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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Heinrich Sohnrey zum 150. Geburtstag

Wurde heute vor 150 Jahren in Jühnde bei Göttingen geboren und starb 1948 in Neuhaus im Solling: Heinrich Sohnrey.

Neuhaus (19.06.09). Es gibt viele Straßen in unseren Städten und Dörfern, die nach dem Dichter Heinrich Sohnrey benannt sind. Berlin hat eine, Holzminden auch – und natürlich Neuhaus im Solling, dem er besonders verbunden war. Hier fand er am Ende seines Lebens noch einmal eine Heimat, und hier ist er auch gestorben.
Neuhaus hat außer der Straße noch weitere Erinnerungsstätten, die dem Dichter gewidmet sind. So ist zum Beispiel am Haus Nummer 10 in der Heinrich-Sohnrey-Straße eine Tafel angebracht, die darauf hinweist, dass Sohnrey hier seine letzten Lebensjahre verbracht hat.
Von hier aus führte ihn sein täglicher Spaziergang Richtung Fohlenplacken an einer jungen Eiche vorbei. Sie trägt seit 1946 seinen Namen. Der Vorstand des Sollingvereins hatte ihm die hier angebrachte Tafel zu seinem 87. Geburtstag überreicht.
Ein Gedenkstein in der Straßengabel Heinrich-Sohnrey-Straße/Gerhart-Hauptmann-Straße trägt als Inschrift sein Lebensmotto: „Stets habe vor Augen ein herrliches Ziel: Erreichst du nicht alles, erreichst du doch viel.“ Auch die ehemalige Jugendherberge trug seinen Namen (Heinrich-Sohnrey-Straße/Ecke Kuhlager). In diesem Haus wohnte zuvor der Baurat Modersohn und nach ihm der Glashüttenbesitzer Becker. Nicht unerwähnt soll hier auch das Landmodengeschäft „Sohnrey-Stube“ bleiben, das von Doris Schwering-Sohnrey geführt wird.
Heinrich Sohnrey wurde heute vor 150 Jahren, am 19. Juni 1859 in Jühnde bei Göttingen geboren, als uneheliches Kind der Magd Luise Sohnrey, die auf dem Gut des Freiherrn Grote arbeitete. Sein Vater war Oskar Freiherr Grote, der älteste Sohn der Schlosseigentümer-Familie, ein leichtlebiger Tunichtgut, der später auf sein Erbe verzichten musste und ins Ausland ging.
Heinrich Sohnrey wuchs in Jühnde in der sogenannten „Lindenhütte“ bei seiner Mutter auf. Einen Nachbau dieses kleinen Hauses haben Verehrer des Dichters im Ital zwischen Donnershagen und Uslar/Eschershausen aufgestellt (Sohnrey-Anger). Seiner Mutter hat er in seinem Roman „Friedesinchens Lebenslauf“ ein Denkmal gesetzt.
Schon früh erkannten Lehrer und Pfarrer die außerordentliche Begabung des Jungen und sorgten dafür, dass er nach der Schule zum Lehrer ausgebildet wurde. Seine Großmutter Grote unterstützte ihn finanziell.
Die erste Lehrerstelle erhielt er in Weperdorf Nienhagen bei Moringen. Hier unterrichtete er sechs Jahre lang die Dorfjugend, gründete 1880 den Männergesangverein „Sängerlust“ (der Verein existiert noch heute), leitete ihn sechs Jahre und schrieb seinen ersten Roman „Hütte und Schloss“, dem viele weitere Bücher folgen sollten.
Er nahm dann eine Auszeit vom Beruf und studierte zwei Jahre lang an der Uni Göttingen Geschichte, Literaturgeschichte und Botanik. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Lehrer in Möllensen bei Hildesheim wechselte er den Beruf und wurde Redakteur bei verschiedenen Zeitungen in Northeim, Hildesheim und Freiburg. Im Jahre 1894 entschloss er sich, als freier Schriftsteller nach Berlin zu gehen, wo er bald seinen eigenen Verlag gründete (Landbuch-Verlag).
