Ith (04.09.2010). Startschuss für den Ithtunnel? Markus Brockmann schüttelt den Kopf. Er spricht lieber von „einem gewaltigen Schritt nach vorn“. Und das ist er auch, nicht nur für den Leiter der Hamelner Landesstraßenbaubehörde, die federführend ist für den Ithtunnel-Bau. Denn am Ith wird jetzt – schon – gebohrt. Bis zu 140 Meter tief geht man dem Ithgestein auf den Grund. Will mit Erkundungsbohrungen klären, ob das Gebirge wirklich so aufgebaut ist, wie es die Experten erwarten, welche Überraschungen der Berg aus Kalkgestein und Tonerde bereithalten könnte, wo das Grundwasser steht und welche Verwerfungen es gibt. Zwei Probebohrungen sollen die Grundlage bilden für die Machbarkeitsstudie und die Kostenschätzung.
Mit 200 bar treibt das Bohrgerät das Bohrgestänge in den Boden. Drei Meter lang sind die einzelnen Segmente, die in den Boden geschraubt werden. Unermüdlich frisst sich der Bohrkopf in den Untergrund. Nur langsam geht es voran. Auf sandigen Boden, dann auf Verwitterungslehm stoßen die Mitarbeiter der Bohrfirma, die aus dem Hessischen kommt. Sechs bis sieben Meter Verwitterungshorizont erwartet die Expertin Manja Krysta, Geologin der Landesstraßenbaubehörde aus Hannover. Erst dann rechnet sie mit festem Tongestein.
Sie behält Recht und die Mitarbeiter der Bohrfirma haben zunächst ein Problem: Die satt-nasse Masse Erde, die sie aus dem Bohrloch holen – der sogenannte Bohrkern, der begutachtet werden soll – lässt sich nur schwer aus dem Bohrgestänge drücken. Nach 30, 40 Zentimetern Vortrieb wird jeweils gestoppt, der Bohrer hochgeholt, der Bohrkern herausgedrückt, genauestens archiviert. Wenn sie auf festes Gestein stoßen, wirds leichter, berichtet Manja Krysta, dann können die Bohr-Intervalle verlängert werden.
„Von der Bohrung erwarten wir Aussagen über das Grundwasser. Wo steht es genau, wie bewegt es sich im Kalkgestein“, erklärt Markus Brockmann. Die Bohrlöcher – ein 40 Meter tiefes etwas oberhalb der B 240 kurz vor der Haarnadelkurve, und ein 120 Meter tiefes am Ith-Kamm – werden anschließend ausgebaut zu Grundwassermeldestellen. Außerdem sollen die Probebohrungen Aufschluss geben über den Aufbau des Iths, über Verwerfungen des Gesteins, über Höhlen. „Es passiert immer wieder, das man Überraschungen erlebt“, weiß Manja Krysta. Die will die Geologin im Landesdienst verhindern und so die Basis schaffen für eine „bessere Berechnung der Tunnelvariante“.
Rund 35.000 Euro kosten die Probebohrungen. Finanziert werden sie aus dem 5-Mio.-Topf des Landes und der Landkreise Holzminden und Hildesheim, mit dem die Planung für eine Verbesserung der verkehrlichen Anbindung des Landkreises Holzminden an die Landeshauptstadt Hannover. Die Westumgehung Eschershausens kann so geplant werden. Die Umgehung Weenzens und Marienhagens auch. – Und der Ithtunnel.
Hier am Ith, neben dem schweren Bohrgerät, stehen die Straßenplaner noch ganz am Anfang. Hier ziehen sie erst einmal die Informationen aus der Erde. Informationen mit einem Durchmesser von 100 Millimetern, die in Holzkisten gepackt, und in der Zivildienstschule Ith zwischengelagert werden. Dort werden sie registriert, fotografiert und von Manja Krysta begutachtet. Sie legt ein Schichtenverzeichnis an, erhält so einen wichtigen Querschnitt durch den Ith. Später werden die Bohrkerne aus dem Ith ins Bohrkernlager von Bund und Land gebracht. Das liegt übrigens in der Nähe von Einbeck.
Am Ith ist die Geologin nicht zum ersten Mal. Als die Felsnase gesprengt werden musste, die der Frost im letzten Winter zerfressen hatte, war sie die Fachfrau, die die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Jetzt blickt sie in den Berg hinein. „Das ist etwas, was auch wir nicht alle Tage machen“, erzählt sie. Ein Tunnelbau ist schon etwas außergewöhnliches.
Umso wichtiger ist, dass er gut vorbereitet wird. Zunächst also die Bohrung, dann die Machbarkeitsstudie und die Kostenanalyse. „Ziel ist ein Raumordnungsverfahren“, erklärt Markus Brockmann. Doch das ist, auch wenn schon gebohrt wird im Ith, noch Zukunftsmusik. Richtig durchstarten mit der Ith-Tunnel-Planung können Markus Brockmann und sein Team erst mit der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplanes. Denn noch findet man den Ith-Tunnel dort gar nicht.
„Die Zeit bis dahin ist aber gut genutzt“, freut sich Brockmann über die Möglichkeit, schon jetzt Stöcke zu stecken. „Wir können uns Gedanken über die Varianten machen“. Und wenn die Ith-Tunnel dann bundesweit ganz vorn auf der Prioritätenliste, also im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes, steht, sind die Straßenplaner schon auf der Strecke, um im Rennen um die Bundesmittel die Nase vorn zu haben. Für die bessere Verkehrsanbindung des Landkreises Holzminden. (bs)

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