Boffzen (28.05.2011). Rudi Völlers Antwort war einfach großartig. Matthias Adler zeigt stolz die Autogramme des Ex-Nationalstürmers und der aktuellen Bundesliga-Mannschaft von Bayer Leverkusen. „Eigentlich wollte ich nur ein Autogramm von Rudi Völler, aber in der Antwort waren mit Widmung die Bilder samt Unterschriften aller Bayer-Spieler und Trainer.“ Matthias Adler bekommt oft Post von Prominenten, denn der Boffzer sammelt Autogramme. Über 400 von bekannten Persönlichkeiten und Stars aus der ganzen Welt hat der fleißige Sammler schon zusammengetragen. Und dabei sind einige echte Schätze.
„1984 hat meine Sammelleidenschaft begonnen“, erinnert er sich. „Damals wollte ich unbedingt ein Bild mit Unterschrift von Bundeskanzler Helmut Kohl haben.“ Allerdings musste Adler wochenlang auf Antwort warten. In der Zwischenzeit schrieb er an den damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher – ebenfalls mit der Bitte um ein Autogramm. Genschers Antwort war schon nach einigen Tagen da, und dann kam auch Post vom damaligen Bundeskanzler mit der gewünschten Karte. „Damals hat es angefangen und mich nicht mehr losgelassen.“
Inzwischen kann Matthias Adler auf eine über 400 Stück starke Sammlung schauen. Dabei geht er systematisch vor. Alle deutschen Bundeskanzler seit Kurt Georg Kiesinger und alle Bundespräsidenten seit Roman Herzog sind ebenso in seinem Bestand wie die wichtigsten deutschen Landes- und Bundespolitiker der vergangenen 20 Jahre. Aber auch Film- und Fernsehstars, Sportler, Schlagersänger und Musiker gehören zu den bevorzugten Sammelobjekten. „Viele meiner Autogramme habe ich per Post bekommen.“ Er schreibt Prominente an, bittet mit einem netten Anschreiben um ein Bild mit Unterschrift und legt dann einen korrekt frankierten Rückumschlag dabei.
„Man sieht übrigens sehr schnell, wer wirklich antwortet oder wer antworten lässt“, schmunzelt Adler. Viele Politiker und Stars verbinden die Autogrammkarte mit einer Widmung. Von Heidi Klum hat Adler ein Bild mit Herz, und Joachim Fuchsberger schreibt ausdrücklich „Für Matthias“ auf sein Bild. Boris Becker hat sich gleich doppelt bedankt. Auf seinem Foto hat er unterschrieben und auf der Rückseite bedankt er sich bei Matthias Adler „für die netten Zeilen und herzlichen Grüße“. Einige haben kein Foto, aber eine Unterschrift zurückgeschickt. „Von der früheren britischen Premierministerin habe ich nur eine Unterschrift.“
Auch ein Original-Autogramm von Erich Honecker gehört zur Adler-Sammlung. „Mit Datum hat er unterschrieben“, so Adler. Genau ein Jahr, bevor er von seinem eigenen Politbüro abgesetzt wurde. Bei den US-Präsidenten habe es in den letzten Jahren einen interessanten Wechsel gegeben. „Von Reagan, Clinton und Bush senior habe ich noch echte Unterschriften bekommen. Bush junior und Obama haben nur Fotos geschickt.“ Stolz ist Adler auf besondere Autogramme wie das des Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela und des polnischen Gewerkschaftsführers und Staatspräsidenten Lech Walesa.
„Ich richte meine Sammlung auch nach aktuellen Ereignissen aus.“ So gehören die Verhandlungsführer von „Stuttgart 21“ zu den neusten Erwerbungen in der Sammlung von Matthias Adler. Viele Autogramme hat sich der Sammler auch persönlich geholt. Uwe Seeler, Claudia Roth oder Gerhard Schröder haben dem Mann aus Boffzen persönlich ihre Unterschrift gegeben. „Man spricht mit den Promis dabei ein bisschen und erlebt sie hautnah.“ Claudia Roth habe er beispielsweise als sehr nette und verbindliche Frau kennengelernt.
Es gibt nur wenige Persönlichkeiten, die sich Matthias Adler bislang verweigert haben. „Tony Blair hat niemals geantwortet“, berichtet Adler. Dieter Bohlen musste zweimal gebeten werden, bevor er reagierte. Von Michael Schumacher habe er erst eine Antwort bekommen, als er von Ferrari zu Mercedes wechselte. „Sebastian Vettel hat bis heute noch nicht geantwortet.“ Eine Antwort hat Matthias Adler allerdings wirklich verblüfft.
Vor Jahren hat er Ajatollah Khomeni in der islamischen Republik Iran angeschrieben und um ein Bild samt Unterschrift gebeten. Mehrere Jahre wartete Adler vergeblich auf Antwort. Dann, einige Jahre nach dem Tod des Ajatollah, kommt ein Brief aus der Präsidentenkanzlei in Teheran nach Boffzen. In Englisch bat man Matthias Adler um Nachsicht, dass man erst jetzt auf seinen Brief reagiere. Man habe niemals erwartet, dass Menschen Interesse für ein Bild mit Autogramm des Ajatollah haben würden. Im Iran rechne man nicht mit solchen Wünschen. Deshalb sei man auf eine solche Bitte nie vorbereitet gewesen. Als Ersatz schicke man anbei ein Foto und einen ausführlichen Lebenslauf des iranischen Revolutionsführers.
Jüngste Neuerwerbung ist das Autogramm der Tatort-Kommissarin Maria Furtwängler. „Ich werde meine Sammlung weiter aufstocken“, hat sich Adler vorgenommen. Als nächstes stehen die Klitschko-Brüder auf seiner Wunschliste. Und dann will sich Matthias Adler an die Aktualisierung seiner Nato- und Uno-Liste machen. „Vielleicht wäre es möglich“, formuliert der Sammler einen ganz speziellen Wunsch, „dass auch andere Menschen an meinen Autogrammen teilhaben können. Eine Ausstellung mit den Karten wäre für mich eine wunderschöne Sache. Vielleicht ist das irgendwann einmal möglich.“(fhm)

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