Eschershausen (23.08.08). Es geschah während eines Italienurlaubs: Drei schrottreife Fiat 500 rosteten auf einem abgelegenen Grundstück vor sich hin. Dieses Foto, aufgenommen vom Sohn während einer Urlaubsreise, ging Wilfried Steinhoff in Eschershausens ans Herz. Der ehemalige Bankdirektor, der sich schon immer für Autos interessierte und auch einzelne Fahrzeuge restaurierte, fasste einen Plan: „Mindestens eines dieser Fahrzeuge sollte bald in meiner Garage stehen“. Der 64-Jährige hielt Wort. Heute strahlt vor seiner Haustür ein original Fiat 500, Baujahr 1969, in schönem Himmelblau. Aber bis zum Happy End war es ein langer schwerer Weg, wie Wilfried Steinhoff, langjähriger Vorsitzender des MSC Eschershausen im ADAC, selbst erzählt: „Zunächst muss mal gesagt werden, dass ich mich schon immer für Fahrzeuge aller Art interessiert habe. So wurden mehrere Renault R4 und mindestens zwei VW-Golf wieder fahrbereit gemacht. So enstand mit der Zeit eine reichhaltige Sammlung von Werkzeugen und Spezialwerkzeugen. Dann sah ich die Fotos, die unser Sohn von einem Italienurlaub mitbrachte. Sie zeigten drei auf einem abgelegenen Grundstück abgestellten Fiat 500. Da entstand ein Plan: Mindestens eines dieser Fahrzeuge sollte möglichst bald in meiner Garage stehen. Aber alle Versuche, selbst Hand anzulegen scheiterten vorerst an der Entfernung von fast 1.800 Kilometern bis Perugia (Mittelitalien). Und mit Anhänger über die Alpen zu fahren, schien mir sehr zweifelhaft.
Zwischenzeitlich bin ich dann in „Vorruhestand gegangen“ und hatte plötzlich wieder Zeit für alles. Bei Recherchen im Internet fand ich einen Fiat 500 F Baujahr 1969, der noch einigermaßen aussah und auch preislich meinen Vorstellungen entgegenkam. Außerdem wurde hierbei angeboten, den Transport nach Deutschland ebenfalls zu organisieren. So wurde ich im November 2006 Besitzer des Fahrzeugs und der Fiat 500 Wochen später in Salzgitter abgeladen.
Oh Schreck: entgegen allen Beteuerungen und entgegen allen tollen Fotos aus Italien, war der Kleine total vergammelt, der Motor lag auf dem Rücksitz und man konnte ohne Weiteres durch die Seitenverkleidung das Geschehen auf der gegenüberliegenden Seite beobachten. Trotz allem, hier musste ich durch. Das Auto wurde verpackt und stand kurze Zeit später in meiner Garage.
Am 5. November 2006 habe ich dann begonnen, das Fahrzeug auseinander zu nehmen und zu sichten, wo überall ausgetrennt, abgeklopft, geschliffen und geschweisst werden musste. Nachts habe ich über Internet versucht, Teile für den Wagen zu bekommen. Es ging um Holme, Kotflügel innen und aussen, Türen, Front-und Heckklappe genauso wie um Fensterrahmen und Fahrwerk. Alles wurde, soweit es tragende Teile waren, ersetzt, ansonsten mühevoll mit Schleifpapier metallisch blank gemacht und versiegelt. Abends hatte ich Mühe in die Wohnung gelassen zu werden, weil der ganze Kerl so dreckig aussah.
Schwierigkeiten gab es genug, da ich ja nicht unbedingt vom Fach bin und in meinem Berufsleben mehr ein Schreibtischtäter war. Jedoch: Interessierte Freunde, Nachbarn und Bekannte haben tatkräftig mit zugegriffen und den Wiederaufbau mit Liebe unterstützt. Ansonsten muss man sagen, dass es fast alle Teile für den FIAT-500 bei diversen Händlern in Deutschland und Italien gibt – hat allerdings alles seinen Preis. Der Unterboden wurde erneuert, Bremsen und Bremstrommeln, Radhalterungen und Federbeine und die Lenkung ersetzt.
Dann kam die Aktion mit dem Motor. Ich muss zugeben, dass ich hier ein wenig ratlos war und keiner meiner Freunde so richtig helfen konnte. So war der Motor zwischenzeitlich von einem Fachbetrieb zum Leben erweckt worden. Ich konnte bei einem Probelauf das Aggregat „brummen“ hören, es mitnehmen und anschließend dort einbauen, wo so ein Motor hingehört. Und siehe da, er sprang auch sofort an und das Fahrzeug konnte zum ersten Mal seit etwa zehn Jahren wieder mit eigener Kraft aus der Garage gefahren werden.
Dann kam der Tag, an dem alles zusammen gepackt wurde, um den Fiat in einer Fachwerkstatt „blau machen zu lassen“. Die Farbe ist Originallack aus den 60er Jahren und nennt sich „azuro“. Mit viel Enthusiasmus haben die Fachleute die nicht einfache Aufgabe gemeistert, um aus einer vorhandenen Rohkarosse wieder ein schmuckes Fahrzeug zu machen.
So fehlte im April 2007 nur noch der Zusammenbau der Innen- und Außenausstattung. Also Scheinwerfer, Blinker, Scheiben, Türen. Alles mit der nötigen Vorsicht, um den tollen frischen Lack nicht zu beschädigen. Das Ganze dauerte ungefähr eine Woche und dann kam der TÜV. Vorweg wurden am Fahrzeug sämtliche Einstellungen wie Spur, Bremsen, Vergaser und Kupplung von Fachbetrieben im Ort vorgenommen. Zu meiner großen Freude hat der Mann vom TÜV dann keinerlei Mängel notieren müssen.
Somit stand einer Zulassung des Fiat 500, Baujahr 1969, und der ersten Probefahrt auf öffentlichen Straßen nichts mehr im Wege. Dieser Erfolg hat mich natürlich sehr zufrieden gemacht. Wobei ich sagen muss, dass ein Fiat 500 von 1969 natürlich viel primitiver und einfacher ausgestattet ist als das preiswerteste Fahrzeug der heutigen Tage. So hat das Armaturenbrett lediglich drei Schalter: Licht, Scheibenwischer, Warnblinker. Der Fiat wird mit manuellem Starthebel angelassen und brummt dann vor sich hin. Der 18 PS Zweizylinder Motor braucht 3,5 Liter Normalbenzin auf 100 km und bringt das Fahrzeug auf eine Maximalgeschwindigkeit von 90 km/h.
Bei uns in den Bergen muss man viel schalten und das immer mit Zwischengas, um den Hils hochzufahren, auch im zweiten Gang. Wie müssen sich in den 60er Jahren ganze Familien wohl am Brenner gefühlt haben, als sie mit Sack und Pack gen Italien fuhren? Ansonsten macht das Fahren mit der kleinen „Knutschkugel“ viel Freude. Ich habe durch und mit meinem neuen / alten PKW viele nette Leute eines Oldie-Stammtisches kennen und schätzen gelernt. Wenn ich unterwegs bin, drehen sich viele Leute um, sind interessiert und winken freundlich. Für mich ein Zeichen, dass sich mancher gern an die Zeit vor 40 Jahren erinnert, oder selbst ein derartiges Fortbewegungsmittel fuhr (TAH).







