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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Eine eigene, wohnliche Welt

Stadtoldendorf (30.07.05). Einen eigenen Wohnbereich für Demenz-Kranke hat neuerdings die Stadtoldendorfer Seniorenresidenz „Unter der Homburg“ eingerichtet. Im Unterschied zu Holzminden handelt es sich hierbei nicht um eine geschlossene Station. „Wir haben die Dementen, die bisher im Haus verteilt wohnten, zusammengebracht“, erklärt Heimleiterin Monika Ostholthoff.

Mit sehr großem Aufwand hat man den Wohnbereich hergerichtet, so dass sich die Patienten hier wohlfühlen. Alle Wände in den Fluren und Aufenthaltsbereichen sind aufwändig bemalt. Im Essensraum gibt es ein tolles Weserpanorama mit Blick auf die Poller Burg. Und der (immer noch funktionsfähige) Notausgang hat sich zu einem hübschen Fenster mit Blick auf eine Blumenlandschaft verwandelt, einschließlich Bruchsteinmauer. Vorteil für Personal und Bewohner: Die Tür wird von den Demenz-Kranken nicht mehr als Tür wahrgenommen. Niemand versucht mehr, sie zu öffnen.
Den gleichen Effekt nutzt man für den Haupteingang zum Demenz-Bereich. Von innen sieht er aus wie ein großes Bücherregal mit gemütlicher Leseecke. Der Sessel - im Stil der frühen 50er Jahre - ist echt und lädt zum Verweilen ein. Das Bücherbord ist nur Fassade, und die Tür darin kaum zu erkennen. So leben die Demenz-Kranken in ihrer eigenen Welt, die eigens für ihre Bedürfnisse geschaffen wurde. „Viele Bewohner sind geistig in ein Alter zwischen 20 und 30 Jahren zurückgefallen“, erklärt Heimleiterin Monika Ostholthoff. Entsprechend hat man den Wohnbereich mit Möbeln bestück, wie sie vor 50 Jahren üblich waren. „Alte Schränke aus dieser Zeit sind heute nur noch schwer zu bekommen.“ Mit viel Liebe zum Detail hat man die Inneneinrichtung umgesetzt. Das reicht bis zu den Schwarz-Weiß-Fotos im Flur. Sie zeigen alte Film-Motive mit Romy Schneider, Karlheinz Böhm oder Theo Lingen. „Wir wollen noch alte Kino-Sessel dazustellen.“ So wirkt der ganze Dementenbereich der Stadtoldendorfer Seniorenresidenz, der mit 22 Bewohnern fast voll belegt ist, durchaus wohnlich.
Es gibt auch eine spezielle „Haus-Un-Ordnung“, allerdings nicht für die Patienten, sondern für Angehörige und Besucher. „Hier darf jeder sein Päckchen tragen, denn unsere Bewohner sind fleißig und räumen gern“, heißt es zum Beispiel unter Punkt Zwei. Und: „Alles darf angefasst, hin und her gestellt werden.“
„Es geht darum, die Welt der Erkrankten zu verstehen“, erklärt Monika Ostholthoff. „Für Außenstehende ist es sehr schwierig, die Sichtweise der Demenz-Kranken nachzuvollziehen“. Vor allem für die engsten Angehörigen ist es hart, mitzuerleben, wie sich das Verhalten ihre Liebsten verändert, „wenn sich das frühere Ich davon schleicht“, wie es die Leiterin formuliert. Ihr wichtigster Rat für das Verhalten der Angehörigen: „Akzeptieren Sie die Krankheit, vermeiden Sie Diskussionen oder Vorwürfe.“ Und: Loben bringt mehr als Kritisieren, Berührungen und Lächeln können positive Reaktionen auslösen. Denn darum geht es schließlich in dem Dementen-Bereich in Stadtoldendorf: Die Patienten sollen sich gut aufgehoben und beschützt fühlen (nig).

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Täglicher Anzeiger Holzminden

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