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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Die Menschen kehren zurück in die Dörfer

Die ersten Familien sind in ihre Dörfer im Erdbebengebiet zurückgekehrt.

zurückkehren? Es gibt keine Schule mehr, keinen Arzt, kein Wasser”, sagt Rukhsana, eine Überlebende die sich mit ihrer Familie aus dem zerstörten Dorf in den Bergen in eines der Zeltlager nach Muzzafarabad gerettet hat, der Hauptstadt von Azad Kashmir, Grenzprovinz zu Indien.

Mehr als 80.000 Tote und 3,5 Millionen obdachlose Menschen lautete die Bilanz des Schreckens für Pakistan nach dem Erdbeben vom 8. Oktober vergangenen Jahres. Viele Menschen fanden Aufnahme bei Verwandten und so genannten Gastfamilien, aber noch immer leben hunderttausende in Zeltstädten. An den terrassierten Hängen der Täler und an den Flussläufen tauchen sie bei der Fahrt durch die Erdbebenregion immer wieder auf. Hunderte von weißen Zelten, zumeist geliefert und aufgebaut von den internationalen Hilfsorganisationen, dazwischen immer wieder schimmernd in der Sonne die Wellblechdächer der Notunterkünfte.
„Der Winter war Gott sei Dank mild, hier im Tal gab es kaum Schnee”, sagt Mullah Molana Kadimullah, der ein Lager mit mehr als 300 Menschen in Pattan in Kohistan leitet. Außer den Maltesern, einer Mitgliedsorganisation von Aktion Deutschland Hilft, sind in diesem nördlichsten vom Erdbeben betroffenen Gebiet nur wenige Hilfsorganisationen tätig.
Doch die Lager müssen laut Erlass der Regierung aufgelöst werden. Die Leute sollen zurückkehren in ihre Dörfer, ihre Häuser wieder aufbauen und die Felder bestellen. So haben es die Machthaber in der Hauptstadt Islamabad befohlen. „Wir wollen nicht, dass die Menschen abhängig werden von der Hilfe”, erklärt Major Sahid. Die pakistanische Armee spielt beim Wiederaufbau eine maßgebliche Rolle. Da die lokalen Verwaltungsstrukturen zerstört wurden, gingen die Soldaten in die Dörfer, nahmen die Schäden auf und zahlten auch die ersten Gelder an die Betroffenen aus. So erhält eine Familie für den Verlust eines Kindes oder des Vaters etwas mehr als 1400 Euro.
Um den Menschen den Start in ihren zerstörten Dörfern zu erleichtern, haben die Malteser Material für mehr als 640 Notunterkünfte in die entlegenen Bergdörfer des Pallas Valley fliegen lassen. Volunteers der Partnerorganisationen Partner Aid International (PAI) zeigen den Dorfbewohnern, wie die Hütten aufzubauen sind. „Eigentlich brauchst du nur einen Hammer und einen Schraubenschlüssel”, erklärt der 29-jährige Mark Janousek, ein Zimmermann aus Kanada. In weniger als zwei Stunden können die halbrunden Hütten aus Stahlrohr und Wellblech, die innen mit Canvasstoff ausgekleidet sind, aufgebaut werden. „Die Hütten sind leicht auf- und abbaubar, die Materialien den Leuten bekannt und auch später vielseitig einsetzbar, zum Beispiel als Heustadel auf den Hochweiden”, erklärt Klaus Euler, Projektmanager von Malteser International.
„Wasser größtes Problem für die Überlebenden des Erdbebens”, titelt derweil die englischsprachige Zeitung „Dawn”. Andrea Bindel, Projektkoordinatorin von Arche Nova, einem weiteren Mitglied von Aktion Deutschland Hilft stimmt in vollem Umfang zu. In vielen Teilen der Erdbebenregion wurden die Wasserreservoirs und Leitungen zerstört. Nicht selten müssen vor allem Frauen und Kinder jetzt kilometerweit über steinige und rutschige Pfade zu Gebirgsquellen oder Bachläufen wandern, um Wasser zu holen. „Das ist gefährlich, vor allem, wenn es geregnet hat und viele Kinder gehen deswegen nicht zu Schule”, erklärt die Wasserbauingenieurin aus Dresden. Hinzu kommt, dass viele Quellen versiegen werden, wenn die Schneeschmelze vorbei ist.
Das Wasser wird dann jedoch dringend für den Gemüseanbau und für Kühe und Ziegen benötigt. Fast alle Bergbewohner sind Selbstversorger. Während die meisten großen internationalen Organisationen am Planen sind, hat Arche Nova bereits mit einem umfassenden Programm für acht Dörfer im Jeelum-Valley begonnen. Dabei gründet jedes Dorf ein Wasserkomitee und benennt Verantwortliche, die für die Wartung und Pflege der Wasserleitungen verantwortlich sind. Arche Nova stellt das gesamte Material und schult die Dorfteams. „Das ist fast eine kleine Ausbildung zum Klempner”, sagt Bernd Zschäzsch, 49, Maschinenbauingenieur und gelernter Schlosser. Dem Team von Arche Nova geht es um Nachhaltigkeit. „Die nächsten zwei Generationen soll das halten”, so Projektleiterin Bindel.
Christoph Ernesti stammt aus Eschershausen und leitet das Koordinationsbüro der Aktion Deutschland Hilft in Colombo. Die Hilfsprojekte im pakistanischen Hochland gehören zu den schwierigsten Aufgaben des Gesamthilfsprogramms.

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