Bevern (11.07.09).Die Entdeckungsreise beginnt schon im Flur: Der Eingangsbereich ist hell erleuchtet und mit schönen Bildern dekoriert. Mit einem Schild „Herzlich Willkommen“ werden die Besucher freundlich empfangen, und zwei Glastüren weiter ist man mittendrin, im neu gestalteten Heimatmuseum Bevern. Hier gibt es Ortsgeschichte zum Anfassen, liebevoll zusammengestellt vom Heimat- und Kulturverein Bevern. Mehr als fünf Jahre hat es gebraucht, bis das Museum wieder eröffnet werden konnte.
Heute sind der Vereinsvorsitzende Dieter Baller und Museumsleiterin Heidrun Löhr stolz auf das, was sie ihren Besuchern in den Räumen im Schloss Bevern präsentieren können.
Im Vergleich zum Vorgänger hat das Museum zwar an Fläche verloren, dafür viel an Atmosphäre gewonnen. Nach Themen gegliedert, ergibt sich beim Rundgang durch die Räume eine Wanderung durch das dörfliche Leben im Wandel der Zeit. „Aus der Summe der heimatkundlichen Sammlungen ergibt sich ein umfassendes Bild unseres Ortes und fördert das Verständnis und die Liebe zu unserer Heimat“, formuliert es Dieter Baller.
Es beginnt mit einem Blick in das jüdische Leben in Bevern, das hier zwei Jahrhunderte blühte, aber mit dem zweiten Weltkrieg ausgelöscht wurde. In der Mitte des folgenden Raumes thront das mächtige Modell des Weserrenaissance-Schlosses, umrahmt von eindrucksvollen Möbelstücken vergangener Jahrhunderte. Sie hatten unter der fünfjährigen Zwangspause des Museums besonders gelitten. Ihre Lagerzeit in der oberene Etage des Schlosses haben sie nicht gut überstanden, wurden außerdem vom Holzwurm befallen. Das sieht man den Schränken und Vitrinen heute aber nicht mehr an. Mit großem Aufwand wurden sie von den Mitgliedern des Heimatvereins liebevoll repariert.
Dann geht es weiter ins „Kleidungszimmer“, das einen Eindruck vermittelt von den Moden längst vergangenen Zeiten. Ein Brautpaar trägt die früher übliche Festkleidung – die Braut in Schwarz, der Bräutigam mit Zylinder. Dazu ist eine Sammlung verschiedener Uniformen zu sehen, aufwändig bestickte Prinzessinnenkleider und Kopfschmuck für die Damenwelt.
Ein weiterer Raum ist der „Nachrichtentechnik“ gewidmet. Hier sind die Grundlagen des Buchdruck ebenso zu bewundern wie die alte Setzerei, die über Jahrzehnte beim Täglichen Anzeiger eingesetzt wurde und nun vom Holzmindener Verlagshaus dem Heimatmuseum zur Verfügung gestellt wurde. Außerdem zu sehen: Ein Modell der optischen Telegraphenstation Nummer 28 auf dem Burgberg.
Wie das Leben in den meist bäuerlichen Familien des Dorfes ablief, lässt sich ebenfalls anhand einiger Exponate nachvollziehen. Der alter Webstuhl, der hier aufgebaut wurde, ist sogar noch funktionstüchtig, alte Handwerkskunst mit Schuhmacherwerkstatt und Schmiede ist ebenfalls zu bewundern.
Und schließlich hat im Heimatmuseum auch die Archäologiegruppe des Vereins ihren Ausstellungsraum, zeigt dort Funde und Bodenschätze aus der Region.
Das alles, so betont Dieter Baller immer wieder, ist aber nur die erste Ausbaustufe des Heimatmuseums, das einst 250 Quadratmeter groß war, derzeit aber mit 140 Quadratmetern Ausstellungsfläche zurecht kommen muss. Geplant ist, die weiteren Räume im Obergeschoss, die im Moment nur als Lager dienen, wieder herzurichten. „Wir Mitglieder des Heimat- und Kulturvereins stehen bereit und wollen unsere Arbeitskraft und unser Fachwissen einbringen“, sagt der Vorsitzende. Dann will man auch die Exponate wieder angemessen präsentieren, die jetzt noch ein Schattendasein im Archiv führen.
Der Eingang zum Heimatmuseum im Schloss wurde kombiniert mit dem Tourismusbüro und dem Zugang zur Erlebniswelt Renaissance – eine besucherfreundliche Lösung, die sich langfristig auch in gemeinsamen Öffnungszeiten niederschlagen soll. Bislang ist das ehrenamtlich betreute Heimatmuseum allerdings nur sonntags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr geöffnet. Dieter Baller und Museumsleiterin Heidrun Löhr sind optimistisch: „Wir hoffen, dass der gute Ruf des Heimatmuseums bestehen bleibt und dazu beiträgt, die Attraktivität des Schlosses weiter zu steigern.“ (nig)

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