Zum Inhaltsbereich springen
Donnerstag, 17. Mai 2012




TAH bei Facebook TAH RSS Feeds

Die Imker, im Einklang mit dem Umweltschutz

Für Armin Blume ist die Imkerei „hochinteressant und aktiver Umweltschutz“. Foto: spe

Landkreis Holzminden (25.07.09). Die Honigbiene wird von vielen Menschen nur als ein Insekt gesehen, das dem Menschen weh tut und dem gierigen Imker Honig bringt. In Wirklichkeit ist die Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen durch die Honigbienen volkswirtschaftlich von weit höherem Nutzen. Die Honigbiene ist hinter Rindern und Schweinen das drittwichtigste Nutztier der Menschen überhaupt.
Biologisch gesehen ist die Biene ein Wildtier, das auf die Nahrung aus der freien Landschaft angewiesen ist. Da aber die Honigbienenvölker in dem natürlichen Umfeld bei uns nicht genügend Nistmöglichkeiten finden, muss der Mensch helfen. Diese Hilfe wird dem Imker durch die Ernte von Honig und anderen Produkten belohnt. Die Bienen haben einen Trieb zur Vorratswirtschaft – sie sammeln nicht nur für sich, sondern geben dem Menschen davon ab.
Weil die Biene, wie auch die Wespe, einen Stachel hat, werden beide Insekten gern in einen Topf geworfen und gleichzeitig abgelehnt. Dabei wissen wir häufig nicht, dass die Wespen eher in der Nähe der Menschen zu finden sind, weil sie, wie der Mensch, die Nahrung mit tierischem Eiweiß ergänzen. Die Biene lebt neben dem Zucker ausschließlich von pflanzlichem Eiweiß und sucht nicht die Nähe des Menschen. Im Spätsommer, wenn die süßen Säfte der Pflanzen weniger werden, kann schon mal vereinzelt eine Honigbiene am Frühstückstisch des Menschen auftauchen.
Die Blütenbestäubung im Frühjahr wird neben den Honigbienen auch von Hummeln und Wildbienen ausgeführt. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Bienen zwar erst bei etwa acht Grad Celsius fliegen aber nicht, wie einige Hummelköniginnen und Wildbienen als Einzelwesen, sondern als Volk von 10.000 Kreaturen im Frühjahr und bis zu 40.000 Kreaturen im Sommer als ein Bienenvolk Blüten bestäuben. Hinzu kommt, dass die Honigbienen „blüten-stet“ sind. Das heißt, wenn Honigbienen fliegen, fliegen sie als Gruppe auf eine Blütenart. Hierbei ist sichergestellt, dass zum Beispiel Apfelpollen auch tatsächlich auf eine Apfelblüte gebracht wird.
Obstbauern fordern Imker auf, ihre Bienen in die Obstfelder zu bringen und geben ihnen sogar noch Geld dafür. „Sicherlich können wir Honig aus anderen Ländern importieren – nur bei der Bestäubung unserer Nutz- und Wildpflanzen können wir nicht auf die Honigbiene verzichten – wir brauchen die Bienen bei uns“, weiß Armin Blume aus Negenborn, Vorsitzender des Kreisimkervereins Holzminden. Er selbst hat 34 Völker in seinem Garten. „Die Imker im Landkreis Holzminden werden altersbedingt immer weniger. Wir brauchen Menschen, die sich bei uns mit der Imkerei beschäftigen, wenn die Vielfalt unserer Umwelt erhalten bleiben soll“, erklärt Blume. Im Kreis Holzminden gibt es noch insgesamt 86 Imker (75 mit Bienen), die sich auf die Imkervereine Bodenwerder, Eschershausen - Stadtoldendorf und Holzminden verteilen. Sie halten insgesamt 646 Bienenvölker. Imker tragen entscheidend zum ökologischen Gleichgewicht bei, zum Erhalt der Artenvielfalt und des Landschaftsbildes. Die Imkerei ist aktiver Umweltschutz – je mehr Bienen bei uns in der Region fliegen, je vielfältiger ist auch unsere Flora, also eine Verbreiterung des Pflanzenangebotes, je vielfältiger das Nahrungsangebot über die Bestäubung der Pflanzen, je vielfältiger wird auch unsere Fauna sein die hiervon leben kann.
„Eine unbegründete Scheu der Menschen vor den Bienen oder der Furcht vor der großen Wissenschaft zum Thema Bienen hält viele Menschen von der Bienenhaltung ab“, weiß Armin Blume.  „Gewiss ist die Bienenhaltung schwieriger als andere Zweige der Tierzucht – dafür aber hochinteressant und in jedem Jahr ein wenig anders. Mit der Erfahrung und dem Erfolg wächst die Freude an den Bienen.“
Die faszinierende Welt der Bienen ist ein Hobby, das auch nach dem Berufsleben noch ausgeübt werden kann. Die Imkerei auch mit nur wenigen Völkern trägt zu einer intakten Natur bei. Finden sich viele Menschen über den Kreis Holzminden verteilt mit einigen Bienenvölkern, so ist dieses ein aktiver Umweltschutz mit nachhaltiger Wirkung.
Hinzu kommt die Bedeutung des Honigs für die Ernährung des Menschen. Obwohl viele Wirkmechanismen des Honigs medizinisch nur unzureichend oder gar nicht geklärt sind, so gilt doch als erwiesen, dass Honig auf verschiedene Organe positive Wirkungen ausübt. Nur: Über 38 Grad Celsius sollte er nicht erhitzt werden, weil dann die wertvollen Inhaltsstoffe wie Pollen, Vitamine oder Mineralstoffe ihre Wirkung nicht mehr entfalten können. Man sollte also lieber einen Löffel Honig essen oder ihn aufs Brot streichen. Aufgelöst in heißem Tee ist er nurmehr Süßungsmittel.
Gründe, sich für die Bienenhaltung zu entscheiden, gibt es viele. Die Liebe zur Natur kann zur echten Leidenschaft werden. Einen aktiven Beitrag zum Naturschutz zu leisten, kann Triebfeder sein. Im Zeitalter der Technik und der Hektik erinnert der Umgang mit den Bienen an die „gute alte Zeit“, trägt zur Ruhe und Zufriedenheit bei. Und auch ständige neue Herausforderungen der Imkerei können reizen, immer tiefer in dieses vielfältige Hobby einzusteigen.
Die Imkervereine im Kreisgebiet stellen gern Paten beim Aufbau einer Imkerei. Außerdem wird beim Aufbau einer Hobbyimkerei durch das Land Niedersachsen und durch die Europäische Union finanzielle Unterstützung gewährt. Interessierte können mit dem Imkerverein in ihrer Nähe Kontakt aufnehmen: Kreisimkerverein/Imkerverein Holzminden, Armin Blume, Telefon 05532/8302, armin.blume@gmx.de; Imkerverein Bodenwerder, Otto Daus, Telefon 05533/2191, Otto.Daus@online.de; Imkerverein Eschershausen/Stadtoldendorf, Gerhard Scheuermann, Telefon 05534/587, Gerhard.Scheuermann@web.de. (spe)

zurück
nach oben
Täglicher Anzeiger Holzminden

© Täglicher Anzeiger Holzminden