Landkreis Holzminden (23.01.2010). Zunächst war die L 484 über den Roten Fuchs eine Woche lang gesperrt, weil Bäume unter der Schneelast zu brechen und auf die Straße zu stürzen drohten. Nach zweitägiger Entwarnung ist die Strecke zwischen Holzen und Grünenplan nun abermals gesperrt: Jetzt werden die Bäume entlang der Straße gefällt. Und dafür greift das Forstamt Grünenplan zu richtig schwerem Gerät: Ein 700 PS starker Atlasbagger kappt die mächtigen Stämme auf beiden Seiten der Straße und legt sie in einem Arbeitsgang passend ab.
Mit dem Spezialbagger PowerCut ist die Firma Hüttmann aus Soltau für diese Aufgaben spezialisiert und bundesweit im Einsatz. Torsten Kohrs auf dem 34 Tonnen schweren Atlasbagger jongliert den Fällkopf des „PowerCut“ an die Bäume im Straßenrandbereich. Wie ein „doppelter Elefantenrüssel“ legen sich die Zangen selbst um 50 cm starke Laubbäume, greifen fest zu und halten den Baum unweigerlich im Griff, bevor die Säge am Stammfuß oder in einigen Metern Höhe den Baum absägt. Ganze Bäume oder schwere Kronen kann Kohrs so „spielend“ heben und sicher in einer Entfernung von acht bis zehn Metern fällen.
Irgendwann kommt auch diese Spezialmaschine an Grenzen, so dass ein Teil der Starkbuchen noch mit der Motorsäge von Hand zugefällt werden muss. Die Kronen und schwächeren Stämme werden für den Großhacker Terex gebündelt am Straßenrand abgelegt. Uwe Schulze beherrscht dieses ohrenbetäubende Ungetüm mit seinen fast 700 PS Leistung und 36 Tonnen Leergewicht. Der leistungsstarke Bruks-Hacker kann dabei Stämme bis zu 60 cm zerkleinern. „Optimal sind aber die mittleren Stärken“, so Schulze. Binnen kurzer Zeit hat er dann aus den abgelegten Kronen- und Stammbündeln Hackschnitzel produziert und den Container des Sattelzuges randvoll gefüllt.
Mehrere Container sind auf der Landstraße abgestellt, Lastwagen bugsieren diese „just in time“ zum Hacker und fahren sie dann voll beladen ins nächste Energiewerk. „Alles in allem eine große logistische Leistung, die die Firma Hüttmann hier vollbringen muss“, betont Hauke Bruns vom Niedersächsischen Forstamt Grünenplan, der die Maßnahme in enger Abstimmung mit der Straßenmeisterei Eschershausen leitet. Es sei wichtig, dass Forstamt, Firma und Straßenmeisterei gut zusammenarbeiten und sich ergänzen. So sorgt die Straßenmeisterei zum Beispiel für die Straßensperrung. Friedrich Tacke von der Straßenmeisterei reinigt mehrfach am Tage mit seinem Unimog die Straße, damit die Hackschnitzel- und Kronenreste nicht festfrieren und bei Ende des Arbeitseinsatzes die Straße dann schnell wieder freigegeben werden kann.
„Aufgrund der ständigen Geschäftsbeziehungen zu den Niedersächsischen Landesforsten war es dann auch möglich, diesen wichtigen Einsatz kurzfristig im Forstamt Grünenplan einzuschieben“, sagt Forstamtsleiter Hauke Bruns zufrieden. Das bewährte Baggerverfahren hatte das Forstamt bereits in den letzten Jahren an der Kreisstraße Kaierde – Wenzen und in anderen Bereichen erfolgreich eingesetzt.
Torsten Kohrs und Uwe Schulze sind bei der Firma Hüttmann ein eingespieltes Team. Etliche Kilometer Straße haben beide schon bearbeitet und damit auch für die Verkehrssicherheit einen wichtigen Beitrag geleistet. Denn die Probleme der letzten Woche haben gezeigt, dass eine zeitaufwendige und kostenintensive Verkehrssicherung notwendig ist. „Kosmetische Dosierungen“ bei wenigen Stämmen schaffen nur kurzfristig am jeweils aktuellen Gefahrenpunkt Entspannung. „Die Verkehrssicherung gestaltet sich seit Jahren schwierig“, so die örtlichen Revierleiter Bernd Köps und Michael Bothe, „denn bisher konnten nur einzelne Bäume zurückgenommen werden“. Die Speziallösung mit den Großmaschinen bedeutet zwar für den Verkehr eine mehrtägige Vollsperrung. Jede andere Lösung hätte aber auf der Gesamtstrecke ein Vielfaches an Zeit gekostet, so dass über mehre Wochen Teil – oder Vollsperrungen an der Tagesordnung gewesen wären. Daher bitten Forstamt und Straßenmeisterei nochmals um Verständnis für die Vollsperrung – dient diese Maßnahme doch letztendlich einer nachhaltigen Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer.
Unverständnis herrscht allerdings, wenn Autofahrer und sogar Lastwagen die doppelte Straßensperrung ignorieren, Schilder und Warnbarken beiseite schieben und dann unmittelbar und unverhofft im gefährlichen Arbeitsbereich auftauchen, die Arbeit blockieren und sich und andere dabei gefährden.
Auch am Wochenende laufen die Arbeiten in Teilbereichen weiter. Am Montag wird noch zwischen Roter Fuchs und Holzen ein Teilstück bearbeitet, so dass nach heutiger Planung am Dienstag die restlichen Kronen gehackt, die Straße gesäubert und dann wohl spätestens am Mittwochvormittag, vielleicht schon am Dienstagabend die Strecke wieder frei ist. (r/nig)

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