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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Märchen werden in „Zauberwald“ und „Teufels Küche“ lebendig

Das „Theater der Nacht“ hat die Märchengestalten liebevoll in Szene gesetzt. Foto: nig

Bevern (28.03.09). Ein bisschen gruselig ist es schon, hier im finsteren Märchenwald. Der Baum, der seine langen Äste in alle Richtungen ausstreckt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Hand, die sich mit ihren Fingern auf den Boden stützt. Dazwischen hockt ein Zwerg mit roter Blume, der unverhofft anfängt, ein schauriges Märchen zu erzählen. Und schon ist man mittendrin – im Märchenland im Schloss Bevern.
Die zahlreichen Märchen, die über die Jahrhunderte in der Region rund um Holzminden und dem Solling entstanden sind, werden hier wieder lebendig. Zum Teil vergessene Erzählungen, aber auch bekanntere Stücke zum Beispiel vom Jäger Hackelberg bekommen in den szenischen Darstellungen im Schloss Bevern wieder ein Gesicht. Wer im Märchenwald genau hinhört, kann den Jäger Hackelberg mit seiner Hundemeute durch die Lüfte sausen hören. Hier kann man seiner Phantasie freie Lauf lassen, ebenso in der „Waschküche der Erscheinungen“, in der von wundersamen Begebenheiten im Nebel und Dämmerlicht berichtet wird. Für die entsprechende Atmosphäre sorgen wechselnde Projektionen an aufgehangenen Wäschestücken. 
Der Waschbottich spricht mit den Besuchern, erzählt kurze Märchen, sobald man in seine Nähe kommt. Ebenso in „Teufels Küche“: Wer hier die Ofenklappe öffnet, hört ein Märchen, und wer die Wiege daneben bewegt, ebenfalls. „Die sprechenden Objekte sind eigens für die Ausstellung in Bevern entwickelt worden“, erklärt Dr. Christian Leiber bei einem Rundgang durch die einzelnen Bereiche. Die Sonderausstellung mit dem Titel „Der Fiedler in der Wolfsgrube“ ist eine Kooperation mit dem „Theater der Nacht“ aus Northeim. Und das merkt man insbesondere an der Fantasie- und liebevollen Ausgestaltung der einzelnen Stationen. Nach Themenbereichen geordnet, begegnen die Besucher Geschichten und Erzählmotiven, die ihren Ursprung in Holzminden, Dassel, Fredelsloh und Uslar haben. Über Jahrhunderte wurden sie mündlich überliefern, gerieten teilweise in Vergessenheit. In dem zur Ausstellung veröffentlichten Buch „Der Fiedler in der Wolfsgrupe“ – erschienen im Verlag Jörg Mitzkat – werden diese Sagen und Märchen aus dem Solling und dem Wesertal wieder aufgegriffen und erläutert. Die Themen des Buches finden sich auch in der Ausstellung wieder. Durch die geschmackvolle Inszenierung werden Eltern und Kinder gleichermaßen angesprochen. Schulklassen und andere Gruppen können eine einstündige, kommentierte Führung buchen, die von den Vorlesepaten des Landkreises übernommen wird. „Dabei wird der Blick geschärft für die Details der verwobenen Sagenmotive und märchenhafte Dinge“, findet Dr. Leiber“. Und nebenbei wird danach gefragt, was für eine Lebenswelt es war – damals zwischen Weser und Solling – als die Märchen entstanden und von Generation zu Generation immer wieder neu erzählt wurden.
Während Erwachsene am Beginn des Rundgangs auf großen Bannern die Märchen nachlesen können, dürfen Kinder und Schulklassen in die Märchenwelt noch auf andere Weise eintauchen: An einem Schattenspieltisch können sie eigene Märchenfiguren und Formen entwerfen, ausschneiden und gemeinsam mit Klassenkameraden ein spontanes Schattenspiel ausprobieren. Die selbst gebastelten Schattenfiguren verbleiben übrigens vorerst in der Ausstellung, werden – versehen mit den Namen der Kinder – auf einem langen „Märchenfries“ aufgehangen. Noch ist diese große Leinwand leer, aber bis zum Ausstellungsende am 7. Juni soll sie dicht gefüllt sein. Die kommentierte Führung mit dem Schattenspielangebot für Kindergruppen ist übrigens auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten vormittags buchbar.
Die Klasse 5a der Förderschule Holzminden hat dieses Angebot bereits genutzt, Betreuungslehrer Joachim Herrmann zeigt sich zufrieden, wie sich die Kinder von der Atmosphäre der Ausstellung und den zusätzlichen Bastelangeboten beeindrucken ließen. „Wir haben den Anspruch, dass alle dritten bis fünften Klassen im Landkreis unsere Ausstellung gesehen haben“, sagt Kulturreferentin Katja Drews, die sich über Anmeldungen unter Telefon 05531/994010 freut.
In den kommenden Wochen werden Märchenstunden, Kindertheater und eine Sondervorstellung der Sagen-Nacht das Ausstellungsprogramm ergänzen.

Öffnungszeiten
Die Ausstellung „Der Fiedler in der Wolfsgrube“ in den Ausstellungsräumen im Schloss Bevern ist bis zum 7. Juni zu folgenden Zeiten geöffnet: Mittwoch bis Freitag 15 bis 17 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Für Gruppen zusätzlich auf Anfrage (Telefon: 05531/ 994010) wochentags ab 9 Uhr.
„Kriegskinder“
Parallel ist im Blauen Saal des Schlosses Bevern auch die Ausstellung „Kriegskinder“ vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zu sehen (der TAH berichtete). Sie läuft noch bis zum 30. April und ist geöffnet mittwochs bis freitags von 15 bis 17 Uhr sowie sonnabends und sontags von 11 bis 17 Uhr.  (nig)

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