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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Glücksgefühle im freien Fall

(14.07.01) Renate Wieler kann man blind vertrauen. Eine Lebensversicherung quasi für viele, die erst in die Luft und dann über Bord gehen. Skydiver nennen sie sich, "Fahrstuhlführer" den Piloten, der sie nach oben bringt. Und da wollen sie so oft wie möglich hin, wenn die Sonne scheint. "Schnell runter, packen und wieder rauf" auf 4.000 Meter. "Hier geht es relativ locker zu", gesteht Jens Gronemeyer ein. Allerdings: "Bei der Sicherheit sind wir hier brutal". Und für die stehen Profipacker wie Renate Wieler. Die junge Frau mit den geschickten Händen und dem kritischen Blick faltet Reservefallschirme. Zweimal im Jahr müssen die neu gepackt werden.

"Hier", das ist der Flugplatz Höxter-Holzminden, Deutschlands größter Fallschirmsprungplatz, Heimat deutscher Meister und internationaler Rekordhalter, die alle nur ein Wunsch beseelt - in die Luft zu gehen, um eine Minute lang den Rausch des freien Falls zu genießen. Bevor der Fallschirm sie zurück in die Realität reißt. Die Skydiver von 200 km/h auf 28 km/h abbremst. Sicher landen lässt.
Rund 800 Fallschirmspringer aus ganz Deutschland pilgern in der viel zu kurzen, viel zu sonnenarmen Sommerzeit auf den Räuschenberg, wo der Fallschirmsportclub Dädalus, der langjährige Deutsche Meister und Weltrekordhalter, beheimatet ist. Und sie pilgern zur alten, aber so zuverlässigen Super Twin Otter, die 21 Skydiver nach oben bringt, und dem "Fahrstuhlführer", der mit den Starts und Landungen die Flugstunden sammelt, die er für seine Ausbildung als Airlinepilot braucht.
"Das Bayern München der Fallschirmspringer", so Jens Gronemeyer, Geschäftsführer der Flugplatzgesellschaft, ist der Räuschenberg geworden. Selbst im fernen Kalifornien, dem El Dorado der Skydiver, ist Höxter ein Begriff. Und einmal im Jahr das Ziel der größten Freaks und besten Fallschirmspringer: Hier wird der größte Fallschirmsportwettbewerb der Welt ausgetragen. Zum Minimeet im letzten Jahr kamen trotz des Sauwetters 119 Teams, fast viermal so viel wie zur Weltmeisterschaft.
Jetzt ist es wieder soweit: Der Räuschenberg hat sich in ein Zeltlager verwandelt. Diesmal sind mehr als 130 Teams gekommen. Seit gestern geht es quasi per Paternoster in die Luft. Neben der Super Twin Otter sind weitere Maschinen im Dauereinsatz, damit auch alle Teams ihre vier Wettbewerbsrunden absolvieren können. Auch heute, wenn die Sonne lacht, färbt sich der Himmel über Höxter wieder bunt. Gegen 18 Uhr soll heute der Wettbewerb enden - mit einem Jump-In befreundeter Vereine aus ganz Europa. Je nach Wetterlage werden zwischen 20 und 40 Flugzeuge am Himmel sein - und die Skydiver mit ihren farbenfrohen Tüchern bis gegen 22.30 Uhr ins Himmelsblau pflanzen. Doch zuvor geht es um Punkte. Gibt es Figuren, die geformt, so genannte Randoms, die gemeistert werden müssen. Eine Minute lang haben die Skydiver Zeit, Figuren zu malen. Sich im freien Fall zu greifen, zu drehen, erneut zuzupacken. Formationsspringen nennt sich das. In Vierer, Achter und 16-er Gruppen werden diese Formationen gesprungen, die zuvor am Boden minutiös geübt wurden, damit es am Himmel reibungslos klappt. Aufgenommen wird der Sprung von einem Videomann, der die Skydiver hoffentlich immer im Bild hat. Sonst kommt der Sprung nämlich nicht in die Wertung.
Wer einmal gesprungen ist - das sagen die Skydiver - wird süchtig. Wer einmal springen will - der findet auf dem Flugplatz Höxter-Holzminden die beste und größte Fallschirmsprungschule Deutschlands. Einfach mal schnuppern, das kann, wer will, bei einem Tandemsprung. Ab 14 Jahren darf man sich als Sandwich einfach fallen lassen. Und wer sich dann entscheidet, die Springerei zum Hobby zu machen, kann zwischen verschiedenen Ausbildungsarten wählen. Wenn er mindestens 17 Jahre alt ist. Nach Bodentraining und Theorie geht es dann in die Luft. Im freien Fall, gehalten nur von zwei Lehrern - insgesamt zehn gibt es auf dem Räuschenberg -, oder per selbstauslösendem Schirm. Übrigens: Weil heute Highlife ist auf dem Räuschenberg, wird am morgigen Sonntag der Flugbetrieb ruhen. (bs)

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