Stadtoldendorf (30.04.2010). In der medizinischen Fachliteratur ist das „Stadtoldendorfer Modell“ mittlerweile ein Begriff. Denn das Krankenhaus Charlottenstift hat echte Pionierarbeit geleistet und es geschafft, zwei einstmals „gegensätzliche Welten“ auf dem medizinischen Sektor zu vereinen. Gemeint ist das Modellprojekt „Integration von Naturheilkunde und Traditioneller Chinesischer Medizin in ein Akutkrankenhaus“. In diesen Tagen kann das hochgelobte Projekt seinen zehnten Geburtstag feiern. Und es ist noch immer das einzige Krankenhaus in Niedersachsen mit einem derartigen Angebot.
Viel ist in diesen zehn Jahren geschehen. Aus kleinen Anfängen heraus wurde das Projekt stetig weiterentwickelt, heute gilt es als Funktionseinheit zur multimodalen Schmerztherapie und naturheilkundlichen Komplexbehandlung, die von den Krankenkassen anerkannt ist. Mehr noch: Mittlerweile kommen sogar Patienten aus ganz Deutschland auf Empfehlung der Krankenkasse in die Klinik. Tendenz steigend. Dieser Erfolg schlägt sich auch in den Zahlen nieder: waren es 2008 noch 48 Patienten für die multimodale Schmerztherapie, wurden 2009 bereits 407 verzeichnet. „Und 2010 werden es voraussichtlich noch mehr“, ist sich der leitende Oberarzt Thomas Rudolph sicher. Rudolph, zugleich ärztlicher Leiter des Projektes Naturheilkunde und TCM, gehört zu den Mitarbeitern der ersten Stunde, die das Projekt mit viel Herzblut und Enthusiasmus aufgebaut haben.
Den Anstoß dazu gab im April 2000 die Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung Hannover. Ihr schwebte ein Modellprojekt vor, in der naturheilkundliche und traditionelle chinesische Behandlungsverfahren in die reguläre Patientenversorgung eines Akutkrankenhauses integriert werden sollen. Aus diesem Gedanken heraus ist die „Naturheilkunde“ in Stadtoldendorf nach wie vor auch keine eigenständige Abteilung, sondern ein Funktionsbereich der Inneren Medizin. Dies macht das Projekt auch so einzigartig.
Die Kombination von schulmedizinischen und naturheilkundlichen Verfahren soll insgesamt bessere Behandlungsergebnisse bringen. Ein Nebengedanke des Projektes war, die bessere Wirkung auch wissenschaftlich zu belegen, um damit eine Anerkennung durch die Krankenkassen zu bekommen.
Nach dem Startsignal aus Hannover ging das Team in Stadtoldendorf an die Arbeit, stieß gleich auf großes Patienteninteresse. Zunächst wurden in der Klinik zwei Behandlungszimmer geschaffen. Mit den wachsenden Patientenzahlen wurden die Räumlichkeiten ausgebaut. Die gesamten Räume finden sich heute in der dritten Ebene des Krankenhauses mit elf Behandlungszimmern, einem Raum für Bewegungstherapie, einem Raum für Qi Gong, Entspannung und Schulungen sowie ein Zimmer für Ernährungsberatung und zwei für psychologische Gespräche.
Ohne die finanzielle Unterstützung der Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung Hannover wäre die Umsetzung nicht möglich gewesen. War der erste Teil des Projektes zunächst zeitlich bis zum Jahr 2006 befristet, ging es anschließend um die Weiterentwicklung unter dem Projekttitel „Etablierung des Stadtoldendorfer Modells“. Ziel war es nun, eine Finanzierung der Leistungen langfristig aus eigenen Mitteln zu gewährleisten. Mit der Anerkennung durch die Kassen wurde dafür im Jahr 2008 eine wesentliche Hürde genommen.
Zum Gesamtkonzept zählt auch die kontinuierliche Fortbildung der Ärzte, des Pflegepersonals sowie der niedergelassenen Ärzte. Dafür wurde eigens das Jule Johler Institut unter Leitung von Wolfgang Hesse gegründet. Nicht nur hauseigenes Personal ließ sich fortbilden, sondern bald auch Weiterbildungsteilnehmer aus ganz Deutschland.
Auch wenn manche Schwierigkeiten in der Vergangenheit gemeistert wurden, blickt Thomas Rudolph mit Stolz auf die Entwicklung des Modellprojektes, das mittlerweile bundesweit Anerkennung findet. „Dass sich das so entwickelt hat, ist enorm.“ In ganz Deutschland werden er und Wolfgang Hesse zu Vorträgen geladen, um das Modellprojekt vorzustellen.
Nur eines hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht geändert: Im Mittelpunkt steht nach wie vor das Wohl des Patienten. Vor allem diejenigen mit chronischen Schmerzen dürfen in Stadtoldendorf auf wirkungsvolle und langfristige Hilfe hoffen. Für Thomas Rudolph ist das Erfolgsrezept ganz simpel: „Wir geben den Menschen ihre Lebensqualität zurück.“ (nig)

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