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Sonntag, 5. Februar 2012




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„Gute Qualität gibt es nur, wenn sich die Tiere wohlfühlen“

Eric Brenneke, Hermann Grupe und Frank Kohlenberg in dem Offenstall. Foto: bs

Landkreis Holzminden (17.07.10). Eric Brenneke hat groß investiert in den letzten Jahren. Der Jungbauer aus Dielmissen züchtet Schweine. 400 Tiere sind es. Massentierhaltung also. Die ist in die Schlagzeilen geraten, soll Negatives suggerieren. „Gute Qualität gibt es nur, wenn sich die Tiere wohlfühlen“, setzt Eric Brenneke dagegen, „kein Bauer wird seine Tiere quälen“. Den Vorsitzenden der Landjugend ärgert die pauschale Verurteilung der Landwirte, die auf Viehhaltung setzen. Im Landkreis Holzminden sind es eigentlich zu wenige. Mit 0,5 sogenannten Großvieheinheiten pro Hektar liegt der Landkreis Holzminden weit unterm Durchschnitt. In Vechta, dem norddeutschen Zentrum der Viehwirtschaft, ist die Viehdichte mehr als sechsmal so hoch.
Solche Verhältnisse will hier niemand, aber: „Wir brauchen nicht weniger, wir brauchen mehr Tierhaltung im Kreis Holzminden“, betont Kreislandwirt Hermann Grupe. Er will eine Lanze brechen für die Bauern, die Tiere züchten. Bauern wie Frank Kohlenberg aus Heyen. Der stellvertretende Vorsitzende des Landvolks ist Herr über 70 Milchkühe und ebenso viele Kälber. Die Kühe stehen in einem nach modernsten Erkenntnissen konzipierten Stall. „Tiere, die in großen Ställen leben, sind nicht schlechter, sie sind besser gestellt“, erklärt Kohlenberg, spricht vom „Kuhkomfort“. „Das fängt mit der Kuhbürste an, geht über die Liegeboxen mit Betonspaltboden und das ständige Futterangebot bis hin zu den großen Ventilatoren, die in den Offen-ställen für ein gutes Klima sorgen“. Im Kuhstall lässt es sich besser aushalten als draußen unter freiem Himmel, in der brütenden Hitze.
„Es gibt Indikatoren, ob sich die Kühe wohlfühlen“, zeigt Kohlenberg auf seine Tiere. Das Haarkleid, das Widerkäuen in den Liegeboxen, zählt er auf. Natürlich ist Frank Kohlenberg ein wirtschaftlich kalkulierender Unternehmer. Kühe auf der Weide geben nicht so viel Milch, „das Gras, das sie dort fressen, ist nicht vergleichbar mit dem Futtermix, den sie im Stall bekommen“, erläutert Kohlenberg. Er hat beständig in seinen landwirtschaftlichen Betrieb investiert. „Wir brauchen als Landwirte eine gewisse Größenordnung, damit die Familie davon leben kann“, sagt er.
„Die Investitionen sind notwendig, um den Standard zu halten“, bestätigt auch Eric Brenneke, „man wird dadurch nicht reicher“, räumt er mit dem Vorwurf der Profitgier auf. Heute habe nicht mehr jeder Dritte eine Kuh im Stall, erinnert Brenneke an die Selbstversorgung nach dem Zweiten Weltkrieg. „Die Landwirte sind damit betraut, die Lebensmittelversorgung sicherzustellen. Und das mit hohem Qualitätsanspruch“. Brenneke: „Wir stehen in weltweiter Konkurrenz“, wer den Fortschritt nicht annehme, sei nicht mehr konkurrenzfähig. „Die Kosten steigen, die Lebensmittelpreise bleiben gleich, da muss man produktiver werden“. Die deutschen Landwirte stehen dabei unter ständiger Kontrolle. Die Bestimmungen zum Tierschutz und zur Lebensmittelsicherheit sind die strengsten weltweit, „und das ist gut so“. „Auf die schärfsten Kontrollen weltweit sind wir stolz“, bestätigt Hermann Grupe, „wer hier gegen Ställe protestiert, erreicht nur, dass die Tiere woanders zu schlechteren Bedingungen gehalten werden“, fügt er hinzu. „Uns liegen die Tiere am Herzen. Tiere bringen bessere Leistungen, wenn das Umfeld stimmt. Wer die Schweine auf der Wiese laufen haben will, muss das Fleisch aus dieser Haltung kaufen, und da kommt es zum Schwur“, verweist er auf die Discounter-Preise. Auf der Wiese vor dem Haus der Familie Brenneke steht nur ein Schwein, eines aus Stein. Die 400 anderen sind in großen Ställen untergebracht. Eine Tierfabrik? Eric Brenneke schüttelt den Kopf. „Es sind viele kleine, komfortable Einzelställe“, erklärt er, öffnet die Tür zur Kinderstube. Sechs Sauen haben gerade geworfen. Im Nest ist es sauber, es gibt Fußbodenheizung für die Ferkel und einen kühlen Luftstrom, der beständig über die Muttertiere streicht. Moderne Klimaführung, Abluftabsaugung über der Gülle, „das geht nicht, wenn man mit 100 Sauen anfängt“, rechnet Brenneke vor, „was dem Wohlbefinden der Tiere zugute kommt, bieten wir an“.
Das Futter für die Schweine bauen die Brennekes auf den eigenen Feldern an. Und die Gülle, ein hervorragender Dünger, kommt zurück auf den Acker. „Wer Tiere halten will, muss nachweisen, dass er die Gülle verarbeiten kann“. (bs)

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