Holzminden (09.06.01). Zwei Nachbarkreise, zwei Bundesländer, dazwischen die Weser, die nicht nur trennt, sondern auch verbindet, wie die beiden Kreis-Chefs, Holzmindens Oberkreisdirektor Klaus-Volker Kempa und Höxters Landrat Hubertus Backhaus im Gespräch mit der TAH-Redaktion herausstellen.
Die Kreise Holzminden und Höxter arbeiten demnach in vielen Bereichen eng zusammen, pflegen den "kurzen Dienstweg". Es gibt länderübergreifende Kooperationen, zum Beispiel beim gemeinsamen Weiterbildungszentrum der Hochschulen (Backhaus: "Wir werden zu getroffenen Zusagen stehen") oder der Wirtschaftsakademie der Volkshochschulen Holzminden und Höxter, beide Kreise sind Gesellschafter des Technologie- und Gründer-
zentrums (UmTec) und der OWD. Und doch es gibt nichts, was nicht noch verbesserungsfähig wäre: "Es ist mal wieder Zeit für grenzüberschreitende Planungen", stellen Oberkreisdirektor und Landrat fest.
Trotz aller gemeinsamer Ziele: Hindernisse für eine engere Zusammenarbeit werden durch die Landesgrenzen gesetzt. Ein gemeinsames regionales Entwicklungskonzept wie mit Hameln und Schaumburg wäre für Holzminden mit dem Kreis Höxter nicht möglich. "Für uns ist der Kreis Höxter einer von vier Nachbarn. Wir pflegen eine gute Nachbarschaft, die gekennzeichnet ist durch die Sichtweite der Kreisstädte und daher intensiv ist", so Oberkreisdirektor Kempa.
Wo es Berührungspunkte mit dem Kreis Höxter gebe, funktioniere die Zusammenarbeit. Hubertus Backhaus stimmt seinem Amtskollegen zu. "Die jeweiligen Sachbearbeiter auf beiden Seiten der Weser kennen sich persönlich, und auch wir pflegen einen regelmäßigen Kontakt." Die Regionalplaner aus dem Drei-Länder-Eck Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen treffen sich regelmäßig. Vor zehn Jahren habe man gemeinsam eine grenzübergreifende Landesplanung durchgeführt. "Es ist mal wieder Zeit, dass diese Planungen fortgeschrieben werden."
Im schulischen Bereich spielt die Landesgrenze eine geringe Rolle. Seit Jahrzehnten existiert eine eingespielte Regelung bei der Schulpolitik, die nicht zuletzt zu einer sinnvollen Ausnutzung der Schulen geführt hat. So besuchen Schüler aus Lauenförde, Derental, Boffzen und Fürstenberg Schulen in Höxter und Beverungen, Kinder aus Stahle besuchen, gerade im Sekundar-I-Bereich, Schulen in Holzminden. Nicht wenige Eltern aus dem Holzmindener Südkreis und der Kreisstadt schicken ihre Kinder für die Klassen fünf und sechs nach Höxter, um in Niedersachsen die Orientierungsstufe zu umgehen. Im Berufsschulwesen gibt es bislang wenig Kooperationen. Doch in Zeiten immer geringerer Klassenstärken und einer zunehmenden Zentralisierung mit immer mehr Bezirksfachklassen mache eine Abstimmung zwischen den Nachbarkreisen Sinn, auch um die Wege im dualen Ausbildungssystem für Azubis und Ausbildungsbetriebe kurz zu halten.
Gemeinsame Interessen verbinden beide Kreise in wichtigen Straßenbauprojekten. Ganz wichtig ist beiden der schnelle Ausbau der B 64 und der B 83. Die Umgehung Höxters ist im Sinne der Verkehrsanbindung Richtung Süden auch für Holzminden als Wirtschaftsstandort von Bedeutung. Neben dem Ausbau der B 83 Höxter - Godelheim sind die Ortsumgehung Stahle und die Umgehungsstraße Lauenförde/Beverungen im Gespräch. "Dabei unterstützen wir gegenseitig die Anliegen unseres Nachbarn", so Backhaus. Aktuell wird, so wussten beide Verwaltungschefs zu berichten, die Umgehung Lauenförde/ Beverungen. Am 27. Juni treffen sich Vertreter beider Straßenbauämter zu einem "Abgleichungstermin". Inzwischen liegt die Umweltverträglichkeitsstudie vor, sind die FFH-Gebiete festgelegt, werden der östlichen, ortsnahen Streckenführung keine großen Umweltbeeinträchtigungen bescheinigt.
Größte Gemeinsamkeit ist der Tourismus. "Denn die Gäste, die ins Weserbergland wollen, interessiert keine Kreis- oder Landesgrenzen." Zusammen ist man in der Oberweserdampfschifffahrt vertreten und versucht hier, diese Weserattraktion weiter zu entwickeln. Großen Wert legt Kempa auf Kooperation. "Die Weser verbindet sehr, die Infrastrukturvoraussetzungen sind hervorragend. Hier gibt es kein Konkurrenzdanken." Neue Möglichkeiten sieht Kempa im Modellprojekt des Bundeswirtschaftsministeriums "Erlebniswelt Renaissance". Die Weserrenaissance biete da einen idealen Ansatzpunkt - vielleicht mehr auf niedersächsischer Seite. Es gehe nun darum, dieses Kulturthema touristisch, wissenschaftlich und museal nutzbar zu machen im Weserbergland. "Wir sind gerade dabei, Wege zu finden."
Für Hubertus Backhaus ist der Begriff "Weserrenaissance" zu "flächig und zu wenig griffig". Er sage alles und gar nichts, auch "Weserbergland" sei zu groß. "Wir brauchen eine bestimmte Begrifflichkeit, deswegen kämpfen wir für die ,Poetische Landschaft'. Nur: Die "Poetische Landschaft" ist auf den Kreis Höxter begrenzt. Landrat Backhaus sieht dennoch den Kreis Holzminden partizipieren. OKD Kempa hält den Begriff "Weserbergland" für eine touristische Destination (Bestimmung), "mit der man wahrgenommen wird, der bekannt ist." Nur müsse er mit Inhalt gefüllt werden.
Auf jeden Fall stehen beide "Kreischefs" zur OWD. Die finanzielle Situation sei, so Backhaus, in den vergangenen Jahren oft verschönt dargestellt worden. Trotz der finanziellen Verluste "wollen alle Beteiligten die OWD unterstützen". Und das koste eben eine "Summe X", denn man wolle weiter "Hand in Hand" touristische Infrastruktur auf der Weser vorhalten. Als öffentliche Hand nehme man die Aufgaben für den Tourismus sehr ernst, und schließlich profitiere auch die Bevölkerung von Einrichtungen, die die Lebensqualität in der Region stärkten.
Die beiden Kreis-Chefs, selbst nicht "per Du", pflegen ein gutes Verhältnis untereinander. "Wir sehen uns regelmäßig und sprechen oft miteinander." Auch wenn es um gegenseitige Unterstützung für die Vorhaben des anderen gehe, pflege man den "kurzen Dienstweg" - wie es sich für Nachbarn gehört. (fhm/spe)