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Samstag, 31. Juli 2010




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„In der bescheidenen Badeanstalt erlebten wir eine glückliche Jugend“

Badefreuden in der Weser anno dazumal. Man beachte: Die Herren trugen selbstverständlich Badeanzug!

Holzminden (26.09.09). Die Freibadsaison ist gerade zu Ende gegangen. Durch einen glücklichen Zufall fiel mir ein TAH-Bericht von unserem unvergessenen Freund Karl Weidanz, der im Jahre 2000 verstarb, in die Hände.
Vielleicht mag die heutige Jugend auch noch lesen, was für fröhliche Stunden wir als Kinder in der „Unteren Badeanstalt“ verlebten.
Ich durfte schon im Vorschulalter allein oder mit Nachbarkindern in die Badeanstalt gehen. Meine Eltern wussten mich in guter Obhut von Herrn Martin, unserem lieben Bademeister, dem man sich anvertrauen durfte, wenn man allein war oder Hilfe brauchte, den man gern hatte und vor dem man Respekt hatte! Ein bisschen fürchtete man sich auch vor ihm wegen seines enormen Umfangs.
Meine Eltern waren noch jung und gingen auch öfter mit meinem Bruder und mir zum Schwimmen. Ein besonderes Vergnügen war es für uns Kinder, wenn die Eltern uns mitnahmen zur „Oberen Badeanstalt“. Dann durfte ich auf dem Rücken meines Vaters mit die Weser runterschwimmen bis zur „Unteren“ – ein unvergessliches Erlebnis! Anschließend wurde ich vergattert, niemals allein in die offene Weser zu gehen oder mich – wie die größeren Jungen es taten – an ein Bockschiff stromaufwärts zu hängen. Dazu war ich auch viel zu ängstlich!
Wir waren glücklich in unserer Badeanstalt! Herr Martin passte auf, dass uns nichts passierte. Ich hab ihn als einen riesengroßen Menschen in Erinnnerung! Später, als ich so zwölf, 13 Jahre alt war, so um das Jahr 1937 herum, „regierte“ das Ehepaar Bohnert von der „Oberen“ auch in der „Unteren Badeanstalt“.
Als ich an einem Regentag einziger Gast in der Badeanstalt war, sorgte Tochter Hildegard Bohnert dafür, dass ich einen anständigen Kopfsprung lernte, das heißt, ich stand vorn auf dem Ein-Meter-Sprungbrett, die Zehen um das Brett gekrallt. Hilde kniete hinter mir, hielt mich an den Füßen fest, ich sprang mit Schwung und ausgestreckten Armen, den Kopf angezogen ins fließende Wasser,  und Hilde ließ dabei meine Füße los. Nachdem ich das diesen Vormittag 65 mal (ehrlich) hintereinander vollbracht hatte, bekam ich das „Reifezeugnis“: ein dickes Lob von Vater und Tochter Bohnert! War ich stolz! Und habe damit in der Schule mächtig angegeben – und hatte nachmittags Kopfweh. Auch in der bescheidenen Badeanstalt erlebten wir eine glückliche, unbeschwerte Jugend, und wir brauchten fast kein Geld dazu.
1938 war die neue Badeanstalt mit Zehn-Meter-Sprungturm am Stahler Ufer fertig. Hier verdienten wir uns unsere Grund- und Leistungsscheine. Im Winter durften wir im Hallenbad der Wesersperrholzwerke von der Schule aus schwimmen. Dieses Bad wurde beim Bombenangriff im April 1945 zerstört.

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Täglicher Anzeiger Holzminden

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