Fürstenberg (10.03.07). Am Anfang des Porzellans in Europa steht die Gier nach Gold. Während in China schon seit dem Jahr 620 nach Christus Porzellan hergestellt wurde, blieb den Europäern das Geheimnis der Herstellung zunächst verborgen. Der Albertiner-Fürst August der Starke wollte im 18. Jahrhundert Gold herstellen lassen. Deshalb sperrte er den Apotheker Johann Friedrich Böttger in die Festung Königstein. Gold konnte Böttger zwar nicht machen, aber 1708 gelang ihm zusammen mit Ehrenfried Walter von Tschirnhaus die Herstellung des europäischen Porzellans.
„Ich denke unwillkürlich an diese Geburtsstunde unseres Porzellans, wenn ich unseren neuen Erfolg in den Händen halte“, sagt Christian Hirsch, Geschäftsführer der Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Seit einigen Monaten gehört zum Produkt-Sortiment ein Champagner-Becher aus Porzellan, vergoldet mit 24 Karat, im Design von Sieger. „Dieser Becher ist ein echter Erfolg“, sagt Hirsch, gerade wegen der Kombination von Gold und Porzellan. Und es sei etwas völlig Neues. „Zuletzt waren wir auf einer Messe in Moskau damit vertretern. Ein absoluter Erfolg.“
Aber damit das Gold auf das „weiße Gold“ kommt, bedarf es größter Sorgfalt und kompetenter Handwerkskunst. Am Anfang steht die klassische Porzellanmischung aus Kaolin, Feldspat und Quarz. Aus diesen Grundstoffen entsteht die Porzellanmasse, die dann von den erfahrenen Mitarbeitern der Manufaktur in einem aufwändigen Verfahren zu diesen edlen Stücken verarbeitet werden. Die Masse wird zu Bechern geformt, anschließend bei 900 Grad geglüht, bearbeitet und bemalt, zum Dekorbrand gegeben und zum Schluss bei 1.400 Grad endgültig gebrannt. Das Gold kommt vor dem Dekorbrand ins Spiel.
Per Pinsel und mit der Air-Brush-Pistole wird das Gold aufgetragen. Doch liegen beim Porzellanmaler Wolfgang Golüke keine Goldbarren auf dem Arbeitsplatz, sondern kleine Flaschen, in denen das Gold in flüssiger Form aufbewahrt wird. Das edle Material ist in kleinste Körner zerteilt, wird zu Staub zermahlen und mit ätherischen Ölen vermischt. Dieses Öl wird dann mit dem Pinsel (oder mit der Spritzpistole) vorsichtig und mit sicherer Hand aufgetragen. Natürlich gehen Wolfgang Golüke und seine Kollegen äußerst sorgsam mit dem teuren Werkstoff um. Nichts geht verloren, selbst der Lappen, mit dem ein Tropfen abgewischt wird, wandert in den Gold-Recycling-Kreislauf.
Wenn dann der Becher mit dem Goldanstrich bei 1.250 Grad zum Dekorbrand in den Ofen kommt, verbrennen die ätherischen Öle, die Glasur des Porzellans öffnet sich und der feine Goldstaub sinkt in die Glasur. Beim Abkühlen umschließt die Glasur den Goldstaub und schafft den glänzenden Rand des Bechers, der bei vielen Porzellanfreunden schon für Furore gesorgt hat. „Der Maler muss eine hohe Gleichmäßigkeit erzielen, damit die ebenmäßige Verteilung auf der gesamten Fläche erreicht wird“, erläutert Hirsch den entscheidenden Vorgang bei der Herstellung des Champagner-Bechers. „Sonst würden sich unterschiedliche Stärken und Muster ergeben.“
Das Thema Gold und Porzellan wird - allerdings nur noch an diesem Wochenende - auch in einer sehenswerten Ausstellung im Museum im Schloss der Porzellanmanfufaktur Fürstenberg gezeigt. Unter dem Titel „Goldrausch - Porzellan in Weiß und Gold“ werden die unterschiedlichsten Stücke aus den vergangenen zwei Jahrhunderten gezeigt, bei denen Gold und Porzellan zusammenfanden. Am Anfang der Ausstellung stehen die ältesten Stücke aus dem 18. Jahrhundert, am Ende der neue Champagner-Becher aus der Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Die Ausstellung endet am Sonntag (fhm).