Lüchtringen (15.05.2010). Was Franz Fromme alles gemacht, geschafft, bewirkt, erreicht, geholt und hervorgebracht hat, ist eigentlich unglaublich. Der Lüchtringer, der am Montag 100 Jahre alt wird, kann auf ein einzigartiges Leben voller Arbeit, Einsatz und Dienst an und in der Gemeinschaft blicken. Und es ist immer etwas Besonderes dabei, wenn Franz Fromme etwas macht und schafft. Das wird deutlich, wenn man sich Lebenslauf und Lebenswerk von Franz Fromme senior vor Augen hält.
Am 17. Mai 1910 kommt Fromme in Lüchtringen als Sohn des Postschaffners Franz Fromme und Veronika Fromme (geborene Gulhoff) zur Welt. Nach Besuch der Katholischen Volksschule in Lüchtringen und des König-Wilhelm-Gymnasiums in Höxter beginnt er 1931 eine Verwaltungsausbildung beim Amt Höxter-Land. 1933 wird er Inspektorenanwärter für den gehobenen Dienst. 1939 muss er Soldat werden. Während des Zweiten Weltkriegs wird er zweimal schwer verwundet. Das Kriegsende erlebt Unteroffizier Fromme im Lazarett Lippstadt, aus dem er im April 1945 entlassen wird. 1948 arbeitet er wieder als Amtsinspektor beim Amt Höxter-Land. Nach weiteren Beförderungen wird er schließlich nach der kommunalen Neugliederung 1970 Stadtoberamtsrat der Stadt Höxter. Dort übernimmt er die Leitung des Hauptamtes und wird stellvertretender Stadtdirektor. 1973 tritt er in den Ruhestand.
Neben seiner Arbeit im Verwaltungsdienst kümmert er sich intensiv um den Aufbau der Feuerwehren. Nach Kriegsende gehört er zu den Gründungsmitgliedern der CDU und der Kolpingfamilie in Lüchtringen. Von 1951 bis 2008 ist er Ortsheimatpfleger, unglaubliche 58 Jahre lang macht er sich um die Entwicklung Lüchtringens und die Bewahrung des historischen Erbes verdient. 1953 gehört er zu den Initiatoren des Heimat- und Verkehrsvereins, der 1978 neugegründet wird. Beim TuS Lüchtringen übernimmt er nach dem Bau der Turnhalle 1959 die Leitung der Turnabteilung. Auch im Kirchenvorstand engagiert sich Franz Fromme. Zahlreiche Ehrenurkunden für langjährige Mitgliedschaften geben Zeugnis seiner vielfältigen Arbeit für die Gemeinschaft: 1971 für 40-jährige Dienstzeit in der Verwaltung, 1979 für 50-jährige Mitgliedschaft in der Kolpingfamilie, 1984 für 25-jährige Mitgliedschaft in der CDU, 1985 für 50-jährige Mitgliedschaft im Gesangverein, 1994 für 60-jährige Mitgliedschaft und 2004 für 70-jährige Mitgliedschaft in der Schützenbruderschaft Sankt Johannes und 2009 für 80-jährige Mitgliedschaft in der Kolpingfamilie. 1996 wird ihm für seinen vielfältigen Einsatz für die Allgemeinheit das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
Seiner Heimat und seinem Geburtsort Lüchtringen ist Franz Fromme stets treu verbunden. Mehr als 58 Jahre seiner Arbeit als Ortsheimatpfleger zeugen von dieser Liebe zu seiner Heimat. Dabei hat er sich besonders für die Ortsgemeinschaft, das Ortsbild, den Heimatgedanken, die Geschichte, das Brauchtum und die von ihm besonders geliebte plattdeutsche Sprache engagiert. Mit viel Fleiß und großem Wissen hat er Fakten zur Geschichte Lüchtringens und des Weserraums zusammengetragen. Dazu hat er mit großem Einfühlungsvermögen durch die Erfassung des Lüchtringer Platts versucht, diese Sprache vor dem Vergessen zu bewahren. Daraus entstand das Buch „Lüchtringen – Ein Grenzdorf zwischen Weser und Solling“. Auch in seinen künstlerischen Tätigkeiten, sei es auf malerischem, bildnerischem, dichterischem oder erzählerischem Gebiet, findet seine Liebe zur Heimat besondere Ausprägungen und Werkformen. Die „Lüchtringer Heimatblätter“ und weitere Veröffentlichungen seiner Zeichnungen Lüchtringer Fachwerkhäuser geben davon Zeugnis – ebenso zahlreiche Geschichten, Lieder und Gedichte. Seine Hauptmotive sind und bleiben Lüchtringen und der Weserraum.
Seit 1939 war Franz Fromme mit seiner Frau Luzie, geborene Korte, verheiratet. Sie hat mit ihm Freud und Leid geteilt und ihn immer wieder mit viel Verständnis unterstützt. Aus dieser Ehe gehen sieben Kinder hervor. Wenn man bedenkt, dass sicherlich auch Frau und Kinder ihr Recht forderten und der Arbeitstag des Gemeindedirektors Fromme oft morgens um 7 Uhr begann und abends manchmal nicht vor 23 Uhr endete, kann man ermessen, dass es Franz Fromme nicht immer leicht hatte, alles unter einen Hut zu bringen. Die Familie, der Beruf, die ehrenamtlichen Aufgaben, die Arbeit für die Gemeinschaft und die privaten Vorlieben konnten von Franz Fromme nicht immer gleichzeitig bewältigt werden. Um so bewundernswerter ist es zu sehen, was Franz Fromme geschaffen hat.
Lüchtringen wäre ohne ihn nicht der schöne Ort geworden, der er heute ist. Vieles aus der reichen Vergangenheit wäre schon in Vergessenheit geraten, und der Blick für die Schönheit der eigenen Heimat ist für Franz Fromme der Blick aus dem Herzen. Das Lebenswerk des bald Hundertjährigen ist einzigartig und in jeder Hinsicht unglaublich. Wunderbare Bilder, schöne Zeichnungen, herrliche Skulpturen, selbst verfasste Gedichte, veröffentliche Bücher und vieles mehr hat er geschaffen. Wer sich jetzt und in der Zukunft mit dem Weserraum beschäftigt, wird immer auf Franz Fromme treffen. Eines seiner Gedichte lässt erahnen, welche Verbundenheit und Liebe Franz Fromme immer wieder angetrieben hat, sein Werk fortzusetzen: „Das kleine Fährhaus am blinkenden Strome, es leuchtet hell bei verschwiegenem Schein. Wohl manche Stunde im schwankendem Boote verträumt’ ich heimlich mit dir ganz allein.“ (fhm)

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