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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Ilex, Lycopodium und Salamandra salamandra auf engstem Raum

Henning Städtler hält die botanischen Besonderheiten mit der Kamera fest.

Mainzholzen (23.10.04). Mit ihren grünen, außen dornig gezähnten, stark glänzenden Blättern und den leuchtend roten Beeren scheinen einige Bäume einfach nicht so richtig in den alten Fichtenwald am „Forstort Bottenborn“ südlich von Mainzholzen zu passen. Und sie tun es auch nicht. „Ilex aquifolium“ ist im Volksmund besser bekannt als „Stechpalme“. Zwar wird das Gewächs dem einen oder anderen aus Gärten oder Parks, wo der immergrüne Ilex gern als Busch oder Hecke gepflanzt wird, bekannt sein, wild wachsend ist er im Revier am Elfaß aber eine echte Seltenheit.

Nur wenige Meter von einem Waldweg entfernt hat Walter Renneberg, Revierleiter der Revierförsterei Elfaß in Vorwohle, die in dieser Region sehr seltene Pflanze bereits vor Jahren entdeckt. „Damals war sie nur wenige Zentimeter hoch“, so Renneberg, der das Alter des prächtigsten und größten Exemplars der Bäume deshalb relativ genau schätzen kann. Mit rund 20 Jahren ist die „Stecheiche“, wie der Ilex auch genannt wird, noch recht jung, hat mit etwa acht bis zehn Metern aber bereits seine Maximalhöhe von rund zehn Metern erreicht. Bis zu 300 Jahre können die Bäume alt werden. Unter locker gestellten Fichten steht das härteste und immergrüne Laubgehölz im Revier am Elfaß, das seine Pracht besonders im Herbst und Winter zeigt. Während der Blüte entstehen am Baum kleine weiße Blüten. Später entwickeln sich Beeren, die ihre Farbe von Grün über Gelb schließlich zu leuchtendem Rot im Herbst verändern. „Besonders mit dem ersten Schnee ist die Stechpalme mit ihren roten Beeren ein echter Hingucker“, weiß Renneberg. Während die leuchtend roten Beeren für einige Vögel ein echter Leckerbissen sind, sollten Menschen lieber die Finger davon lassen.
Denn genau wie die Blätter, enthalten die Beeren Giftstoffe. Bereits zwei Beeren können beim Menschen Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. „20 bis 30 Beeren können lebensbedrohlich werden“, verrät Henning Städtler vom zuständigen Forstamt Dassel. Städtler ist dort für Waldökologie, Naturschutz und Umweltbildung zuständig. Er freut sich natürlich über die Pracht im Elfaß. Vor allem in dieser Größe sei der Ilex hier eine absolute Seltenheit. Ähnliche Pflanzen gebe es noch im nördlichen Niedersachsen zu bewundern, gewöhnlich finde man diese atlantisch-mediterrane Pflanzenart jedoch eher in Süd- und Westeuropa.
Die Stechpalme erfreut sich in Europa übrigens besonders zur Weihnachtszeit großer Beliebtheit. Schon im Mittelalter holte man die Zweige mit ihren leuchtend roten Früchten als Sinnbild für ewiges Leben ins Haus. Rot und grün sind bis heute die traditionellen Weihnachtsfarben. Im englischen Sprachraum wird der Ilex „Holly Tree“ genannt und ist das Weihnachtssymbol schlechthin. „Der deutsche Begriff Stechpalme oder auch Palmendorn“, erklärt Städtler, gehe möglicherweise auf die Verwendung der Pflanze zu Gebinden am Palmsonntag (eine Woche vor Ostern) zurück. Im Mittelalter schrieb man dem Ilex sogar Zauberkraft zu. Vor Blitzschlag sollte er über dem Hauseingang schützen.
Daneben fand er als abführendes und Fieber senkendes Mittel zwischenzeitlich Aufnahme in die Volkskeilkunde. Bezahlen musste man die Behandlung jedoch meist mit einer folgenden Vergiftung.
Neben der großen Beliebtheit als Deko-Pflanze, war das feste Holz des Ilex besonders für Drechselarbeiten aller Art beliebt. Die Stechpalme wurde deshalb zeitweise in großen Mengen abgeholzt. Die übermäßige Nutzung führte dazu, dass sie bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Status einer geschützten Art erhielt. Und der gilt natürlich auch heute noch.
