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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Kinderglück im Rumohrtal

Kindergeburtstag 1928 im Rumohrtal. Die kleine Elisabeth mittendrin (Fünfte von links, mit Hut).

Holzminden (14.05.2011). Mit Freude denke ich noch heute daran zurück. Meine Cousine Lorchen hatte im Juni Geburtstag. Alle Nachbarkinder und Freunde waren dazu eingeladen. Wir Mädchen wurden mit der Kutsche transportiert, die Jungen durften schon mit dem Rad fahren. Auf ging’s in Richtung Rumohrtal, wo unsere Verwandten ein Wochenendhaus zur Verfügung hatten. Für uns Kinder ein Paradies. Nach fröhlicher Kutschfahrt gab es nach Kaffee und Kuchen lustige Spiele, zum Beispiel Sackhüpfen, Eierlaufen, Suchen- und Kriegenspielen und und .... Tante Mariechen umsorgte uns liebevoll, Onkel Karl fuhr abends die todmüde Kindergesellschaft wieder heim.
Aber auch ohne Geburtstagsfeier verlebten wir herrliche Wochenenden im Rumohrtal. Als Spielgefährtin der Cousinen wurde ich oft mitgenommen. Doch vor den Preis hatten die Götter den Schweiß gesetzt: Am Tag vor dem Ausflug bekam jedes Kind auf dem Hof in der Halbmondstraße ein totes Täubchen in die Hand gedrückt, noch ganz warm und ohne Kopf. Das galt es zu rupfen. Ich spüre noch heute die Wärme des kleinen toten Vogels in der Hand. Ich tat mich sehr schwer damit, ihm die Federn auszurupfen. Aber die anderen Kinder taten es, also musste ich es auch tun. Essen mochte ich allerdings am Sonntag von dem gebratenen Täubchen nichts, nur von der köstlichen Füllung.
Im Häuschen im Rumohrtal angekommen, warfen wir allen Ballast von uns, tobten im Badezeug im nahegelegenen Steinbruch herum. Dabei ist es einmal passiert, dass Lorchen, die wilde Hummel, abstürzte. Das war eine große Aufregung! Zum Glück ist es bei ein paar Schürfwunden geblieben.
Unsere älteren Brüder veräppelten uns Mädchen, pflückten Hagebutten am Straßenrand, schlitzten sie auf und steckten uns die Kerne als „Juckepulver“ in den Halsausschnitt, woraufhin wir laut kreischten.
Jenseits der Straße durften wir in und an der Holzminde spielen. Jedes Kind hatte eine leere Dose, und nun wurden „Steckerböcke“ und kleine Frösche gefangen, die wir stolz unseren Eltern präsentierten. Meine Mutter gab den Tieren am Abend die Freiheit wieder... Unvergessene Kindheitstage! Die schönen Stunden im Rumohrtal waren aber nicht nur für Kinder paradiesisch. Es gab auch „Sippentreffen“, bei denen sich mehrere Familien mit Kind und Kegel zu fröhlichem Beisammensein trafen. Alle waren vergnügt und frohen Mutes, wie man auf den Fotos sieht. Heutzutage sind alle Feiern aufwändiger, auch die Kindergeburtstage. Ob die Kinder heute glücklicher sind, als wir es damals waren? (Elisabeth Gümmer)

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Täglicher Anzeiger Holzminden

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