Weserbergland (17.07.04). Der beliebteste deutsche Radwanderweg schlängelt sich, zumeist am Ufer der Weser entlang, durch den Landkreis Holzminden. Radwanderer müssen nicht „auf der Durchreise sein“, um den Reiz der Landschaft und den Spaß im Sattel zu genießen. Der Weserradweg bietet auch für Weserbergländer vielerlei Eindrücke, neue Perspektiven abseits sonst befahrener Straßen und ein Stück Urlaub direkt vor der Haustür. Besonders Familien mit Kindern - egal welchen Alters - sind gut beraten, einige Kilometer, vielleicht ein Wochenende lang, Kurzurlaub per pedes einzulegen. Auf dem Weserradweg sind sie in guter und gut gelaunter Gesellschaft - wie der „Selbstversuch“ zweier Familien belegt.
Der Weserradweg ist 500 Kilometer lang und zieht sich von Hann.-Münden bis Bremerhaven. Er erlaubt familienfreundliches Radeln (nicht immer unmittelbar) entlang der Weser auf größtenteils flacher und asphaltierter Strecke. Allerdings kann es gerade im Weserbergland auch schon einmal ein wenig hügelig werden, so zum Beispiel auf dem reizvollen Streckenabschnitt von Forst, an Reileifzen vorbei bis Dölme. Der Weserradweg ist durchgängig in beide Richtungen gut ausgeschildert und verläuft zwischen Holzminden und Bodenwerder sogar beidseitig der Weser, zwischen Stahle und Heinsen direkt am „östlichsten Winkel Westfalens“ vorbei. Verlauf und Ausstattung haben den Weserradweg zum beliebtesten Radfernweg Deutschlands gemacht (zum vierten Mal hintereinander) und laut Stiftung Warentest auch zum besten.
Mit den leichten, sehr vielseitigen Chariot-Fahrradanhängern geht es los. „Gebettet“ in den aus dem Auto bekannten Babyschalen, fühlen sich Aika (zehn Monate) und Linus (fünf Monate) wohl in ihrem „rollenden Zuhause“. Das Hängerschaukeln beruhigt und lässt Sohn und Tochter bald einschlummern.
Wieder wach, genießen sie strahlend die Weserbergland-Fahrt durch die UV-Strahlen-geschützten Fenster. Im Anhänger ist auch noch Platz für eine Decke, Thermosflasche, die Picknick- und Wickelutensilien.
Hier auf Deutschlands Radweg Nummer 1 fehlt es im Landkreis Holzminden an nichts. Selbst „Dein Freund und Helfer“ fährt Patrouille und steht den Ausflüglern mit Rat und Tat zur Seite. Man trifft sich auf der Weserfähre Polle und kommt ins Gespräch: Acht Kollegen der Polzei Holzminden wechseln sich auf zwei sportlichen Dienst-Trekkingrädern ab, und das nicht nur am Wochenende, sondern auch in der Woche sind sie zwischen Lüchtringen und Bodenwerder unterwegs und haben immer ein offenes Ohr für Touristen als auch einheimische Radfreunde. Fährmeister Winter hat noch ein paar Tipps für die kommenden Stunden parat.
Gut ausgestattet lässt es sich bequem und ohne große Anstrengung am meist flachen Weserradweg entlang radeln, so dass auch jeder einen Ausflug arrangieren kann. Rastplätze (zum Stillen), Bänke und Tische gibt es reichlich entlang des Weges, ein Bett in den Weserwiesen ist besonders romantisch. Wer es etwas bequemer und mit Service will, macht Station. Cafés und Gasthäuser gibt es viele. Urige Atmosphäre versprüht zum Beispiel die Tonenburg bei Albaxen. In Holzminden lädt der Wochenmarkt (immer mittwochs und sonnabends) zum Auffrischen des gesunden Reiseproviants. Besonders praktisch beim Abstecher in die Stadt: Mit wenigen Handgriffen sind die Fahrradanhänger zur citytauglichen Schiebekarre mit Buggyrädern umgerüstet.
Unterwegs begegnen den Radlern nette Leute, die ebenfalls die Betätigung im Sattel und frische Luft lieben. Und man sollte nicht glauben, wo die alle herkommen…
Sollte der Rückweg schließlich doch zu weit oder zu anstrengend sein, kann man mit dem Schiff zurückfahren. Dann heißt es „Leinen los“ mit der „Flotte Weser“ in Bodenwerder, Polle oder Höxter, und die Passagiere können in gemächlichem Tempo die Aussicht aufs Weserbergland auch vom Wasser aus genießen (spe).