(24.12.2010). In Grave sorgte Michael Triegel vor vier Jahren für Aufsehen. Als der neue Flügelaltar in der Graver Kirche zum Pfingstfest 2006 feierlich enthüllt wurde, war das Staunen und die Bewunderung groß. Im Auftrag der Evangelischen Kirche hatte der Leipziger Künstler ein Altarbild geschaffen, das aus drei Teilen besteht und wesentliche Stationen aus dem Leben Jesu Christi zeigt. Das Triptychon stellt Geburt, Taufe und Abendmahl dar. Triegel malt im Stil der alten Meister, er malt, als hätte er seine Kunst bei Leonardo da Vinci, Bellini, Raffael oder Caravaggio gelernt.
Doch schon vor vier Jahren wurde von den Betrachtern des Flügelalters festgestellt, dass Michael Triegel die alten Meister nicht einfach kopiert. Er übernimmt deren Tradition, setzt sich in die Spur der italienischen Renaissance. Aber er führt sie auf seine Weise fort. Michael Triegel macht sich seine Gedanken und verändert die Stilvorlagen nach seinem Wunsch. Das macht die Einmaligkeit des Künstlers aus, die sich in so genialer Weise beim Graver Flügelaltar zeigt. Klassische und bekannte Szenen aus dem Leben Christi werden verbunden mit mythologischen Figuren der Antike und Szenerien der Gegenwart. Triegels Kunst ist keine Huldigung an das Objekt der Darstellung, es ist auch keine Heldenapotheose. Triegel malt mit sicherer Hand und trifft den Kern einer Persönlichkeit oder Geschichte.
Nach dem Altarbild von Grave hat Triegel, der zur Neuen Leipziger Schule gehört, weitere prominente Aufträge erhalten. Die katholische Diözese Regensburg beauftragte ihn, ein Portrait von Papst Benedikt XVI. zu malen, das im neuen Papst Benedikt XVI.-Institut aufgehängt werden soll. Bei einer Audienz in Rom nahm Triegel Maß und unterhielt sich intensiv mit dem Heiligen Vater. Bevor das Bild an die Diözese Regensburg ausgehändigt wird, durfte Triegel es in seiner ersten großen Werkschau ausstellen. Dem Künstler wurde die Ehre zuteil, eine erste große Werkschau im Museum der bildenden Künste in Leipzig zu zeigen. Zwar hat Michael Triegel schon viele seiner Werke auf Kunstschauen und Ausstellungen zeigen können, doch wurde noch keine Exhibition seiner Werke unter einem bestimmten Leitmotiv dargestellt.
Bis zum 6. Februar ist „Verwandlung der Götter“ in Leipzig zu sehen. Insgesamt sind 70 Arbeiten von Triegel zu sehen, die aus den Jahren 1994 bis 2010 stammen und einen Überblick über sein bisheriges malerisches Schaffen geben. Der Titel „Verwandlung der Götter“ stellt das Programm des Künstlers dar. Michael Triegel, der 1968 in Erfurt geboren wurde, studierte an der Hochschule für Grafik in Leipzig bei Professor Arno Rink. Nach seinem Diplom 1995 begann er ein zweijähriges Meisterschülerstudium bei Professor Ulrich Hachulla. 1996 erhielt Triegel den Kunstpreis der Volks- und Raiffeisenbanken, zwei Jahre später den Dragoco-Kunstpreis und 1999 den Helen-Abbott-Förderpreis. 2006 schuf der konfessionslose Künstler den Graver Flügelalter, in den Jahren danach weitere Gemälde für kirchliche Auftraggeber. Weitere Informationen zur Ausstellung Michael Triegel gibt es im Internet unter www.mdbk.de. Das Altarbild von Grave ist übrigens nicht Bestandteil der Ausstellung in Leipzig. Das ist weiterhin in der Kirche an der Weser zu bewundern. (fhm)

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