Boffzen (15.12.01) Der Motor heult auf, Späne fliegen, Gerhard Schoppe ist in seinem Element. Präzise, ja gefühlvoll lässt der 31-Jährige seine Motorsäge an einem unförmigen Holzblock entlang gleiten. Immer wieder, eine Stunde lang, oder auch zwei. Und allmählich nimmt der grobe Holzklotz Gestalt an. Gerhard Schoppe stellt seine Motorsäge ab und betrachtet sein neues Schmuckstück: Er hat einen Weihnachtsengel geschaffen - ganz aus Holz und nur mit Hilfe seiner Motorsäge.
Etwa einen halben Meter groß ist die Figur. Wie es sich für einen Weihnachtsengel gehört, hat er zwei Flügel und ein wallendes Gewand. Ganz fertig ist die Figur allerdings noch nicht. Der Boffzener greift zur Lötpistole und richtet die blaue Flamme auf den Holzengel. Die Kanten und Kerben färben sich schwarz, so kommen die Konturen besser zur Geltung. Noch eine kleine Perücke mit silbernen Locken aufgesetzt, fertig ist der Weihnachtsengel.
Eigentlich ist Gerhard Schoppe gelernter Schlosser, arbeitet in der Boffzener Glashütte Noelle und Campe. Den Umgang mit der Motorsäge hat er sich selber beigebracht. "Wir haben immer mit Holz geheizt, da musste ich schon als Kind beim Brennholz helfen", erklärt der 31-jährige seine Beziehung zum Werkstoff Holz. Mit der Motorsäge nicht nur Kleinholz zu machen, sondern künstlerisch tätig zu werden, ergab sich im vergangenen Jahr. Beim Expo-Projekt Schönhagen hat er sich die Idee "von jemandem aus Bayern abgeguckt". Mit Pilz-Motiven fing alles an. Mittlerweile macht er Vogelhäuschen, Schwäne, Eulen, Kerzenhalter, Weihnachtskrippen und vieles mehr. "Motive finden sich überall", sagt er, "in Zeitschriften oder auf anderen Ausstellungen." Meist Gegenstände oder Figuren aus anderem Material, die Schoppe in Holz umsetzt. Konkrete Vorlagen braucht er nicht, auch keine Vorzeichnungen im Holz. "Das wird nichts", hat er gemerkt. Er sägt lieber frei drauf los. Nur gut abgelagertes Holz, überwiegend Lärche oder Eiche, kommt ihm unter die Säge. Die fertigen Figuren werden nur noch "abgeflämmt", sonst aber naturbelassen und nicht lackiert. Sie sind wetterbeständig, können auch im Garten aufgestellt werden. Sein bislang liebstes Stück ist ein "Riesenzwerg". "Auf den bin ich stolz", gibt Gerhard Schoppe zu. Der Zwerg ist beachtliche 1,50 Meter groß, hat einen üppigen Bart und kann zu dieser Jahreszeit - mit roter Mütze dekoriert - auch als Weihnachtsmann durchgehen. "Einen ganzen Sonntag habe ich an dem gesägt", sagt Schoppe. Beschwerden von Nachbarn wegen Ruhestörung braucht er nicht zu fürchten: Mit seiner Frau Cornelia, Sohn Nils (7) und Hündin Berta lebt er in einem sehr abgelegenen Haus am Boffzener Waldrand.
Seine Werke zeigt er mittlerweile bei einzelnen Ausstellungen oder Weihnachtsmärkten. Bei der Holzmesse "HolATec" in Holzminden im Herbst hatte er seinen ersten "Auftritt", auch beim Weihnachtsmarkt in Winnefeld ist er vertreten. Eine kleine Auswahl seiner Objekte zeigt er auch in einem Boffzener Blumenhaus.
So lange er Ideen für Motive hat, will Gerhard Schoppe diesem Hobby weiter nachgehen. Und vielleicht erweitert er seinen Bereich noch etwas: Mittlerweile kommen erste Anfragen, ob er nicht Baumstümpfe, die in manchen Gärten noch stehen geblieben sind, in Figuren verwandeln kann. "Das werde ich im nächsten Jahr versuchen."
Und sollte eine Figur einmal nicht gelingen, ist das nicht weiter tragisch: "Meine Werke sind 100 Prozent recyclingfähig", lacht Schoppe, "man kann sie einfach verheizen." Obwohl - es wäre schade drum.