Bevern (19.04.08). In und an der St.-Johannis-Kirche in Bevern sieht es aus, als habe Verpackungskünstler Christo ein neues Projekt in Angriff genommen. Die Kanzel und der Altar sind sorgfältig verhüllt und verklebt, sämtliche Kirchenbänke mit dicker grauer Folie abgedeckt - und außen zieht sich ein riesiges Gerüst um das gesamte Gebäude. Tatsächlich geht es um Kunst. Aber nicht um moderne, sondern um historische Kunstschätze: In den nächsten Monaten werden die bunten Kirchenfenster sorgfältig ausgebaut und in einer Spezialwerkstatt in Quedlinburg restauriert. Derweil beseitigen Fachleute in Bevern Beschädigungen an Decken, Wänden und Fenster-„Rahmen“. 405.000 Euro werden die Arbeiten kosten, die zum allergrößten Teil die Landeskirche finanziert! (rei) Die St.-Johannis-Kirche in Bevern hat viele Besonderheiten, doch ihre Fenster sind ihre größten „Schätze“. Auch wenn sie mit 115 Jahren eigentlich noch relativ „jung“ sind, werden sie von Experten als sehr wertvoll eingestuft. Das liegt unter anderem daran, dass nur in ganz wenigen Kirchen ein solch stattliches Fenster-Ensemble komplett erhalten blieb - viele haben die Bomben des letzten Krieges zerstört. Außerdem wurden sie nicht von „irgendwem“ hergestellt, sondern von der Werkstatt Heinersdorf aus Berlin - und die hat damals vorwiegend für Fürsten- und Königshöfe gearbeitet.
Glasfachmann Schneemelcher von der gleichnamigen Werkstatt in Quedlinburg gerät richtig ins Schwärmen, wenn er von den Beveraner Kirchenfenstern spricht. Dabei hat er schon an viel berühmteren Kirchen gearbeitet, auch mit weitaus älteren Fenstern. Die Malereien sind noch sehr gut erhalten, hier hat Schneemelcher „keine nennenswerten Abgänge“ festgestellt. Der „jämmerliche Zustand“ der Fenster hat andere Ursachen. Die Bleistäbe, die die einzelnen Fensterfelder zusammenhalten, sind zum Teil kaputt - dadurch sitzen die Scheiben nicht mehr fest und geraten bei jeder Erschütterung in gefährliche Schwingungen. Und auch die Sandstein-Rosetten in den Fensterleibungen weisen Schäden auf. Ebenso wie zahlreiche weitere Sandsteinelemente in und an der Kirche.
An einigen Stellen sackt der Stein bereits, erklärt Diplom-Ingenieur Frank Wagner vom Amt für Bau- und Kunstpflege der evangelischen Landeskirche Hannover. Auch Claus-Dieter Bachmann, Steinmetz- und Steinbildhauermeister sowie Restaurator aus Göttingen, wird in den nächsten Monaten sehr viel zu tun haben. Er und seine Leute werden dem Stein zu Leibe rücken. Im Mittelpunkt steht dabei die Restaurierung der Maßwerke in den Fenstern, quasi das „Fenstergerippe“. Aber auch Risse in Gewölben, abgängige Sandsteinquader oder auch die Sandstein-„Krönchen“ außen am Kirchendach müssen saniert werden.
Für die Landeskirche haben diese Bauerhaltungsmaßnahmen Vorrang. Würden sie nicht bald erledigt, gäbe es immer größere - und teurere - Schäden. Eigentlich hatte die evangelische Kirchengemeinde Bevern ja gehofft, dass jetzt der zweite Abschnitt der vor wenigen Jahren begonnenen Malerarbeiten folgen könnte. Das Geld dafür steht sogar schon bereit, bestätigt Frank Wagner. Doch dann wurden die Risse in den Mauern entdeckt...
Pastorin Britta Wargel und der Kirchenvorstand sind natürlich heilfroh, dass trotz zahlreicher Kirchenbaumaßnahmen noch Geld für die „Notreparatur“ in Bevern zur Verfügung gestellt wurde.
Noch nicht endgültig geklärt ist, wie die wertvollen Kirchenfenster nach dem Wiedereinbau - zum Beispiel gegen Steine werfende Vandalen - geschützt werden sollen. Für die Experten kommen eigentlich nur Schutzgitter infrage. Ein Schutz aus bruchsicherem Glas wäre zu aufwändig und rund viermal so teuer (rei).







