Fürstenberg (27.06.09). Noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts trugen die Bräute schwarz bei der Hochzeit. Damals wurde zwischen dem Brautkleid und dem klassischen „Sonntagsstaat“ nicht unterschieden. „Es war auch ein Zeichen des materiellen Wohlstands, wenn man schon in Weiß heiraten konnte“, erklärt Thomas Krüger vom Museum im Schloss Fürstenberg. „Die meisten Menschen hatten kein Geld, um sich extra für die Hochzeit ein Kleid zuzulegen.“ Wissenswertes rund um das Thema Heiraten wird jetzt in der neuen Kabinettsausstellung „Ja, ich will! – Heiraten gestern und heute“ dargestellt.
Die Ausstellung wurde konzipiert durch den Museumsverbund Südniedersachsen, der Ausstellungsstücke aus Südniedersachsen zusammengestellt hat, darunter auch viele Exponate aus dem Landkreis Holzminden. Den Besuchern sollen bekannte und heute unbekannte Hochzeitstraditionen vorgeführt werden. So findet man natürlich Beispiele für opulentes Hochzeitsgeschirr. Die Familien Liebold aus Holzminden und von Grone aus Westerbrak haben Hochzeitservices zur Verfügung gestellt, wie sie vor über 100 Jahren begehrt waren.
Auch die Abteilung „Aussteuer“ wird in der kleinen, aber sehr feinen Ausstellung dargestellt. Eine Auswahl von Kleidungs- und Wäschestücken wird präsentiert, wie sie damals üblich waren. Dabei fallen vor allen die schönen Stickmuster oder Wäscheborten auf. Sie sind ein Beispiel dafür, dass man in bürgerlichen und bäuerlichen Kreisen bemüht war, die Tochter standesgemäß zu verheiraten. Nur eine beachtliche und ansehnliche Mitgift konnte einem Mädchen vor über 100 Jahren eine Aussicht auf eine standesgemäße Hochzeit bieten. Man darf nicht vergessen, dass im 18. und 19. Jahrhundert Hochzeiten oftmals der Besitzstandswahrung dienten. Die Liebesheirat war nicht selbstverständlich.
Der juristische Teil des Themas Eheschließung ist ebenfalls dargestellt. So gab es etwa bis ins 19. Jahrhundert hinein Eheverbote. Ein Paar musste etwa den Nachweis der materiellen Unabhängigkeit bringen, damit seine Kinder nicht der öffentlichen Fürsorge zur Last fielen. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es beispielsweise – wegen damaliger Überbevölkerung – im Herzogtum Braunschweig die Vorschrift, dass Männer erst ab 25 heiraten dürften, wenn sie zusätzlich ein festes Einkommen nachweisen. Auch die schlimmste Art der Ausgrenzung der jüngsten Vergangenheit ist in der Ausstellung dokumentiert. In der Zeit des Nationalsozialismus musste dem Standesbeamten ein Ehetauglichkeitszeugnis vorgelegt werden. Die verbrecherischen Rassegesetze der Nazis verboten die Eheschließung von „Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes“ mit Juden. Deshalb musste eine Ahnentafel vorgelegt werden. Die zur Hochzeit üblichen Geschenke spielen ebenfalls in der Ausstellung eine Rolle, wobei ein Bierkrug mit der Aufschrift „Es lebe die Braut“ oder ein Humpen mit dem Wunsch „Ein fröhlig Herz“ aus heutiger Sicht etwas befremdlich wirken. Die Ausstellung zeigt, dass in der Vergangenheit für den Tag der Hochzeit besonders in ländlichen Regionen viel gebacken wurde. Im Gemeindebackhaus oder bei der Braut wurden Blechkuchen vorbereitet oder Hochzeitsbrote gebacken.
Dass die Öffentlichkeit Anteil nehmen konnte, haben nicht zuletzt Zeitungsinserate bewirkt. Im Täglichen Anzeiger wurden schon vor 150 Jahren die Hochzeiten annonciert und per Anzeige bekannt gemacht. Ein neues Produkt ist die Hochzeitszeitung, die von Freunden oder Verwandten des Paares mit Hilfe der Computermedien für den Tag der Hochzeit erstellt wird.
Das Weiß für das Brautkleid setzte sich erst vor etwa 100 Jahren für die Allgemeinheit durch. Bei Adeligen oder besonders reichen Bürgern tauchen weiße Hochzeitskleider schon vor 1800 auf – als Zeichen der Reinheit und Unberührtheit. Schwarze Festkleider waren damals bei den Menschen des Bürgertums oder auf dem Land der typische „Sonntagsstaat“ – das Kleid für besondere Anlässe. Geld für ein Hochzeitskleid, das nur an einem Tag getragen wurde, hatte man damals nicht. In der Ausstellung wird ein schwarzes Hochzeitskleid aus dem Jahr 1860 gezeigt. Das frühste weiße Kleid der Schau stammt aus dem Jahr 1900 und beeindruckt durch seine extrem schlanke Taille. Natürlich sind in der Schau auch die Anzüge des Bräutigams zu sehen. Doch ein solches Stück aus der Vergangenheit aufzutreiben, war für die Macher der Ausstellung mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Denn damals trug der Bräutigam sein Festgewand nach der Hochzeit weiterhin zu festlichen Anlässen – bis er schließlich in seinem Hochzeitsanzug begraben wurde. Die Ausstellung ist außer montags zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. (fhm)

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