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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Im Keller verbirgt sich ein Denkmal von europäischer Bedeutung

Die Archäologen legten den Grundstock eines alten Brennofens frei.

Kreis Holzminden (12.10.2007). Die Idee der Gemeinde Fürstenberg führt die Forscher auf die richtige Fährte. Mitten in Fürstenberg sollen historische Gebäude einen neuen Zweck erhalten. Bürgermeister Uwe König und die Mitglieder des Gemeinderates sind sich einig, dass die Gebäude aus der Anfangszeit der Porzellanmanufaktur Fürstenberg erhalten werden müssen. Sie kaufen das Brennhaus, die Windmühle und die frühere Arbeitersiedlung „Lange Reihe“, planen für das Brennhaus eine Nutzung als Dorfgemeinschaftshaus mit gastronomischer Nutzung und machen sich an die Umsetzung dieses Planes. Historiker und Archäologe Dr. Herbert B. Gardener Mac Taggert untersucht das Brennhaus und stößt dabei auf etwas, mit dem niemand gerechnet hat. Im Keller des Brennhauses entdeckt Mac Taggert die Reste der ersten Fürstenberger Porzellanfabrik, die Keimzelle der Porzellanmanufaktur. Jahrzehntelang wurden dort Holz und Kohlen aufbewahrt, Kartoffeln und Einmachgläser eingekellert und Kaninchen gehalten. „Gerade in den Kartoffellagern hatten sich hohe Erdschichten im Lauf der Jahrzehnte angesammelt“, berichtet Dr. Mac Taggert. Nachdem die Erdschichten abgetragen wurden, entdeckt man die Reste alter Brennöfen. In mehreren Räumen werden jeweils Reste von zwei dieser über 250 Jahre alten Öfen freigelegt.
Bei der genauen Untersuchung der alten Planunterlagen aus den Jahren 1749, 1898 und 1914 erkennt Mac Taggert einen Bereich direkt am alten Brennhaus, der heute im Erdreich verborgen liegt und über dem bis vor einigen Jahren noch ein Kleintierstall stand. Dieser Bereich muss ebenfalls zum Brennhaus gehören.
Als Archäologen dieses Areal freilegen, findet man weitere Brennöfen, Schächte und richtige Lüftungssysteme. Auch werden Spuren von Lagersystemen und Vorratseinrichtungen freigelegt. Zu den gemachten Funden gehören viele Porzellanscherben, darunter verglühte, glasierte, verzierte und Fehlbrandfragmente. Große Mengen an gebrannten Ofenwandungsteilen aus Lehm befinden sich ebenfalls im Kellerschutt sowie Eisennägel und Türbänder. Wichtigstes Stück unter den Funden ist eine Scherbe mit dem blauen F, das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus den 50er Jahren des 18. Jahrhunderts stammt und damit das älteste Stück Fürstenberger Porzellans sein dürfte.
Das Brennhaus, sagt Dr. Mac Taggert, diente nicht nur als „Brennhaus“, sondern hatte mehrere Funktionen in der ersten Fürstenberger Porzellanfabrik. So könnte ein Teil als Holztrockenhaus gedient haben, weil Holz als Brennmaterial für die Öfen trocken gelagert werden musste. Mit dem Holz mussten Temperaturen von 1.400 Grad in den Öfen erreicht werden, was mit feuchtem Holz schlichtweg unmöglich ist. Keinen Hinweis ergaben die Grabungen auf die Nutzung der oberen Stockwerke. Es bleiben nach den Untersuchungen im alten Brennhaus noch einige offene Fragen, die für die Entstehungsgeschichte der Fürstenberger Porzellanmanufaktur von besonderer Wichtigkeit sind. Wie sahen die Öfen im Keller des Brennhauses genau aus, wie waren die Öfen beschaffen, in denen 1753 die ersten Fürstenberger Porzellanstücke gebrannt wurden?
Deutlich wird durch die Untersuchungen von Dr. Mac Taggert, dass in Fürstenberg ein Industriedenkmal von europäischem Rang gefunden wurde. Hier befinden sich die ältesten Brennöfen, die für die industrielle Porzellanherstellung in Europa errichtet wurden. Bisher wurde so etwas noch nirgendwo in Deutschland oder den anderen europäischen Ländern entdeckt.
Herzog Karl von Braunschweig war 1744 der Initiator der Porzellanmanufaktur Fürstenberg. In diesem Jahr fasste er den Plan, in seinem Herzogtum eine Porzellanmanufaktur zu errichten. Porzellan hatte sich im 18. Jahrhundert zum begehrten Luxusprodukt an den europäischen Königs- und Fürstenhöfen entwickelt. Und da gerade im Solling viel Holz als Brennmaterial zu Verfügung stand, sah es der braunschweigische Herzog als günstige Gelegenheit, diesen begehrten Artikel selbst herstellen zu können. 1747 erging der Auftrag an Johann Georg von Langen, 1749 waren die neue Mühle und das Brennhaus in Fürstenberg fertig und konnten bezogen werden. Allerdings konnte damit die Porzellanherstellung noch nicht beginnen.
Am Hof in Braunschweig hatte man keine Vorstellungen von den besonderen Fertigkeiten und Materialien, die für die Porzellanherstellung notwendig sein. Gleichzeitig nutzten Scharlatane und Betrüger die Leichtgläugigkeit und Gier der Fürsten aus und versprachen ihnen allerlei Wundermittel zur Herstellung von Porzellan. Erst im Dezember 1753 konnten die ersten, vorzeigbaren Porzellanstücke hergestellt werden. Herzog Karl war begeistert und verfügte, dass künftig die Produkte seiner Porzellanfabrik mit dem F versehen werden müssten. Allerdings ließ nach der ersten Euphorie das Interesse an der neuen Porzellanfabrik in Fürstenberg sehr schnell nach. Der Herzog beschäftigte sich mit anderen Problemen der Politik, Johann Georg von Langen ging anderen Interessen nach. Die ersten Mitarbeiter der Porzellanfabrik wurden häufiger im Dorfkrug als im Brennhaus gesehen. Nach dieser ersten Hängephase setzte ab 1755 wieder eine Steigerung ein. Es wurden qualitätsvolle Produkte erstellt, die besonders wegen ihrer künstlerischen Güte für Aufsehen sorgten. Der Siebenjährige Krieg beendete dann den ersten Aufschwung in Fürstenberg. Der Konflikt zwischen Preußen und England auf der einen Seite sowie Frankreich und Österreich an der anderen zog das gesamte Reich in Mitleidenschaft. 1757 befahl der Herzog, die weiße Ware aus Fürstenberg nach Braunschweig zu schaffen und den heranrückenden französischen Truppen auf keinen Fall das Wissen der richtigen Porzellanherstellung zu hinterlassen. Deshalb mussten die Öfen im Brennhaus zerstört werden. Erst nach Ende des Krieges, im Jahr 1763, kehrten die Arbeiter wieder nach Fürstenberg zurück, das Brennhaus wurde wieder genutzt (fhm).

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