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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Köterhof am Ochsenbrink mit Kunst und Kuchen

Reileifzen (14.10.00). Der Köterhof am Ochsenbrink in Reileifzen ist ein wenig bekanntes Kleinod im Kreis Holzminden. Als Bewohner dieser Region braucht man nicht erst zu einem entfernten Freilichtmuseum zu reisen, um die Lebensbedingungen unserer Vorfahren nostalgischerweise zu erleben.

Die Sparkassenstiftung hat an den Köterhof am Ochsenbrink den Denkmalspreis vergeben. Der Köterhof wurde am Tag des offenen Denkmals von erfreulich vielen Interessenten besucht, die von der Atmosphäre und nicht zuletzt von Kaffee und Kuchen begeistert waren, die bei einem Plauderstündchen serviert wurden. Bereits vor dem 30-jährigen Krieg stand an dieser Stelle ein Hof. Er gehörte dem Kloster Amelungsborn, das in Reileifzen Ländereien besaß.
Im 30-jährigen Krieg wurden alle Häuser der Ortschaft zerstört. 1755 baute der Großköter Johann Harm Ohm an dieser Stelle das jetzige Vierständerfachwerkhaus. Es ist heute das älteste noch existierende Haus in Reileifzen. Im Bestandsbericht von 1760 findet man vermerkt, dass dieses Haus bereits ein Steindach im Gegensatz zu den Strohdächern der meisten anderen Häuser besaß. Schornsteine waren noch nicht üblich. Der Rauch von den Feuerstellen zog durch das ganze Haus, weshalb die Balken noch heute vom Ruß geschwärzt sind.
Obwohl es sich um einen Großköterhof handelte, besaß Johann Harm Ohm nur ein Pferd, eine Kuh und ein Schwein. Das Ackerland war zu kostbar, um den Ertrag an das Vieh zu verfüttern oder Viehweiden anzulegen. Wusste man doch bereits damals, dass man sieben Mal mehr Ertrag aus fruchtbarem Boden für die Ernährung benötigte, wenn man sich mit Fleisch statt mit den Feldfrüchten direkt versorgen wollte.
"Köter" ist eine alte Bezeichnung für "Bauer". Sie findet ihren Ursprung in dem Wort Kate, in welcher der Bauer mit seinem Vieh lebte. Der Erbauer des Hauses hat einen ungewöhnlichen Balkenspruch eingelassen: "Ach Gott, wie geht es nunmehr zu, daß mich die hassen, den ich nichts tue, die mir nichts gönnen und nichts geben müssen doch leiden, daß ich lebe. A.O. 1755 Johann Harm. Ohm."
Die Frondienste für den Köterhof mit der Hausnummer 16 bestanden bis 1835 aus 104 Tagen Dienst mit der Hand für Forst und Domäne. Ebenso waren Spanndienste zu erbringen. Als Nebenverdienst wurde die Leineweberei eingeführt. Mit dem Kartoffelanbau begann sich die Ernährungslage der Bevölkerung zu bessern, zumal das Ackerland in Reileifzen zum Teil nur einen geringen Fruchtbarkeitswert besaß.
Mit der Abschaffung des Frondienstes erlebte der Köterhof mit dem gesamten Dorf einen Aufschwung. So wurden Anbauten für Stall und Scheune erstellt, was sich bis ins 20. Jahrhundert hinzog. Das Haus wurde zum reinen Wohnhaus umgebaut, nachdem das Vieh in einen eigenen Stall umzog und die Wagen in der Scheune untergebracht werden konnten.
1990 hat Waltraud Bonrath den Hof erworben und das alte Haus weitgehend in den alten Zustand zurückgebaut. Es wurde mit alten Lehmtechniken gearbeitet unter Berücksichtigung aller baubiologischer Gesichtspunkte. Frau Bonrath stellt heute den einen Teil des Anwesens für Seminare und den anderen Teil für Gruppen und Familienfeiern zur Verfügung.
Der Köterhof hat mehr zu bieten, als nur als Denkmal bewundert zu werden. Er vermittelt ländliche Beschaulichkeit und Dorfidylle im Weserbergland als seltenes Erlebnis. Frau Bonrath öffnet an drei Sonntagen im Oktober wieder das Tor des Köterhofes, um Ausflügler zu einer Kunstausstellung sowie zu Kaffee und Plattenkuchen einzuladen.
An diesen drei Tagen stellen Norbert Müller aus Rühle Ölgemälde und Gabriele Müller aus Rühle Keramikbilder unter dem Motto "Landschaft und Natur" aus. Der Eintritt ist frei. Die Öffnungszeiten sind jeweils sonntags von 11 bis 17 Uhr am 15., 22. und 29. Oktober. (nig)

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