Dass Walter Renneberg südlich Mainzholzens ein echtes „Mekka“ für Freunde geschützter Arten gefunden hat, wird bei der Fortsetzung seiner Führung klar. Nur wenige hundert Meter weiter zeigt er eine andere seltene Pflanze, die allerdings weit weniger auffällig den Wegrand ziert.
Ein hellgrüner Pflanzenteppich erinnert aus der Entfernung an Moos. Tatsächlich sind die Bärlappe aber Verwandte der Farne und verschwindend kleine Nachfahren ihrer baumgroßen Ahnen, die vor mehr als 300 Millionen Jahren in der Karbonzeit wuchsen. Im Elfaß hat sich der „Sprossende Bärlapp“ (Lycopodium annotinum) angesiedelt. Die Sprossen des Bärlapps kriechen oft mehrere Meter über den Boden und bilden zahlreiche bis zu 30 Zentimeter lange Ästchen, die mit nadelförmigen Blättern besetzt sind. Am Ende sitzen ihre auffällig hellen Sporenbehälter. Aus den schwefelgelben Sporen entwickeln sich oft erst nach ein bis zwei Jahrzehnten Vorkeime, aus denen neue Pflanzen entstehen. Die Sporen des „Schlangenmoos“, wie der Bärlapp auch bezeichnet wird, spielten übrigens im Aberglauben unserer Vorfahren eine wichtige Rolle. Als „Hexenmehl“ sollten sie nässende Wunden heilen. Die Pflanzen selbst - am Körper getragen - galt als Schutz vor Hexen und Alpträumen. Das leicht entzündliche Sporenpulver wurde zwischenzeitlich sogar für Feuerwerke eingesetzt. Bläst man es in eine Flamme, entstehen explosionsartige Stichflammen. Heute spielt Lycopodium in der Homöopathie eine wichtige Rolle. Der Name Bärlapp leitete sich übrigens aus dem Althochdeutschen ab. „Lappo“ steht für „flache Hand“; die Stängelspitzen verglich man mit der Tatze eines Bären. „Nur weil die Pflanze hier bewusst von den beschatteten Buchen freigestellt wurde, hat sie sich über mehrere Quadratmeter ausbreiten können“, erklärt Hennig Städtler und dankt dem Revierleiter für eine „Naturschutzmaßnahme par excellence“. Für Renneberg selbstverständlich. Trocken merkt er allerdings an: „Wir können natürlich nur schützen, was wir auch kennen.“ Während die Stechpalme doch sehr auffällig daher kommt, könne man am Bärlapp schon eher vorbeilaufen.
Beide Forstleute stellen fest: „Zwei so seltene Arten auf engstem Raum sind schon eine Besonderheit.“ Und das, zumal sich noch eine dritte geschützte Art dazugesellt. Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist von den seltenen Pflanzen in seiner Umgebung allerdings wenig beeindruckt und sucht schnell das Weite.
Gleich mehrere gestreifte Salamander hat Walter Renneberg in unmittelbarer Nähe von Ilex und Lycopodium entdeckt. Zu sehen bekommt man das nachtaktive Tier nicht sehr häufig. Im Sommer sind Feuersalamander bei Regen nach langen Trockenperioden allerdings oft noch in den Morgenstunden unterwegs. Der Feuersalamander gehört zur Klasse der Amphibien und fühlt sich in Laubmischwäldern wohl, von denen es in Solling und Elfaß noch genügend gibt. Im Frühjahr suchen sich die Weibchen kleine Bachläufe und Tümpel, um dort ihre Larven abzulegen. Aus den Larven wachsen später Salamander, die bis zu 20 Zentimeter groß werden können. Sowohl der gestreifte, als auch der gefleckte Salamander trägt sein typisches Muster auch nach der Häutung sein Leben lang. Und das können schon einmal über 20 Jahre werden. Fressfeinde fürchtet er übrigens nicht. Sie erkennen ihn an der auffälligen Färbung und haben den Appetit bereits verloren. Sein giftiges Hautsekret verursacht auch beim Menschen, vor allem an Schleimhäuten, starke Reizungen.
Wo genau im Elfaß die seltenen „Waldbewohner“ zu finden sind, möchte Renneberg übrigens nicht verraten. Wer seine Augen beim Spaziergang offen hält, der kann aber zumindest den Bärlapp finden. Die Feuersalamander machen sich inzwischen ohnehin rar. Sie bevorzugen ihre Winterstarre (ste).

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