
Höxter (29.05.10). Die Cessna 172 hebt sanft von der Rollbahn ab. Das Flugplatzgebäude mit dem Café (und dem sehr leckeren Kuchen) wird immer kleiner. Schnell ist die Maschine auf 1.000 Meter Höhe. Der Ausblick ist umwerfend. Voraus liegt der Köterberg, doch Pilot Dr. Nikolaus Müller macht sich mit einer leichten Rechtskurve auf den Weg nach Holzminden. Schon zwei Minuten später ist der Kreisel bei Allersheim zu sehen, beim Blick zurück kann man den Speicher an der Weser erkennen. „Entfernung ist kein Problem – und alles ohne Stau“, sagt Nikolaus Müller mit einem Lächeln.
Der Mediziner ist Fluglehrer des Fliegerclubs Nethegau am Flugplatz Höxter-Holzminden. Und er ist einer derjenigen, die dem Flugplatz auf dem Räuschenberg neues Leben einhauchen. Wochenlang steht im vergangenen Jahr die Zukunft der Verkehrslandeplatzes in den Sternen. Die Stadt Höxter verlängert nicht mehr den Vertrag mit dem früheren Betreiber und ab Januar steht der Betrieb auf dem Räuschenberg zunächst still. Doch dann treten Andreas Krukemeyer, Jörg Rauscher, Nikolaus Müller, Falko Speerschneider und andere Luftsportfreunde auf den Plan. Sie nutzen den Flugplatz schon seit Jahren für ihre Flugzeuge und Ultraleichtflieger. Und sie wollen eine Möglichkeit finden, Luftsport weiter zu betreiben – und zwar auf dem Flugplatz Höxter-Holzminden.
„Wir haben uns dann überlegt, als Verein die Sache zu machen“, berichtet Andreas Krukemeyer. Als die ersten Gespräche mit der Stadt Höxter positiv verlaufen, geht es Schlag auf Schlag. Am 21. Februar wird mit 45 Mitgliedern der Verein Luftsport Höxter gegründet. Vorsitzender wird Andreas Krukemeyer, sein Stellvertreter ist Jörg Rauscher. „Inzwischen haben wir schon 62 Mitglieder“, berichten die beiden Vorsitzenden nicht ohne Stolz. Der Zweck des Vereins ist klar: Luftsport soll in jeglicher Form gefördert werden, damit Menschen und ganz besonders Jugendliche für den Breitensport Fliegerei und andere Luftsportarten begeistert werden.
Drei Wochen nach der Vereinsgründung wird der Pachtvertrag mit der Stadt Höxter unterschrieben, in dem sich der Verein als Pächter des Verkehrslandeplatzes Höxter-Holzminden für zwölf Jahre verpflichtet. Der Verein investiert jährlich einen fünfstelligen Betrag allein in die Modernisierung des Platzes, die Renovierung der Hangars und den Erhalt von Landebahn und Vorfeldflächen. Aktuell wird das Angebot der Tankstelle am Flugplatz für die Flieger erweitert. „Bald gibt es Super bleifrei, das ist ein Novum in der Region und steigert die Attraktivität des Platzes“, betont Krukemeyer. „Auch den Parkplatz und die Landebahn haben wir schon fertig gemacht. Das war eine Gemeinschaftsaktion des gesamten Vereins, bei dem mehrere Tonnen Schotter verbaut wurden.“
„Wir wollen den Breitensport Luftsport dauerhaft etablieren“, sagt Jörg Rauscher. Und alle arbeiten ehrenamtlich an dieser Aufgabe. „Wir verdienen kein Geld, alles geht in den Erhalt des Platzes oder dient nur der Bezahlung der Sachkosten.“ Selbst die Fluglehrer sind ehrenamtlich dabei. Der Status des Verkehrslandeplatzes erfordert von den Vereinsmitgliedern erhöhten Aufwand, der von ihnen ebenfalls ehrenamtlich geleistet wird. Dienstags bis sonntags ist der Flugplatz geöffnet und der Tower besetzt, so dass Flieger landen und starten können. „Der Verein kümmert sich um die personelle Besetzung“, erklärt Krukemeyer. Langfristig, so erläutert der Vorsitzende, sollen auch Fallschirmspringer, Segelflieger, Modellflieger und Ballonfahrer am Flugplatz ihren Platz haben, damit das Luftsport-Angebot noch vielfältiger wird.
Dankbar sind die Vorstandsmitglieder für das Entgegenkommen und die schnelle und angenehme Zusammenarbeit mit allen Behörden. „Das ging alles fix und problemlos, das war einfach klasse“, freut sich Andreas Krukemeyer. Jeder, der Interesse am Flug- und Luftsport hat, ist bei ihnen herzlich willkommen. Sei es, dass er einfach mal beim Fliegerstammtisch am ersten Mittwoch des Monats im Café am Räuschenberg vorbeischaut, sich vor Ort informiert oder mit den Vereinsmitgliedern Kontakt aufnimmt. Im Internet unter www.flugplatzhoexter.de findet er weitere Informationen.
Am Sonnabend, 12. Juni, und Sonntag, 13. Juni, präsentiert sich der Flugplatz Höxter-Holzminden, beim „Flugtag Höxter“. Dann kann man Flugzeuge, Segelflieger und Ballone in Aktion erleben, selbst mitfliegen oder akrobatische Flugkünste bewundern. „Der Verkehrslandeplatz ist wichtig für die Region Höxter-Holzminden“, nennt Andreas Krukemeyer, der selbst passionierter Ultraleichtflieger ist, seinen Grund für den Einsatz. „Und außerdem ist Luftsport einfach eine herrliche Sache.“ Wenn man über der Weser in der Cessna dahingleitet, kann man diese Begeisterung spüren. Pilot Nikolaus Müller erklärt die vielen Sicherheitsmaßnahmen, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind. Die Zündung des Motors beispielsweise, erfolgt nicht durch das elektrische System der Maschine, sondern hat eine eigene Magnetzündung. „Selbst wenn der Strom ausfällt, läuft der Motor weiter“, so Müller. Und falls der Motor seinen Geist aufgibt, wird die Cessna zum Segelflieger. „Aus 1.000 Metern Höhe gleiten wir sanft herab und landen dann in zwölf Kilometern.“
Doch all diese Vorsichtsmaßnahmen kommen bei diesem Rundflug nicht zum Tragen. Nach einem Abstecher über Beverungen, Corvey und Fürstenberg sowie einem ruckeligen Flug durch eine kleine Regenfront geht es wieder zurück zum Flugplatz Höxter-Holzminden. „Wenn wir den Köterberg sehen, sind wir zu Hause“, nennt Nikolaus Müller den Standardsatz der Höxteraner Flieger. „Das ist immer ein schönes Gefühl.“ Am Ende bleibt die Erinnerung an einmalige Bilder aus 1.000 Metern Höhe und die Gewissheit, dass Luftsport ein Angebot ist, das einfach begeistert. Und es bleibt der Eindruck von engagierten Vereinsmitgliedern, die mit dem Flugplatz in neue Höhen durchstarten werden. (fhm)

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