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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Ein fast vergessener Künstler aus Holzminden

Mit treffendem Realismus malt Dolhart die Winterlandschaft bei Holzminden.

Fürstenberg (28.10.06). Sein letztes Bild bleibt unvollendet. Es sollten noch Angler ans Ufer gestellt werden. Doch Oskar Dolhart konnte sein Werk nicht zu Ende bringen. Der Grafiker und Maler aus Holzminden stirbt vor dem letzten Pinselstrich. Das Motiv des letzten Bildes ist das Motiv seines Künstlerlebens: der Weserblick von Holzminden nach Höxter. Immer wieder hat Oskar Dolhart diesen Blick festgehalten, in Öl, als Aquarell oder Zeichnung. 1945 kommt Oskar Dolhart nach Holzminden. Der Krieg verschlägt den 1907 in Gelsenkirchen geborenen Mann ins Weserbergland. Zunächst schlug der junge Dolhart die kaufmännische Laufbahn ein, machte eine Lehre in Kiel. Er kam bei seiner Arbeit mit Grafik und Kunst in Berührung, ein Erlebnis, das sein Leben veränderte. Von 1930 bis 1933 studierteer in Hamburg und Kiel an den Werkkunstschulen. Nach seinem Studium arbeitet Dolhart aus freiberuflicher Grafiker. Ab 1939 ist er im Reichsluftfahrtministerium tätig, 1941 bis 1943 arbeitet er als Illustrator für die Zeitschrift „Die Seeflieger der deutschen Luftwaffe”. Zum Schluss leistet Dolhart, der seit 1936 in Berlin lebt, Kriegsdienst in der Luftwaffe.
Mitte der 30er Jahre beginnt der junge Grafiker, eigene künstlerische Werke außerhalb seiner Arbeit zu schaffen. Das Meer, Wasser in seiner gewaltigen Kraft, fasziniert Oskar Dolhart, der mit seinem schnellen Strich immer den Kern der Sache trifft. Aus dieser Zeit gibt es nicht mehr viele Werke des Künstlers. Eine Fliegerbombe trifft seine Wohnung. Am Ende des Krieges verschlägt es den Ausgebombten ins Weserbergland. Am 6. Juni 1945 kommt er in Bevern an. Später lässt er sich in Holzminden nieder.
In dieser Zeit beginnt seine neue Leidenschaft. Das Weserbergland, die hügelige Landschaft, die Weser und der Blick auf die Berge faszinieren Oskar Dolhart. Und ganz besonders ein Motiv lässt ihn nicht los. Der Blick von Holzminden nach Höxter wird von ihm immer wieder festgehalten, zu verschiedenen Tageszeiten, aus verschiedenen Blickwinkeln. Besonders die Aquarelltechnik hat es Dolhart angetan.
Der Neu-Holzmindener macht sich schnell einen Namen als Werbegrafiker und Buchillustrator. Als Freiberufler gestaltet er für Schleicher & Schüll in Einbeck und die Hahnemühle in Dassel Schreibpapiere, ist für Heimbskaffee und Grundig tätig. Grundig will den Grafiker fest an sich binden, macht ihn 1961 zum Leiter der grafischen Abteilung in Fürth. Doch Dolhart verlässt nach drei Jahren das Traditionsunternehmen. Er will keine feste berufliche Bindung eingehen. Als freier Grafiker ist er bundesweit anerkannt. In Holzminden schafft er das bekannte Logo für Haarmann & Reimer, den an der Blüte saugenden Kolibri. Er findet sich auch heute im neuen Logo von Symrise nach der Fusion zwischen Haarmann & Reimer und Dragoco wieder.
In Holzminden entwickelt sich in den 50er Jahren eine rege Kunst- und Kulturszene. Rudolf Jahns und Professor Kurt Rosner gehören zu dem Kreis, in dem auch Oskar Dolhart sich bewegt. In der Szenekneipe „Die Variante” treffen sich die Künstler, feiern zusammen und lauschen den Lesungen bekannter Gäste. Heinrich Böll und Werner Bergengruen kommen nach Holzminden, um in der „Variante” zu lesen. Oskar Dolhart ist immer dabei, hält diese Szene mit schneller Hand im Gästebuch der Szenekneipe fest.
Später zieht es Dolhart in den Süden. Italien und Spanien üben eine magische Anziehungskraft auf den Künstler aus. Neben seinen Wesermotiven nehmen Ansichten vom Gardasee oder Gran Canaria einen neuen Schwerpunkt in seinem Schaffen ein.
Aber immer wieder ist es die Weser, für die Oskar Dolhart seine Staffelei aufstellt. Der Blick von Holzminden nach Höxter ist Dolharts Motiv.
Als er 1982 stirbt, findet sich auf seiner Staffelei ein unvollendetes Bild: der Blick von Holzminden nach Höxter.
Diese Staffelei mit dem letzten Werk ist zurzeit im Museum im Schloss Fürstenberg zu sehen. Die Porzellanmanufaktur Fürstenberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Andenken an diesen Künstler wieder zu beleben. Zuletzt war vor sechs Jahren eine Auswahl von Dolharts Werken in Bevern zu sehen. Die Ausstellung in Fürstenberg zeigt bis zum 22. April 2007 Werke aus Oskar Dolharts aus den 50er und 60er Jahren. Sie stammen aus dem Nachlass und aus Privatbesitz (fhm).

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Täglicher Anzeiger Holzminden

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