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Fähre
Golmbach (21.11.09). Die Vorher-Nachher-Fotos sind beeindruckend: Was die „Ü 50er“ unter Leitung von Jochen Droste aus Golmbach in diesem Herbst auf einem Soldatenfriedhof in Lettland geleistet haben, macht sie zu Recht stolz. In nur knapp zwei Wochen haben die 30 ehrenamtlichen Helfer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingefallene Mauern neu errichtet, zerbrochene Grabkreuze repariert und den Gedenkstein gereinigt. Über 300 Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg gaben sie damit eine würdige letzte Ruhestätte zurück, die in den letzten Jahrzehnten von Unkraut und Vergessenheit „überwuchert“ wurde.
„Arbeit für den Frieden“ ist das Motto des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Für Jochen Droste, den Stabsfeldwebel a.D. und aktiven Reservisten, hat dieses Motto in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Sieben Jugendcamps des Volksbundes in Italien hat er geleitet, das letzte in diesem Sommer. Daneben hat er vor drei Jahren begonnen, auch Einsätze mit „Senioren“, sogenannten „Ü 50ern“, auf europäischen Friedhöfen zu organisieren und zu leiten. „Die Schere zu den Jugendlichen klafft inzwischen doch zu weit“, gesteht Droste.
In Litauen und Österreich war er schon mit „seinen“ Senioren. Diesmal ging es nun nach Lettland auf einen Friedhof etwa 40 Kilometer südwestlich von Riga. 30 ehrenamtliche Helfer zwischen 51 und 76 Jahren (zwei aus der Schweiz, der Rest aus Deutschland) nahm Droste mit auf die lange Reise.
Die hat er auch diesmal gründlich vorbereitet. Schließlich mussten etwa zwei Drittel der benötigten Ausrüstung mitgenommen werden! Das reichte vom Stromaggregat bis zur Bierzeltgarnitur, da sich die Gruppe an ihrem „Arbeitsplatz“ mitten im Wald – etwa 2,5 Kilometer von der nächsten Siedlung entfernt – mittags auch selbst verpflegte. Aber es gab auch Unterstützung, zum Beispiel von der lettischen Partnerorganisation „Brüder-Friedhöfe-Komitee“ und von der Deutschen Botschaft.
Quartier bezogen die ehrenamtlichen Helfer in einem Hotel in Jelgava. Von dort ging es morgens nach dem Frühstück zu dem entlegenen Gefallenen-Friedhof. Neben deutschen Soldaten liegen hier auch 18 Russen und ein Finne begraben. Viele der Grabkreuze waren umgestürzt und zerbrochen, die Trockenmauern rings um die Anlage waren zusammengefallen und unter dichtem Bewuchs kaum noch erkennbar.
„Am ersten Tag dachten viele von uns: Das schaffen wir nie!“, erinnert sich Droste. „Doch am ersten Abend waren wir erstaunt, wie viel bereits fertig war.“ 30 Männer und Frauen schufteten sieben Stunden am Tag. Und am Ende des Einsatzes blickten sie zufrieden auf das Erreichte.
Ein „Glücksfall“ für Jochen Droste und sein Team war die Teilnahme einer pensionierten Lehrerin mit guten Russisch-Kenntnissen, die ihnen als Dometscherin zur Seite stand. Zum Beispiel bei den Ausflügen, für sie sich neben der Arbeit noch Zeit fand. Dazu gehörten ein Besuch in der deutschen Botschaft in Riga mit anschließender Stadtführung sowie eine Fahrt an die Ostseeküste nach Jurmala und zur Gedenkstätte für über 25.000 erschossene Juden im Bikerniki-Wald. Außerdem nahm die Volksbund-Abordnung an einer Gedenkveranstaltung teil und legte Blumen nieder.
Die ehrenamtlichen Helfer bezahlen ihren Einsatz – sprich Verpflegung und Unterkunft – übrigens stets aus der eigenen Tasche, und eine Entlohnung für ihre Arbeitskraft bekommen sie auch nicht. Und dennoch, berichtet Droste stolz, melden sich inzwischen weit mehr Interessenten als er tatsächlich mitnehmen kann. Ohne Spenden – zum Beispiel für das notwendige Gerät und Material – sind diese Einsätze jedoch nicht denkbar. Unter anderem dafür wird gerade jetzt in diesen November-Tagen wieder gesammelt – auch im Kreis Holzminden.
Für Jochen Droste steht jedenfalls fest: Er wird auch im nächsten Jahr wieder irgendwo in Europa, vermutlich im Osten, mit einer Gruppe engagierter Senioren „Arbeit für den Frieden“ leisten. (rei)

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