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Donnerstag, 17. Mai 2012




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„Ich habe meinen Beruf zum Hobby gemacht“

Thorsten Kanand hat am Boden alles im Griff.

Stahle (07.10.06). Nein, das ist kein Ufo, was da langsam von der Erde abhebt. Und der Mann mit der Cyberspace-Brille auch kein Alien. Das Ufo ist eine ferngesteuerte Drohne und der Alien Thorsten Kanand aus Stahle. Dieser plant auch keinen Angriff auf die Menschheit, sondern fotografiert mit seinem Fluggerät friedlich aus bis zu 150 Meter Höhe.

Mit seiner Firma „Sichtpunkt“ hat er sich darauf spezialisiert, diese Luftaufnahmen zu schießen. „Wir decken damit einen Bereich ab, den man mit normalen Flugzeugen nicht erreichen kann“, so Kanand über die Marktlücke, die er mit seiner Drohne ausfüllt.
„600 Gramm wiegt das Gerät nur“, erklärt er sein neues „Spielzeug“ und lädt alles, was man zum Fliegen braucht, aus einer Kiste seines Kombis. „Drei Ingenieure haben sich vier Jahre lang Gedanken gemacht,“ erläutert Kanand die Entstehungsgeschichte seiner Neuheit. Vier Propeller, 80 Zentimeter Durchmesser und eine Hülle aus Kohlefaser sind das sichtbare Ergebnis der langjährigen Entwicklung, die von der Firma „microdrones“ übernommen wurde. Der gelernte Bauingenieur ist einer der vier Firmengründer und vertreibt die fliegenden Fotoapparate zusätzlich zu seinem Angebot als Dienstleister.
Durch das neue Gerät ist seine Arbeit bei „Sichtpunkt“ deutlich leichter geworden. Anfang des Jahres flog er noch mit einem herkömmlichen Modellhubschrauber. „Das war wie eine Murmel auf dem Tablett zu balancieren“, so Kanand über die Schwierigkeiten der vergangenen Jahre. Diese sind nun passé. GPS, Luftdruck-, Luftfeuchtigkeits- und Temperaturmesser sind einige der Zauberinstrumente, die dafür sorgen, dass die Drohne ruhig in der Luft schwebt. Kein Aussteuern und Gegenlenken mehr. Einfach positionieren und abdrücken. „Fünf bis sechs Meter in der Sekunde Wind kann die Drohne ausgleichen“, freut sich der Fotograf. Für die Bilder ist momentan eine Acht-Megapixel-Kamera zuständig. „Nächste Woche habe ich dann zehn Megapixel. Dann werden die Aufnahmen noch besser“, so der Stahler.
Innerhalb weniger Minuten aufgebaut, lautlos in der Luft und völlig frei steuerbar. Mit GPS lassen sich sogar Routen programmieren, die der „md4-200“, so die offizielle Bezeichnung des Geräts, eigenständig abfliegt. Aber ist das nicht auch was für Paparazzi und Schnüffler? „Wir hatten schon solche Anfragen. Bei microdrones achten wir aber darauf, an wen wir verkaufen“, beruhigt Kanand.
Aber dennoch sind auch ganz andere Einsatzgebiete denkbar. Militär, Polizei und Bergwacht setzen inzwischen auf das von „microdrones“ entwickelte Gerät. Mit einer Infrarotkamera können Lawinen-Verschüttete gefunden werden, und die Polizei setzt den kleinen Helfer bei Entführungen ein. Thorsten Kanand beschränkt sich jedoch auf den zivilen Einsatz. Ob für private oder gewerbliche Zwecke, das Einsatzgebiet ist enorm. „Viele Firmen zeigen auf ihrer Internetseite eine Luftaufnahme ihres Firmensitzes. Privatleute lassen auch einfach nur ihr Haus von oben fotografieren.“
Ende des Jahres kommt mit dem „md4-1000“ der große Bruder auf den Markt. Mit anderthalb Meter Durchmesser ist er fast doppelt so groß wie das momentane Modell. „Hier kann man dann über 1,5 Kilo Gewicht dran hängen“, gewährt Kanand einen Blick in die Zukunft. Die Nachfrage ist bereits da. Das Organisationskomitee der Olympischen Spiele in China signalisierte Interesse. „Man kann dann eine Filmkamera darunter hängen, die in alle Welt überträgt“, so Kanand.
Früher arbeitete er noch an der Visualisierung von Gebäuden, inzwischen hat er sich ganz auf das Fotografieren und Filmen verlegt. An seinem neuen Beruf findet der gelernte Bauingenieur inzwischen so viel Freude, dass er seinen Flieger auch privat in die Höhe steigen lässt. „Andere machen ihr Hobby zum Beruf, bei mir war es umgekehrt“, erklärt ein begeisterter Kanand und demonstriert, wie einfach die Drohne zu steuern ist.
Auf dem Parkplatz der Fachhochschule steigt sie, nachdem sie das GPS-Signal gefunden hat, hoch über die Dächer der Stadt, bis sie nicht mehr größer erscheint als ein Vogel. Mit der Brille sieht man, was die Kamera sieht, und über einen Knopf an der Fernsteuerung wird sie ausgelöst. Nach 20 bis 30 Minuten muss sie dann spätestens wieder auf den Boden. „Länger hält der Akku nicht“, so Kanand.
„In der Zukunft kann man die Drohne auch mit einem Handy viele Kilometer weit weg bedienen“, sieht der Modellhubschrauberpilot die Entwicklung noch nicht am Ende. Im Moment ist das aber noch Zukunftsmusik. Aber das wurde am Anfang der Entwicklung zum „md4-200“ sicherlich auch gesagt. Weitere Informationen unter: www.sichtpunkt.de (wue).

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