Bevern (06.08.05). Wenn er beim „Nächtlichen Schloss - erleben” am nächsten Sonnabend wieder einmal geisterhaft über die altehrwürdigen Mauern huscht, wird Statius von Münchhausen sicher auch einen Blick durch die Fenster auf sein neues altes „Zuhause” werfen. Und wenn er es könnte, würde er sich bestimmt freuen: Denn endlich geht es voran mit den Bauarbeiten für die Erlebniswelt Renaissance (EWR) in Bevern. Laut Geschäftsführung der EWR soll Statius noch im November multimedial wiederauferstehen. Zweifel an diesem Termin sind sicher berechtigt. Aber immerhin ist schon absehbar, dass das Schloss mit der Erlebniswelt-Inszenierung, mit der neuen Anlaufzentrale für Touristen, mit dem Fahrstuhl und mit dem neuen Foyer für die Schlosskapelle eine enorme Aufwertung erfährt.
Noch etwas verhalten wirkt die Freude beim heutigen „Schlossherrn”, dem Landkreis Holzminden - nach monatelangen Verzögerungen des Baubeginns und zahllosen zähen Verhandlungen sicher auch verständlich. Ursprünglich sollte die EWR in Bevern bereits im Frühjahr 2005 eröffnet werden. Aber der Landkreis konnte keine Baugenehmigung erteilen, weil wichtige Berechnungen und Unterlagen fehlten. Schließlich machte Landrat Walter Waske die EWR zur „Chefsache” und holte alle Beteiligten an einen Tisch. Schließlich wurde im Januar mit der Entkernung der Räume begonnen, Anfang Februar wurde die Baugenehmigung erteilt.
Danach tat sich wieder lange nichts. Doch nun sind seit wenigen Wochen die Maurer da. Die Firma Steinmann aus Emmer-thal hat den Auftrag für die Rohbauarbeiten bekommen. Sie war auch im Hochzeitshaus in Hameln tätig, kennt also die Unwägbarkeiten alter, denkmalgeschützter Gemäuer. Zurzeit wird dort malocht, wo der neue repräsentative Eingangsbereich mit Shop, Kasse und Tourismusbüro entstehen wird. Und der Fahrstuhl, auf den so viele Schloss-Gäste schon so lange warten. Denn mit diesem Fahrstuhl geht’s nicht nur hinauf zum EWR-Saal mit der Multimedia-Show, sondern er macht alle (Ausstellungs-)Räume im ersten Stock erreichbar.
Es ist eine „sensible” Baustelle, und zwar aus mehreren Gründen. So wird natürlich das gesamte Projekt mit Argusaugen von der Denkmalschutzbehörde überwacht. Da gibt es beispielsweise Balken, die noch aus der Zeit der Erbauung des Schlosses (1603 bis 1613) stammen und die „unangetastet” bleiben müssen. Und selbstverständlich hat auch Kreisarchäologe Dr. Christian Leiber die günstige Gelegenheit vor Einbau eines neuen Fußbodens genutzt, um nach Spuren der Vergangenheit zu schauen. Zum Beispiel im Bereich des Kellergewölbes, wo weitere Kammern vermutet - aber nicht entdeckt - wurden.
Sensibel gehen Haus- und Bauherr auch mit der kulturellen Nutzung des Schlosses um. Wie Dr. Leiber bei einer Baustellen-Besichtigung dem TAH gegenüber betonte, gäbe es eine sehr enge Abstimmung zwischen Kulturressort und Architekt bezüglich der Veranstaltungen im Schloss(-innenhof). Das Kulturprogramm soll möglichst nicht beeinträchtigt werden. Dazu gehört, dass der Durchbruch zum jetzigen Foyer der Schlosskapelle voraussichtlich erst gegen Ende der gesamten Baumaßnahme erfolgt. Und auch auf die Schloss-Gastronomie wird Rücksicht genommen.
Wie Landrat Walter Waske bei dem angesprochenen Ortstermin mitteilte, läuft bei der EWR gerade die Vergabe der Aufträge für die übrigen Gewerke wie Heizung oder Elektroinstallation. In der nächsten Woche soll eine Feinabstimmung über die gestalterischen Elemente erfolgen, zum Beispiel über die Art des Fußbodens, verriet Waske
Insgesamt wird das Projekt EWR in Bevern rund 1,5 Millionen Euro kosten, etwa 1,2 Millionen davon werden aus Fördermitteln finanziert. Und in Zeiten knapper (besser gesagt leerer) Kassen sind sowohl das Land Niedersachsen als „Verwalter” der EU-Fördergelder als auch der Landkreis Holzminden als „Rest-Finanzierer” akribisch auf Einhaltung des Kostenrahmens bedacht.
Mit dem Zeitrahmen allerdings ist es eine andere Sache. Nach der einmonatigen Eröffnungsverschiebung im Hochzeitshaus Hameln sind die Kreis-Holzmindener noch skeptischer geworden. „Ich kenne nur einen, der noch an den Termin November glaubt, und das ist der Geschäftsführer der EWR”, sagte Waske dazu (rei).