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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Ein wichtiger Wendepunkt der Geschichte wird dreimal präsentiert

Das Schwert des Tiberius (oben) und die Toga-Statue des Kaisers Augustus (links) werden in der Ausstellung in Haltern gezeigt. Fotos: Jochen Hähnel/Museo Nazionale Romano in Rom

(22.08.09) Was wäre wenn? Diese Frage stellen sich Historiker eigentlich nicht. Doch beim Jubiläum „2.000 Jahre Schlacht im Teutoburger Wald“ muss man diese Frage stellen. Was wäre, wenn die Römer gewonnen hätten und Germanien für Jahrhunderte römische Provinz gewesen wäre? Unsere Sprache, unsere Geschichte, alles hätte sich wahrscheinlich komplett anders entwickelt. Für uns Deutsche ist die Schlacht im Teutoburger Wald ein extremer Wendepunkt. 2.000 Jahre nach der Varusschlacht, wie die Schlacht zwischen den Germanen unter Führung des Cheruskerfürsten Arminius und den Römern mit ihrem Statthalter Varus auch genannt wird, erinnert eine dreigeteilte Ausstellung an dieses weltgeschichtliche Ereignis.
„Imperium Konflikt Mythos“ nennt sich das Ausstellungsprojekt, das in Haltern, Kalkriese und Detmold für zwölf Millionen Euro errichtet wurde. Bis zum 25. Oktober wird – thematisch unterteilt – die Varusschlacht mit ihren Auswirkungen und Hintergründen in einer mehr als gelungenen Inszenierung dargestellt. Im LWL-Römermuseum Haltern steht die Ausstellung unter dem Leitmotiv „Imperium“. Die Geschichte Roms vom Dorf auf den sieben Hügel bis zur Weltmacht unter Herrschafts des Kaisers Augustus steht dort im Mittelpunkt. Auch die Lebensgeschichte des Varus wird beleuchtet. Besonders beeindruckend ist ein sechs Meter hoher, goldfarben ausgeschlagener Raum, in dem Statuen und Kunstwerke der Römer vom hohen Niveau dieser einmaligen Kultur berichten. Ebenfalls faszinierend ist in Haltern, dass man Varus von einer völlig neuen Seite kennengelernt. War bisher in den Geschichtsbüchern zu lesen, dass Varus ein harter, geldgieriger, primitiver Statthalter Roms gewesen sein soll, lernt man ihn in der Ausstellung von einer völlig neuen Seite kennen. Varus entstammte einer hochrangigen Adelsfamilie, hatte sich als Soldat und Offizier in mehreren Feldzügen bewährt und war sogar zum Konsul gewählt worden. Er hatte sich schnell den Ruf eines Krisenmanagers erarbeitet, weshalb man ihn in die „Problemprovinzen“ Roms schickte. Eine dieser Provinzen war Germanien. Varus wurde zum Statthalter ernannt und übernahm in Haltern, dem bedeutendsten Militärlager der Römer in Germanien, den Befehl über die 17., 18. und 19. Legion.
Hier setzt der zweite Ort der Ausstellung ein. Im Museum und Park Kalkriese in der Nähe von Osnabrück lautet das Thema „Konflikt“. Ausgehend von der Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus wird in Kalkriese der Konflikt zwischen Römern und Germanen über fünf Jahrhunderte hinweg beleuchtet. Archäologische Funde des möglichen Schlachtortes Kalkriese sowie Exponate aus ganz Europa beschreiben die Konflikte zwischen den Völkern und stellen die herausragende Rolle der Germanen für den Untergang des Römischen Reiches dar. Überreste erschlagener Römer sind ebenso zu sehen wie die Ergebnisse von germanischen Raubzügen. Auch die jüngsten Funde am Harzhorn 20 Kilometer südöstlich von Eimen sind in der Ausstellung berücksichtigt. Wer Kalkriese besucht, bekommt auch einen Eindruck davon, wie Römer und Germanen damals ausgesehen, gelebt und gekämpft haben. Natürlich ist Kalkriese als möglicher Ort der Schlacht im Teutoburger Wald ein gewichtiges Thema.
Mit dem dritten Ausstellungsteil „Mythos“ in Detmold werden die Auswirkungen der Schlacht und die Ansicht über Germanen und Römer im Verlauf der Jahrhunderte dargestellt. Im Lippischen Landesmuseum werden zunächst unter dem Stichwort „Mythos und Wahrheit“ die gegenseitigen Vorstellungen von Römern und Germanen aus der Antike vorgestellt. Die Detmolder Ausstellung macht deutlich, wie aus Arminius der deutsche Nationalheld Hermann der Cherusker wurde. Und ebenso deutlich wird, dass erst die Wiederentdeckung der Schriften von Tacitus im Kloster Corvey für die Wiederentdeckung von Arminius und der Varusschlacht  sorgte. Gezeigt wird, dass sich in der Person des Arminius in den vergangenen fünf Jahrhunderten immer wieder die nationalen und politischen Sehnsüchte der Deutschen kristallisiert haben. Auch die Darstellung des Missbrauchs durch die Nazis ist ein sehr wichtiger Teil der Ausstellung.
Es ist eine einmalige Idee, dieses weltgeschichtliche Ereignis der Varusschlacht an drei verschiedenen Orten des Geschehens darzustellen. Den Machern der Ausstellung ist eine geniale Inszenierung der Geschichte gelungen, die für alle Alters- und Bildungsstufen bestens geeignet ist. Die Frage „Was wäre wenn“ wird in der Ausstellung nicht beantwortet, aber man bekommt einen starken Eindruck davon, wie sehr Römer und Germanen sich gegenseitig beeinflusst haben. Und man erkennt, dass ein anderer Ausgang der Schlacht die komplette Geschichte Deutschlands und Europas verändert hätte. Erschienen ist dazu im Theiss-Verlag ein dreibändiger Ausstellungskatalog unter dem Titel „Imperium Konflikt Mythos“, der für das Thema Römer und Germanen das derzeit aktuellste und beste Werk darstellt – eine Mischung aus reich bebildertem Geschichtsbuch und aktuellem Forschungsbericht (inklusive der Harzhorn-Ausgrabung). Die Ausstellungen „Imperium“ in Haltern und „Mythos“ in Detmold sind dienstags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, sonnabends von 10 bis 20 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Ausstellung „Konflikt“ im Museum und Park Kalkriese ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, sonnabends bis 20 Uhr. Weitere Informationen  gibt es im Internet unter der Adresse  www.imperium-konflikt-mythos.de. (fhm)

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