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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Historische Heuwaage aus Neuhaus steht im Museum in Balingen

Imposant, massiv, immer noch funktionstüchtig: Seit 1956 steht die Neuhäuser Heuwaage in der Zehntscheune des Balinger Waagenmuseums.

Neuhaus (25.06.2011). Damit hätten die Ortsheimatpfleger für Neuhaus und Fohlenplacken, Klaus Dannenberg und Heinrich Hugo Noack, sowie ihr Silberborner Kollege Hannes Blieschies nicht gerechnet! Bei ihren Recherchen zum Historischen Rundweg in Neuhaus, der demnächst eröffnet werden soll, haben sie einen einzigartigen Fund gemacht und ein lange verschollen geglaubtes Prunkstück aus der Neuhäuser Ortsgeschichte wiederentdeckt. Holzmindens Stadtarchivar Dr. Matthias Seeliger hatte den richtigen Riecher, stellte den Kontakt her und brachte die Heimatforscher auf die richtige Spur: Im „Museum für Waage und Gewicht“ im Zollernschloss Balingen in Baden-Württemberg steht die Heuwaage, die bis 1948 in Neuhaus ihren Dienst versah, dann abgebaut wurde und seitdem verschwunden war.
60 Jahre später ist das Rätsel gelöst, wo sie geblieben ist, ist die gigantische Heuwaage, an der einst ganze Wagenladungen Heu samt Leiterwagen ausgewogen wurden und die als für immer verloren galt, für die Hochsollinger quasi wieder aufgetaucht. Das prächtige Stück ist gut erhalten und seit 1956 funktionstüchtig über zwei Geschosse in der Zehntscheune des Waagen-Museums in Balingen aufgebaut und dort eines der beeindruckendsten Exponate.
Der dortige Museumsleiter schrieb an die Ortsheimatpfleger: „Die Heuwaage ist in unserer Zehntscheuer, im Heimatmuseum, zu sehen. Wenn keine Sonderausstellungen stattfinden, wird im Erdgeschoss sogar ein Wagen angehängt. Tatsächlich ist diese Waage, wie Recherchen ergaben, aus Neuhaus bei Holzminden 1951 nach Balingen gekommen und wurde dann 1956 aufgebaut.“ Auf der Internetseite der Stadt Balingen, die mit dem Slogan „Deutschlands bedeutendste Waagenstadt“ wirbt, ist zu lesen: „Gigantisch sind die Dimensionen der aus dem 18. Jahrhundert stammenden Heuwaage, einer Laufgewichtswaage, mit der ganze Fuhrwägen samt der Ladung angehoben und gewogen werden konnten.“
Die Neuhäuser Heuwaage wurde 1750 von einem gewissen Jakob Leupold als eine von nur drei Waagen gleichen Typs in Leipzig gebaut (eine weitere Waage aus seiner Werkstatt soll noch in Frankreich existieren). Die ersten Dienstjahre der Waage liegen im Dunkeln. Vermutlich hat sie seit den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts in Neuhaus ihren Dienst versehen.  „Die Gestütsverwaltung hat damit angekauftes Heu und Futtergetreide abgewogen“, erklären Klaus Dannenberg und Heinrich Hugo Noack. Später nutzte die Forst das Gerät zum Auswiegen von Heu für die Winterfütterung. Die Waage war eingebaut in der Scheune des ehemaligen Gestütswärterhauses im Laubhof. Das Fachwerkhaus, heute als Wohnhaus genutzt, stammt aus dem Jahr 1776. „Die Löcher für die Ketten sind noch heute in der Holzdecke zu sehen, und alte Waldarbeiter können sich noch an die Waage erinnern. Sie war nach dem Abbau im Winter 1948/49 zunächst ein Jahr lang im Schloss gelagert, verschwand dann“, so Dannenberg und Noack.
Die Ortsheimatpfleger jedenfalls waren überwältigt von dem Fund, ließen sich mit Informationen und Fotos aus Balingen versorgen, haben aber auch selbst viel herausgefunden über die Heuwaage. Sie wollen ihren Standort am ehemaligen Gestütswärterhaus (hinter dem Haus des Gastes) zu einer von insgesamt 25 Stationen des im Aufbau befindlichen Historischen Rundwegs machen. Eine Tafel soll an die Waage erinnern. In diesem Sommer soll der Historische Rundweg, für den der Solling-Hauptverein die Trägerschaft übernommen hat, eingeweiht werden.
Heinrich Hugo Noack und Klaus Dannenberg wollen mit dem Waagenmuseum im Kontakt bleiben. „Das Museum ist an der Vorgeschichte der Waage interessiert“, sagt Noack. Demnächst will der Fohlenplackener der Neuhäuser Waage im Württembergischen einen Besuch abstatten. (spe)

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