
Holzminden (15.01.2011). Holzminden am Sonntag, 26. Januar 1913. Die Nachricht ist der Redaktion des TAH eine Meldung auf der Titelseite wert: „Kurz vor Druckbeginn erreichte uns am heutigen Sonntag die Nachricht, daß im Hause des angesehenen Bürgers unserer Stadt, des Schlossermeisters Karl Pistorius, wohnhaft Obere Bachstraße 43, das zweite Mädchen, ein Sonntagskind also, geboren wurde. Wie uns der stolze Vater mitteilte, soll es auf die Namen Gertrud, Marie, Mimi getauft werden. Den glücklichen Eltern, im Namen der Redaktion, allerherzlichste Gratulation“.
Damals kam der TAH noch mittags heraus und die Schlosser-Familie Pistorius hatte mit ihrem handwerklichen Geschick bereits überall in Holzminden Spuren zu hinterlassen. Schmiedekunst, die inzwischen mehr als ein Jahrhundert überdauert hat! Heute, fast auf den Tag genau 98 Jahre später, ist sie noch an vielen Plätzen zu finden. Und Gertrud Unsöld, geborene Pistorius, der damals die Meldung auf der Titelseite galt, hat den TAH noch einmal auf die Werke der Schmiede Pistorius hingewiesen. Auf die Wetterfahne zum Beispiel, die heute auf dem Gebäude der Kreis-Handwerkerschaft prangt. Und auf eine geschmiedete Liebeserklärung.
„Die Brüder August, mein Großvater, und Friedrich Pistorius, mein Onkel, hatten 1878 ihre Meisterprüfung gemacht. Ihr Meisterstück war die Wetterfahne, die bis 1965 auf unserem Haus in der Oberbachstraße 43 wehte. Bei Abriss des Hauses schenkten wir sie der Kreishandwerkerschaft am Markt, wo sie noch heute die Windrichtung anzeigt“, erzählt Gertrud Unsöld.
Und vor kurzem bekam sie ein Foto geschenkt mit dem Vermerk, dass die alte Handwerkskunst des Schmiedens bei Schnee besonders gut zum Ausdruck kommt. Das Foto zeigt einen Ausschnitt des Gitters, das den Kauffmannsgarten umgibt, oder, wie es damals hieß, den Park am Teich. „Zu dieser Anlage kann ich eine Geschichte erzählen, denn das Gitter kommt aus der Schlosserei meines Großvaters August und meines Onkels Friedrich Pistorius“, berichtet die rüstige Dame. „Es muss um 1880 entstanden sein. Der Park gehörte Senator Kauffmann aus Bremen, der mit seiner Familie die Sommermonate hier verlebte. Wie damals üblich nahm man das Personal mit, so kam es, dass meine Großmutter Margarethe (geboren in Dörverden/Weser) als Köchin für die Familie Kauffmann mit nach Holzminden kam. Es ergab sich, dass August und Margarethe sich bei verschiedenen Arbeiten im Park begegneten. Es wurde mehr daraus, denn 1882 wurde geheiratet. Mein Vater war ihr Erstgeborener. So hat das Gitter um den Kauffmannsgarten für mich seine besondere Bedeutung behalten“. (bs)

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