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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Fürstengräber, Kleiderfibeln und Forschungsfahrten per Eisenbahn

Exponate aus dem Grab einer skythischen Prinzessin, die vor 2.300 Jahren begraben wurde. Foto: fhm

Bevern (27.03.2010). Ein weltbekannter Arzt, der auch in der Vergangenheit forscht, ein enthusiastischer Historiker, den selbst Krankheit nicht von der russischen Steppe fernhalten kann und wunderschöne Ringe und Goldstücke einer vor über 2.000 Jahre gestorbenen Prinzessin in der Ukraine. Diese eindrücke behält man, wenn man die neue Ausstellung „Das silberne Pferd“ besucht. Am Anfang der Schau im Weserrenaissance-Schloss Bevern steht eine überdimensionale Eisenbahnkarte Russlands aus dem Jahr 1906, die perfekt in das Thema der Ausstellung einführt.
Mit der Eisenbahn nämlich gelangten vor über 100 Jahren deutsche, polnische und russische Forscher zu den Ausgrabungsstätten am Schwarzen Meer und im Kaukasus. Es lässt sich erahnen, mit welchen Strapazen diese Forschungsfahrten verbunden waren, wenn man sich den Reisebericht des berühmten Vorgeschichtlers Max Ebert anschaut, der in Bevern dargestellt wird. Wochen war er per Schiff und Eisenbahn unterwegs, um dann am Schluss mit einem Pferdewagen in die Steppe zu kutschieren. Die bekanntesten Forscher werden dem Ausstellungsbesucher vorgestellt. Was sie erforscht und ausgegraben haben, wird in den folgenden Räumen dargestellt.
Zumeist sind die Ausstellungsstücke in Gräbern gefunden worden. Waffen, Kleiderfibeln, Schmuck, religiöse Stücke oder Ornamente werden in Glasvitrinen gezeigt. Darunter sind faszinierende Einzelstücke wie der Goldschmuck einer sarmatischen Prinzessin, der Helm eines skythischen Kriegers oder Kleiderfibeln hunnischer Reiter. Die Ausgrabungsorte sind in Bevern ebenfalls zu sehen. Ein Kurgan, ein aus Holzstämmen errichtetes Fürstengrab, das unter einem bis zu 100 Meter weiten und 20 Meter hohen Hügel versteckt wurde, ist zum Teil für die Ausstellung nachgebaut worden. Auch das Prinzessin-Grab, das in der Ukraine ausgegraben wurde, ist in der Fundsituation dargestellt.
Eine Besonderheit der Ausstellung ist, dass sie behindertengerecht aufgebaut ist. Man kann die Schau, die im ersten Stock des Schlosses angesiedelt ist, per Fahrstuhl erreichen. Und ein Teil der Ausstellung, der nur per Treppenaufgang zu erreichen ist, wurde per Spiegel für diejenigen sichtbar gemacht, die den Treppenweg nicht nutzen können. Ausführliche Beschreibungen der Stücke sind genauso selbstverständlich wie die gelungene Präsentation und die wegweisenden Lichtprojektionen. Und zwei „Lichtarbeiten“ fallen dabei besonders ins Auge.
Im sogenannten Perlenraum findet man Schmuck, der in sarmatischen Gräbern  gefunden wurde. Eine Perle, die durch ihre Gestaltung besonders herausragt, wird in einer Videoprojektion vergrößert  dargestellt, so dass man das in Wirklichkeit wenige Zentimeter große Prunkstück in aller Ruhe betrachten kann. Die zweite „Lichtarbeit“ ist noch beeindruckender. Rudolf Virchow war nicht nur ein berühmter Arzt und Mediziner, sondern auch Prähistoriker. In der Ausstellung ist der Nachbau seines Arbeitszimmers zu sehen. Durch kleine Augenfenster kann man das Zimmer voller Knochenskelette und Bücher bewundern. Dann tritt Virchow selbst auf und berichtet den Besuchern von seinen eigenen Ausgrabungen. Ein schöner Effekt zum Abschluss der Ausstellung.
„Das silberne Pferd“ ist in der Reihe der Ausstellungen in Bevern eine komplette Neuheit. Wurden bisher immer einzelne Völker oder Volksgruppen in ihrer kompletten Geschichte vorgestellt, gibt es jetzt e ganz andere Thematik. Diesmal stehen die Forscher und ihre Ausgrabungen im Mittelpunkt. Und gemeinsam ist ihnen allen, dass ihre archäologische Arbeit eigentlich schon vergessen und in den Aktenbergen der Archive verschwunden war. Das gemeinsame Projekt der Forscher aus Polen und der Staatlichen Museen aus Berlin hat diese vergessenen Schätze wieder ans Tageslicht gebracht.
Es ist ein schöner Nebeneffekt, dass man etwas über solche Völker wie Skythen, Sarmaten und Hunnen erfährt, über die man bisher nur wenig wusste oder von denen man nur im Zusammenhang mit Krieg, Mord und Zerstörung gehört hatte. Die Ausstellung zeigt sehr schön, wie Forscher überhaupt neues Wissen entdecken und was man durch diese Entdeckungen für sich selbst lernen kann.
Ein weiterer Lernerfolg bleibt übrigens haften, wenn man sich neben der Ausstellung selbst auch mit der Entstehungsgeschichte des „Silbernen Pferdes“ beschäftigt. Denn dieses einmalige Ereignis ist nur möglich, weil es die deutsch-polnische Zusammenarbeit gibt und weil Menschen aus beiden Völkern kreativ und engagiert zusammenarbeiten. Fazit des Besuches: „Das silberne Pferd“ lohnt sich auf jeden Fall. (fhm)

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