Holenberg. Patrick Schiermeister hat mit seinen 20 Jahren schon erreicht, wovon viele Jugendliche im Kreis Holzminden nur träumen: Er spielt bei Hannover 96 II. Sein Ziel ist natürlich, bei den Profis zu spielen, denen er schon einmal im Trainingslager über die Schulter schauen
durfte. Und wenn seine anstehende Knie-Operation positiv verläuft, wird er Training für Training seinem Traum näher kommen. Angefangen hat seine Karriere beim TSV Lenne, da war Patrick vier Jahre alt. „Eigentlich wollte ich gar kein Fußball spielen“, erinnert sich der Holenberger, aber sein Vater habe damals selber dort gespielt und ihn einfach mal mitgenommen. In der C-Jugend nahm Patrick dann bei einem Trainingslager in Kirchbrak teil, bei dem ihn dann ein Talentsucher aus Hannover entdeckte. Nach einer Woche Probetraining stand schnell fest: Der Junge aus dem Kreis Holzminden muss bleiben. Von da an hieß es für den damals 13-Jährigen: Dreimal die Woche zum Training nach Hannover. „Ohne meine Eltern und Verwandten wäre das niemals möglich gewesen“.
Seitdem klettert Patrick stetig die Karriereleiter rauf. In der Oberliga angekommen, haben die Amateure sechsmal in der Woche Training, an einem Tag sogar zweimal und an einen Tag Punktspiel. „Nur einen Tag in der Woche frei zu haben ist schon hart“, erzählt der 20-Jährige, der noch daheim in Holenberg bei seinen Eltern wohnt. Das Freiwillige Soziale Jahr, das er bis August dieses Jahres beim Verein Hannover 96 absolviert, zwingt ihn allerdings zu mehr Anwesenheit in der Landeshauptstadt. „Ich habe mittlerweile eigentlich drei Wohnsitze“, lacht Patrick. Bei seinen Verwandten in Hannover bleibt er mindestens zwei Nächte pro Woche, doch seine Freundin, die auch in Holenberg wohnt, zieht ihn halt doch zurück nach Haus.
Sein Ziel ist es natürlich, über kurz oder lang bei den Profis anzukommen. Einen Job bräuchte Patrick dann nicht mehr, die Zeit für eine Ausbildung ist schon jetzt rar. „Die Trainingszeiten lassen sich schwer mit normalen Arbeitszeiten vereinbaren“, denkt der 20-Jährige an seine Zukunft, falls sein Profi-Fußballer-Traum irgendwann platzt. Eine Ausbildung hat er noch nicht, Angebote hätte er allerdings genug. „Ich könnte eine Klasse tiefer spielen und nebenbei meine Ausbildung machen, doch das ist eigentlich nicht mein Ziel“, strebt der Holenberger weiter nach oben.
Erst einmal muss Patrick Schiermeister die anstehende Knie-Operation abwarten. Wenn es gut läuft, könnte er nach sechs Wochen Genesung wieder starten, ansonsten muss sich der Holenberger bis zu einem halben Jahr vom Fußball verabschieden. „In diesem Fall wird Hannover 96 eventuell den Vertrag nicht verlängern“.
Dabei ist Patrick seinem Traum schon so nahe. Als Amateurspieler hatte er im vergangenen Jahr das Glück, beim Trainingslager der Profis in Bad Pyrmont dabei zu sein und mit zu trainieren. „Plötzlich rief mich Peter Neururer, der damalige 96-Cheftrainer, an und sagte, ich könne dabei sein“, erinnert sich Patrick. Acht Tage lang schwitzte er mit den ganz Großen. „Sie sind alle sehr nett und helfen einem, man muss sich aber anpassen, die lassen sich nichts gefallen und man kriegt nichts geschenkt. Da merkt man dann doch wieder den Abstand zwischen Oberliga und Profibereich“, erklärt Patrick.
Sein Ziel ist es nun, die Knie-OP gut zu meistern und danach schnellstmöglich wieder einzusteigen, um der Profiliga und seinem Traum Schritt für Schritt näher zu kommen. „Einmal habe ich einen Fan mit einem Trikot gesehen, auf dem mein Name stand. Das war das schönste Gefühl überhaupt.“ (Carmen Pförtner)







