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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Für den Igel ist noch eine Wohnung frei

Konstantin bei seinem Nachbarn Thomas Alteköster in der „Gartenarche“.

Lüchtringen (28.09.02). Für den siebenjährigen Konstantin aus Lüchtringen ist der Besuch bei seinem Nachbarn Thomas Alteköster jedes Mal ein ganz besonderes Erlebnis: Im Garten des Nachbarn gibt es nämlich viele Tiere, die man nicht oft zu Gesicht bekommt. Sie heißen Blindschleiche, Taumelkäfer, Schlingnatter oder Kammmolch und haben eines gemeinsam: Sie sind sehr selten. Thomas Alteköster kann man wohl als eine Art modernen Noah bezeichnen, denn er hat in seinem kleinen Stückchen Grün, das er liebevoll „Gartenarche“ nennt, ein Refugium für bedrohte Tierarten geschaffen.

„Ich habe viele Natursteinmauern und Wildblumenwiesen“, erzählt Thomas Alteköster und zeigt auf mit Moos überwucherte Erhebungen und Beete, in denen Pflanzen wachsen, die andere vielleicht für Unkraut gehalten hätten. „In den Mauern wohnen viele Tiere“, sagt er, „Insekten und Spinnen verstecken sich dort. Manchmal überwintern darin auch Molche und Frösche.“ In einer der Natursteinansammlungen klafft ein großes Loch, doch das ist nicht etwa ein herausgefallener Stein, sondern eine kleine Höhle für den Igel, den der 32-Jährige gern noch in seinem Garten hätte. Bisher habe sich aber noch keines der stacheligen Tiere dort eingenistet, meint er bedauernd.
Weiter unten, in der Nähe des Gartenteiches, fallen sofort die vielen, mit schwarzen Plastikplanen abgedeckten Heuhaufen auf. „Die Heuhaufen habe ich eingerichtet, damit sich die Schlingnatter dort verstecken kann“, sagt Thomas Alteköster. Oft liegt die Schlange, die einer Kreuzotter zum Verwechseln ähnlich sieht, unter der Folie, doch heute ist sie leider nicht zu Hause, wie Thomas Alteköster beim Anheben der Folien feststellt. Ganz so traurig ist der Naturgärtner darüber aber dann doch nicht: „Die Schlingnatter beißt“, grinst er, „sie ist zwar nicht giftig, aber ein Biss tut trotzdem ziemlich weh.“
Konstantin hat sich inzwischen mit einem Käscher am Teich zu schaffen gemacht. „Ich versuche, Molche zu fangen“, sagt er, „gestern habe ich ganz viele erwischt.“ Und wirklich: Kurze Zeit später hat Konstantin eine große Menge Schlamm im Netz, in dem sich vier winzige Molche tummeln. „Das sind kleine Kammmolche“, erklärt Thomas Alteköster, „sie überwintern im Teich und kommen erst im Frühjahr wieder heraus.“ Und noch einen Fang hat Konstantin vorzuweisen: Zwischen den Kammmolchen krabbeln langsam ein großer schwarzer Taumelkäfer und eine gefräßige Libellenlarve herum. Als Konstantin den Taumelkäfer jedoch in einen Behälter mit Wasser setzt, zeigt der Teichbewohner sein wahres Gesicht: Blitzschnell saust er in komplizierten Kurven davon.
Konstantin hat mittlerweile einen neuen Gartenbewohner entdeckt: Die Blindschleiche. Langsam kriecht sie über seine Hand und ringelt sich um seine Finger. Angst hat Konstantin dabei nicht, denn die Blindschleiche ist, obwohl sie so aussieht, keine Schlange, sondern eine beinlose Echse und völlig harmlos.
Außer dem Gartenteich, den Thomas Alteköster übrigens nur sehr vorsichtig von Pflanzen befreit, damit der Lebensraum der Tiere nicht verloren geht, befinden sich in der Gartenarche noch eine Reihe von Totholzhaufen, in denen sich viele Solitärbienen und andere kleine Insekten einnisten. Auch in kleinen durchsichtigen Kunsstoffröhren, die Thomas Alteköster zu einem Bündel zusammmengeschnürt hat, wohnen die Bienen. Einige der Röhren sind mit Lehm verschlossen. „Dort haben die Bienen ihre Eier abgelegt“, erklärt der Gärtner und zeigt die Gänge und Kammern, die die Bienenlarven gegraben haben. Wenn diese Larven im nächsten Frühjahr schlüpfen und die Molche den Teich verlassen, dann wird es in Thomas Altekösters Gartenarche wieder hoch hergehen, doch jetzt kommt erst einmal der Winter - Ruhezeit für die Tiere. (km)

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