“, so begründete die Jury ihre Entscheidung.
Zweiter wurde das nordrhein-westfälische Unternehmen „Lumagination“, das ein Kinderbuch über den menschlichen Körper verkauft. Der erste Platz ging diesmal in den Süden Deutschlands, an „enerXchange“. Die Schüler des Gymnasiums Ostfildern aus Baden-Württemberg bieten Verbrauchern Energieberatung an. Diese Firma wird nun Deutschland auf europäischer Ebene vom 25. Juli an in Cagliari auf Sardinien gegen 25 weitere Firmen vertreten.
C-Games kehrt mit Stolz zurück. Die Schüler waren vom Alter her die jüngsten Unternehmer, standen ihrer Konkurrenz trotzdem in Nichts nach. Für das Holzmindener Gymnasium und den Landkreis sowie für alle Unternehmen, die in dem Spiel mitwirken, ist das eine Top-Werbung. Auch die Anteilseigner können sich auf eine üppige Dividende freuen. Außerdem werden drei Viertel des Gewinns an afrikanische Bildungsprojekte gespendet.
Abschließend, so waren sich die Vorstände Florian Breker und Semi El Wafi und Schulpate Christoph Bolte einig, müsste man nochmals Danke sagen: „Wir möchten der Schule und den Unternehmen danken für die Unterstützung, Junior für dieses tolle Projekt, die Möglichkeiten und Chancen, sowie all unseren Partnern und Freunden! Danke!“
Das Geschäftsjahr ist somit nun auch offiziell beendet. Die Schüler haben nun Sommerferien und nach Verkauf aller Spiele löst sich das Unternehmen auf. Zurzeit laufen Verhandlungen mit einem namhaften Spielehersteller, der das Spiel gerne deutschlandweit vertreiben würde.
Christoph Bolte möchte auch weiterhin Junior am Campe-Gymnasium durchführen. Dies soll dann in Zukunft im Rahmen des Seminarfaches in der Oberstufe passieren. (Felix Möhke)

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