Hildesheim (29.01.2011). Nicht nur Menschen verfügen über Kultur, Geschichte und Kunst. Neben der „Krone der Schöpfung“ gibt es ein zweites Lebewesen, das die Welt beherrscht – die Ente. Das muss man zumindest glauben, wenn man die aktuelle Sonderausstellung „Duckomenta“ im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum besucht. Denn dort begegnen einem Dötzi, der in den Alpen erfror, die Skulptur der Venus von Villenduck und der Sarkophag des Duckamuns. Alles Bilder und Artefakte von Enten, nicht von Menschen.
5.000 Jahre Kultur- und Entengeschichte werden in Hildesheim auf 600 Quadratmetern präsentiert. Die Stationen sind vielfältig. Man betrachtet Wikinger-Enten und Hooli-Gänse beim Entern, trifft den Enten-meister des Minnegesangs Walter von der Entenweide und erlebt Meisterwerke der Malerei von Leonardo da Vinci und Rembrandt, die sich wie viele andere Künstler ebenfalls von Enten inspirieren ließen. Selbst in der Gegenwart haben die Enten, so erscheint es zumindest in Hildesheim, ihren bleibenden Eindruck hinterlassen. Als „Blaue Ente“ im Film, Che Duckevara im Befreiungskampf der Dritten Welt oder als Kaiserin Sissi werden sie dargestellt.
Obwohl man es manchmal glauben möchte, geben diese Bilder und Skulpturen doch nicht die Wirklichkeit wider. Spätestens seit Walt Disney die weltbekannte Comic-Figur Donald Duck in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schuf, sind Enten mehr als ein Geflügel. Donald Duck ist an der Seite von Micky Maus zum Weltstar aufgestiegen. Die quirlige Ente, der fast nichts gelingt, kennt inzwischen fast jeder. Vor 30 Jahren hatte der Braunschweiger Kunstsoziologieprofessor Eckhart Bauer die Idee, das Walt-Disney-Universum mit Donald Duck im Zentrum als Basis für die Darstellung der Kulturgeschichte der Menschheit zu nehmen. Auf einer Comic-Ausstellung in Erlangen (1986) stellte er erstmals bekannte Kunstwerke in Enten-Darstellung vor. Damit begann eine Erfolgsgeschichte. Bauer fand mit Anke Doepner, Professor Volker Schönwart, Rüdiger Stanko und Ommo Wille weitere Mitstreiter, mit denen er die Künstlergruppe „Interduck“ gründete und weitere Kunstwerke im Enten- oder Duck-Stil schuf. Inzwischen ist die Zahl der Exponate so groß geworden, dass daraus eine Wanderausstellung zusammengestellt wurde. Insgesamt 400 Werke sind inzwischen entstanden. Die „Duckomenta“, so nennt sich diese Schau, war schon an zahlreichen Orten in Europa und Deutschland zu sehen, darunter in Rotterdam und Wien. Jetzt gastiert sie in Hildesheim. Wer die Disney-Comics mit den Ducks liebt, wird in der Ausstellung einen herrlichen Spaß mit seinen Lieblingen erleben. Diejenigen, die bislang keinen Zugang zu Comics und kleinen Bildergeschichten hatten, können einen Eintritt in diese Welt erhalten, der dem möglichen Anspruch eines „Bildungsbürgertums“ mehr als gerecht wird. Der besondere Zauber der „Duckomenta“ besteht darin, dass nur die Kenntnisse der eigenen Geschichte und Kunst den kompletten Genuss dieser wunderbaren Ausstellung möglich machen.
Informationen über die Ausstellung gibt es im Internet unter der Adresse www.duckomenta-ausstellung.de. Die Schau ist noch bis zum 1. Mai im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim zu sehen. Geöffnet hat das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Weil die „Duckomenta“ in Hildesheim zu sehen ist, findet dort auch der 34. Kongress von D.O.N.A.L.D. statt. Die „Deutsche Organisation der nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus“ tagt am 26. März in Hildesheim, um die neusten Forschungsergebnisse aus Entenhausen, der Heimat der Ducks, vorzustellen. Eingeladen zu dem Kongress in Hildesheim hat H.I.L.D.E, der Hildesheimer Immentanz Lauterer Donaldistischer Emporkömmlinge. Vom 1. März bis 1. Mai wird zusätzlich die Ausstellung „Dem Ingenieur ist nichts zu schwör! – Die Erfindungen des Daniel Düsentrieb“ im Roemer- und Pelizaeusmuseum gezeigt. Dort sind Nachbauten der Erfindungen Düsentriebs zu sehen, die nach Vorlagen der Walt-Disney-Comics im westfälischen Künstlerdorf Schöppingen von Schülern der Kardinal-von-Galen-Schule realisiert wurden – darunter solch Geniales wie das Stiefelfahrrad, der Luftroller und Düsentriebs Assistent Helferlein. (fhm)

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