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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Ein Jahr lang Fisch und Reis

Eine Frau sammelt Muscheln, die auf den Mangrovenstämmen wachsen.

(15.08.09) Häuser, die auf Stelzen im Wasser stehen, und Fischerboote, die die schmalen Wasserwege durch die Mangrovenwälder passieren, sehe ich oft. Wenn wir per Boot zu dem Fischerdorf Koh Kapi fuhren, war es, als würde ich eine andere Welt betreten. Die kleinen Häuser, die überwiegend aus Holz und Beton gebaut sind, stehen dicht beieinander. Die Wege innerhalb des Dorfes sind aus Beton, die letzten Häuser kann man nur über schmale Pfade erreichen. In der Trockenzeit steigt der Wasserspiegel und überflutet die Wege. In der Mitte des Dorfes stehen die Häuser das ganze Jahr über im Wasser, weshalb Wege aus Brettern – die teilweise morsch sind und lose übereinander liegen – die Hütten miteinander verbinden. Meistens haben die kleinen Hütten Blechdächer und nur ein oder zwei größere Räume, in denen eine Familie lebt.
Ich bin 20 Jahre alt und komme ursprünglich aus Hessen. Als ich noch in den Kindergarten ging, zogen wir nach Holzminden. Dort besuchte ich erst die Realschule, danach das Fachgymnasium, wo ich das Abitur im Schwerpunkt „Gesundheit und Soziales“ machte. Ich habe ein großes Interesse an anderen Kulturen, weshalb ich viele Brieffreunde aus aller Welt habe, und an der sozialen Arbeit. Nach Kambodscha ging ich, weil mir die Projektbeschreibung zusagte und mich Asien sehr interessiert.
Zwölf Monate arbeitete ich dort mit der lokalen Nicht-Regierungs-Organisation „Save Cambodia’s Wildlife“ (SCW) in der Provinz Koh Kong, im Südwesten Kambodschas. Nach dem Abitur wollte ich mich sozial engagieren und einen Einblick in einen anderen Kulturkreis erhalten, weshalb ich mich dazu entschloss, ins Ausland zu gehen. Ich nahm an dem Projekt „weltwärts“ der Bundesregierung teil, die einen Großteil der Kosten finanziert. Den Rest der Kosten bezahlte der Deutsche Entwicklungsdienst (DED), der mich nach Kambodscha entsandt und auf den Freiwilligendienst vorbereitet hatte.
Manchmal fuhr ich mit meinen Kollegen zu den Inseln, um die Kommunen, denen wir helfen wollten, zu besuchen. Die Menschen, mit denen wir arbeiteten, sind von den natürlichen Ressourcen abhängig, also vom Meer und vom Fischfang. Sie leben überwiegend von der Muschel- und Krabbenzucht sowie vom Fischen. SCW hat drei Bereiche, in denen die Kommunen unterstützt werden: Das Managen der natürlichen Ressourcen, das Erschließen des lokalen Marktes und die Kapazitätsstärkung der Kommunen (mehr Einfluss und Entscheidungsrecht bezüglich der Behörden). Um dies zu erreichen, gaben wir Trainings, besuchten die Kommunen, veranstalteten Treffen der Kommunen mit dem Kommunerat und den Behörden, und unterstützten die Kommunen finanziell. Das Geld, das von einem internationalen Donor kommt, wird beispielsweise für Trinkwasserbehälter und eine Abfallentsorgung verwendet. Natürlich muss man die Kommunen stark anleiten und ihnen bewusst machen, dass sie das Geld nicht anders verwenden dürfen. So müssen die Kommunen das Budget und ihre Aktivitäten selber planen, was nur unter Anleitung möglich ist.
Oft verwenden sie illegale Methoden, um mehr Fisch zu fangen, da sie sehr arm sind. Ein kleines Boot kostet 300 Dollar, ein großes 1.000 Dollar – eine oft unaufbringbare Geldsumme. Auf den Inseln gibt es lediglich eine Hebamme und eine Grundschule – auf einer Insel wurde sie geschlossen, da die Lehrer von ihrem Beruf nicht leben konnten und durch andere Tätigkeiten Geld verdienen. Oft ist die Trinkwasserversorgung auf den Inseln sehr schlecht, Wasser muss für viel Geld aufgekauft werden. Ich arbeitete mit fünf Kollegen im Büro – eine Frau, die vor fünf Monaten ein Baby zur Welt brachte, war darunter. Ihr Bruder lebt mit ihr in einem kleinen Zimmer und kümmert sich während der Arbeitszeiten um das Kind. Gearbeitet wird länger als in Deutschland – anstehende Arbeit wird erledigt, oft auch am Abend und an Wochenenden. Die Arbeit, die ich verrichtete, war hauptsächlich Computerarbeit, wie das Ausfüllen von Formularen, Erstellen von Grafiken und die Finanzklärung.
In diesen zwölf Monaten habe ich viel gelernt, bin ich teilweise an meine Grenzen gebracht worden und habe viele wertvolle Erfahrungen sammeln dürfen. Bereut habe ich den Schritt, ins Ausland zu gehen, nicht.Auch wenn es nicht immer einfach war, in einem anderen Kontinent zu leben. Oft war Gelassenheit gefragt, wenn etwas nicht so lief, wie es sich der gerne planende Europäer vorstellt.
Jeden Tag fiel mir auf, dass die Menschen hier freundlicher und offener als in Deutschland sind. Wenn ich auf den Markt ging, lächelten mich viele Menschen an. Oft riefen mir die Kinder „hello barang“ zu, was „Hallo Ausländer“ bedeutet. Die meisten Kambodschaner zeigten auf meine weiße Haut und sagten „s’ad“, was „schön“ bedeutet. Wenn ich ein paar Sätze in der Landessprache Khmei sagte, freuten sie sich sehr.
Dem Ende des Freiwilligendienstes habe ich mit etwas Bedauern entgegen gesehen, freute mich aber schon auf meine Familie und gutes, europäisches Essen. In Deutschland habe ich jetzt vor, mich stärker für soziale Belange einzusetzen und bin mir sicher, dass mich meine Wege später wieder nach Kambodscha führen werden. (Birte Liebau)

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