Schon als Lehrer, später als Schriftsteller veröffentlichte er zahlreiche Aufsätze, gründete Zeitungen (zum Beispiel „Das Land“ oder „Dorfzeitung“) und schrieb Bücher, unter anderem die bekannten Solling-Bücher „Die Sollinger“ und „Tschiff, tschaff, toho! – Geschichten aus dem Sollinger Walde“. In dem Buch „Die Sollinger“ beschreibt Sohnrey Sitten und Bräuche der Dorfbevölkerung, während er in „Tschiff, tschaff, toho“ Anekdoten, Sagen, Wilderergeschichten im und rund um den Solling sowie Porträts markanter Persönlichkeiten und echter Originale zum Besten gibt.
Auch seine Novelle „Die Geschichte vom schwarzbraunen Mädelein“ (später „Das fremde Blut“ betitelt), eine schaurig-schöne Tragödie um ein Mädchen aus dem Solling (Ort der Handlung ist die Försterei Grimmerfeld bei Fredelsloh), wie auch seine Bücher „Das lachende Dorf“ und „Die hinter den Bergen“ erzählen aus dem Leben der Sollinger Menschen. Sein Sollingbuch mit dem Titel „Wild und Mensch im Sollinger Walde“ konnte nicht mehr erscheinen. Das fertige Manuskript ist in Berlin nach einem Bombenangriff verbrannt.
Dem Solling und seinen Menschen war er überhaupt sehr zugetan, weil der Solling „von der Weltkultur noch nicht übermäßig angegriffen, beeinflusst und angekränkelt ist“ („Die Sollinger“, 1924). Er durchstreifte und erforschte das große Waldgebiet und sammelte alles, was er über Brauchtum, Anekdoten, Geschichten und Sagen in Erfahrung bringen konnte. Neuhaus spielte dabei immer eine besondere Rolle. Hier entstand auch seine Freundschaft mit dem Lehrer Hermann Fricke, dem Vorsitzenden des Sollingvereins, und hier verbrachte Sohnrey häufig seinen Urlaub. Im Sommer 1943, als Berlin immer häufiger unter Bombenangriffen zu leiden hatte, zog er mit zwei Töchtern und zwei Enkelsöhnen nach Neuhaus im Solling. Hier verbrachte er in sehr beengten, ärmlichen Verhältnissen seine letzten Lebensjahre.
Heinrich Sohnrey war aber nicht nur Heimatdichter, er war auch ein politischer Vordenker und Reformer, dessen Herz für die „kleinen Leute“ auf dem Lande schlug, deren Mitte er ja selbst entstammte. Zahlreiche Zeitungsbeiträge aus seiner Lehrer- und Redakteurszeit zeugen schon früh von seinem Engagement für die Verbesserung der Lebensverhältnisse auf dem Lande und der Erhaltung der dörflichen Strukturen. In Berlin gründete er den „Verein für ländliche Wohlfahrths- und Heimatpflege“ und gab mehrere Zeitschriften heraus, die sich mit den Lebensbedingungen der Dorfbevölkerung und deren Verbesserung befassten.
Er wollte der „Landflucht“, der Abwanderung der Menschen aus den Dörfern in die Städte, entgegenwirken, entwickelte sozial- und kulturpolitische Programme und verband häufig ideelle Unterstützung mit konkreter praktischer Hilfe. Von der Bevölkerung in seiner südniedersächsischen Heimat wurde er dafür hoch geachtet und verehrt.
In Neuhaus ist Heinrich Sohnrey am 26. Januar 1948 gestorben und beerdigt worden. Ein Jahr später wurde der Sarg in seine Heimatdorf Jühnde überführt.
Der Sollingverein wird aus Anlass des 150. Geburtstags des Dichters am Sonntag, 21. Juni, ab 19 Uhr mit einem bunten Heimatabend im „Haus des Gastes“ in Neuhaus seiner auf unterhaltsame Weise gedenken (der TAH berichtete). (Hannes Blieschies)

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